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Popkultur

Zeitsprung: Am 26.12.1963 wird Metallica-Drummer Lars Ulrich geboren.

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Foto: NILS MEILVANG/AFP/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.12.1963.

von Christof Leim

Metallica-Urgestein

Lars Ulrich hat noch nie in einer anderen Band gespielt. Macht aber nichts, gleich seine erste Combo wird zur größten Metal-Kapelle des Planeten: Mit Metallica hat der Schlagzeuger Legendäres geleistet und Fantastillionen an Platten verkauft. Das hat viel mit seiner Vision und seinem Antrieb zu tun. Ein Porträt.

Wenn man James Hetfield als das Herz von Metallica bezeichnet, weil er die Musik schreibt, dann entspricht Lars Ulrich dem Hirn. Ohne den dänischen Trommler wäre aus der Band nicht das Monster geworden, das wir kennen. Denn Lars ist seit jeher Motor, Visionär, Antreiber und Sprachrohr, manchmal auch Provokateur. Er hat mit seiner Band und seinem nicht unumstrittenen Drumming den Grundstein für den Thrash Metal gelegt und sich dabei als wichtiger Songwriter und brillanter Arrangeur erweisen. Zudem ist Lars Familienvater, Filmfreak und Kunstsammler. Schauen wir uns mal an, woher das alles kommt…

Die Kindheit

Am 26. Dezember 1963 erblickt Lars Ulrich als einziges Kind von Lone und Torben Ulrich das Licht der Welt in Gentofte, einem Vorort der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Vater Torben spielt professionell Tennis und schreibt für Zeitungen und Magazine, insbesondere über Jazz und Literatur. Die Eltern leben ihm ein großes Interesse für Kunst vor, zu ihren Freunden gehört Jazz-Saxofonist Dexter Gordon, der Lars’ Patenonkel wird. „Mein Vater hatte immer Musik um sich herum“, erzählt der Schlagzeuger später. Ein paar Häuser weiter wohnt Trompeter Don Cherry, mit dessen Stieftochter Neneh Cherry der kleine Lars spielt.

Der Junge wächst sehr frei und selbständig auf, „sehr offen“, wie er 1995 in einem Interview durchblicken lässt: „Amerikaner würden das womöglich ‚verwöhnt’ nennen. Aber ich war gleichzeitig unabhängig, sie haben mich nicht zurückgehalten. Allerdings musste ich mir alles selbst verdienen. Als ich 1975 Black Sabbath sehen wollte, hätte ich das von meinen Eltern aus zwölfmal am Tag machen können, solange ich mir das Geld für das Ticket selber erarbeite und auch dafür sorge, zur Show hin- und wieder zurück zu kommen.“

Der Fan

Sein erstes Konzert sieht Lars mit neun, als ihn sein Vater mit zu Deep Purple nimmt. Das macht Eindruck: Gleicht am nächsten Tag kauft sich der Junge das Album Fireball. Ein paar Jahre später, mit 12 oder 13, bekommt er von seiner Großmutter ein Schlagzeug geschenkt. Vor allem aber beschäftigt sich der kleine Ulrich mit Tennis wie sein Vater und auch schon sein Großvater. Er schlägt sich gut in den Jugendranglisten Dänemarks und gehört zu den zehn besten Spielern seiner Altersklasse. Daraus soll eine internationale Karriere werden, weshalb die Familie im Sommer 1980 nach Newport Beach in Kalifornien übersiedelt. Dort muss er allerdings feststellen, dass er mit seinen Fähigkeiten nur noch im Mittelfeld landet und es nicht mal ins Auswahlteam seiner Schule schafft. Der Sport verliert damit rasant an Attraktivität, aber jetzt kommt die Krachmusik.

Zu Lars’ Lieblingen gehören Klassiker wie Deep Purple, Black Sabbath und Motörhead, vor allem aber hat es ihm die NWoBHM angetan, die „New Wave Of British Heavy Metal“ mit Bands wie Diamond Head, Blitzkrieg, Jaguar, Angel Witch und den frühen Iron Maiden. Es gibt die schöne Geschichte, dass er sich so viel Vinyl aus England bestellt, dass ein Versand ihm irgendwann einfach alles schickt, was bei ihnen aus diesem Genre rauskommt.

1981 reist er nach Großbritannien, um Diamond Head live zu sehen, und schläft bei den Musikern auf dem Sofa. Hierbei lernt er nach eigenen Aussagen viel über Arrangement und Songwriting, im Laufe ihrer Karriere spielen Metallica sage und schreibe fünf Diamond Head-Songs nach. Auf der Website Home Of Metal veröffentlicht Gitarrist Brian Tatler einen Brief, in dem Lars ihm damals von der Gründung seiner neuen Band Metallica berichtet.

Zielstrebigkeit führt doch zum Ziel

Ulrich schafft es als kleiner 16-jähriger Fanboy sogar bis in den Proberaum von Motörhead, was gut seine Zielstrebigkeit demonstriert: „Ich hatte zwei Nächte in London und habe über einen Freund den Tipp bekommen, dass sie gerade proben. Also bin ich zu diesem Studio gefahren, von dem man mir erzählt hat – und eine halbe Stunde später sitze ich bei Lemmy, Phil Taylor und Eddie Clark. Nur die Band und ich, und sie schreiben Songs für ihr nächstes Album. Einer davon hieß Iron Fist. Das muss man sich mal vorstellen.“

Mitte der Achtziger taucht Lars sogar im Innencover der Motörhead-LP Orgasmatron von 1986 auf – und zwar auf einem Foto, das ihn in seiner eigenen Kotze liegend zeigt, geschossen in Lemmys Hotelzimmer nachmittags um drei. Wie das passierte, erzählt er in einer US-Talkshow: „Lemmy kam in die Stadt, und das war das Größte in unserer Welt. Vor seinem Hotel habe ich aus lauter Nervosität ein paar Wodka gekippt, bin dann reingegangen und ein paar Stunden später aufgewacht. Dazwischen hat man mich fotografiert, und das kam dann in das nächste Motörhead-Album.“ Erkennen kann man Lars auf dem Bild leider nicht, aber wirklich unrealistisch klingt die Geschichte nicht.

 

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Happy Birthday Duder!! Here’s to another 453 years… At least!!! @papa_het_ 🎉🎂🍰🎁 #wanna #babyfaces

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Die  Bandgründung

Zurück ins Jahr 1981: Als Lars nach seinem Englandausflug wieder in Kalifornien landet, will er unbedingt eine Band gründen. Bei einem Konzert kommt er über ein Saxon-Shirt mit einem Metalhead namens Brian Slagel ins Gespräch, der später Chef des einflussreichen Labels Metal Blade werden sollte. Damals startet er gerade mit der Compilation-Reihe Metal Massacre, auf der er Hartmusik-Gruppen der lokalen Szene von Los Angeles versammelt. Da will Lars natürlich mitmachen und schwatzt Slagel seine Band auf – die es noch gar nicht gibt. Doch der umtriebige Däne erinnert sich an einen Typen, den er ein paar Monate vorher über ein Inserat im Anzeigenblatt The Recycler kennengelernt hat: James Hetfield. Ein erstes Treffen führte nicht weit, denn Hetfield zeigt sich von den Lars’ Trommelkünsten unbeeindruckt, nicht zuletzt weil ein Beckenständer ständig beim ersten Schlag umfällt. Da jetzt aber eine Veröffentlichung auf einer Vinylplatte in greifbare Nähe rückt, machen die beiden gemeinsame Sache. Damit werden am 28. Oktober 1981 Metallica geboren. Ihr erster Song Hit The Lights erscheint auf Metal Massacre I, der Rest ist Geschichte.

Metallica werden zu den Vorreitern einer neuen, härteren Gangart und zum Primus einer Szene. Das Debütalbum Kill ‘Em All von 1983 mischt den Underground auf, Ride The Lightning zeigt 1984 eine erstaunliche Reifung, mit Master Of Puppets legen sie 1986 dann einen Meilenstein des Genres hin. Spätestens mit dem 1988er-Opus …And Justice For All schafft die Band endgültig den Durchbruch. Lars ist da 25 Jahre alt. 1991 macht ihn Metallica (oder The Black Album) vor seinem 30. Geburtstag zum internationalen Rockstar und Millionär.

Zwischen diesen Bildern liegen 35 Jahre – Pic 2018: Herring  Herring

Der Musiker

Bei diesem steilen Aufstieg agiert Lars Ulrich immer als Motor und Kapitän, der die Band nach vorne treibt und lenkt. Bei allen Aspekten des Songwritings, der Arrangements und der Produktionen ist er involviert; es gibt nur zwei Stücke, für die er keinen Songwriting-Credit erhalten hat: Motorbreath und Anesthesia (Pulling Teeth) vom Debüt, letzteres ist ein Basssolo. Lars steuert sogar strukturelle Ideen zu den frühen Soli von Kirk Hammett bei. Seine Vision für Metallica zeigt sich zum Beispiel auf dem Black Album: Lars erkennt Enter Sandman als den wichtigen Song, schlägt die entscheidende Änderung am Riff vor und besteht darauf, die Nummer als erste Single auszukoppeln.

Dass Lars mit seinem Spiel insbesondere auf den frühen Alben tausendfach kopierte Maßstäbe im Metal gesetzt hat, steht außer Frage. Einen besonders guten Ruf als Drummer genießt er trotzdem nicht, wie jede Dienststelle der Musikpolizei gerne bestätigt. Es gehört in der Welt der harten Mucke sogar zum guten Ton, über Ulrichs technische Mängel herzuziehen. „Ich bin kein besonders versierter Schlagzeuger“, sagt er über sich selbst, „aber ich verstehe sehr, sehr, sehr gut die Rolle der Drums neben der Rhythmusgitarre von James Hetfield. Ich garantiere euch, dass ich dafür der Beste auf der ganzen Welt bin. Und das ist gut genug für mich.“ Virtuosen wie der ehemalige Dream Theater-Schlagwerker Mike Portnoy bestätigen das: „Man muss nicht großartig trommeln, um der wichtigste Typ in der Band zu sein.“ Man kann festhalten: Lars spielt besser als sein Ruf, aber seine Leistung für Metallica liegt statt in instrumentaler Brillanz eher woanders. Und das kann man nicht einfach üben. Wie die Band indes mit anderen Taktgebern klingt, konnten 2004 die Besucher des Download Festivals hören, als unser Mann aus gesundheitlichen Gründen von Dave Lombardo (Slayer) und Joey Jordison (Slipknot) ersetzt werden musste. Ob das mehr oder weniger Groove hat oder besser oder schlecht klingt, darf sich jeder selbst überlegen. Anhören kann man es hier.

Seinerseits Gastauftritte spielt Lars übrigens fast nie: 1993 trommelt er für Mercyful Fate eine Neuaufnahme ihres Songs Return Of The Vampire ein, 2018 hört man ihn auf der neuen Liveplatte von Volbeat bei den Songs Guitar Gangsters & Cadillac Blood und Enter Sandman.

Der Kommunikator

Lars Ulrich lebt nach seinen eigenen Regeln, seit er als 19-Jähriger begann, im Namen der Krachmusik durch die Welt zu ziehen. Er erweist sich in seinen Äußerungen als liberaler, weltoffener Geist, was ihn in späteren Jahren deutlich von Hetfield unterscheidet. Der Dokumentarfilm Some Kind Of Monster zeigt 2004, dass die beiden Alpha-Rocker auch ganz ordentlich aneinander geraten können. Grundsätzlich wissen Lars und James aber, wie sie miteinander umzugehen haben, und bilden heute noch den Kern von Metallica.

Dabei lassen sie sich überhaupt nicht gerne reinreden oder durch Erwartungen einschränken: Schon 1984 bekommen Metallica Schimpfe von den Szenewächtern für die Metal-Ballade Fade To Black, doch Lars will sich nicht auf die „erlaubte“ Formel des Thrash Metal reduzieren lassen und sagt das in Interviews deutlich. Das Gleiche wiederholt sich 1991 mit dem Black Album, und als die Band Mitte der Neunziger mit Load und Reload in eine Alternative Rock-Ecke abdriftet, legt Lars mit Kajalstift und künstlerischen Fotos noch einen drauf und hält auch sonst mit seiner Meinung zur kreativen Weiterentwicklung nicht hinter dem Berg. Damit verstößt er mehr als einmal gegen die „Gesetze“ des Heavy Metal und verärgert die konservative Headbangerschaft.

Lars ist es auch, der im Sommer 2000 vor den US-Senat tritt und sich öffentlich gegen die Musiktauschbörse Napster stellt. Diese Attitüde dürften damals 99% aller Musiker und Musikerinnen geteilt haben, doch kaum einer wagt es, das offen auszusprechen. Dass Ulrich und Metallica in der Sache völlig richtig lagen, sollte Dekaden später jedem klar sein. Er selbst gibt jedoch bereitwillig zu, wie sehr das in Sachen Eigen-PR in die Hose ging und dem Ruf von Metallica geschadet tat.

Der Vielbeschäftigte

Daneben führt der Mann natürlich noch ein Privatleben: Seine erste Ehe 1988 mit einer Britin hält nicht lange, 1997 heiratet er eine kalifornische Ärztin und wird Vater zweier Söhne. Mit der dänischen Schauspielerin Connie Nielsen hat er einen weiteren Sohn, heute ist er verheiratet mit Jessica Miller, einem US-amerikanischen Model.

Außer für Musik begeistert sich Lars Ulrich schon lange für Kunst, insbesondere für abstrakte Maler, und gibt dafür eine Menge Taschengeld aus. In Some Kind Of Monster sieht man, wie bei einer Auktion für ein Bild mehrere Millionen Dollar den Besitzer wechselt. Film gehört ebenfalls zu den Leidenschaften des Dänen, weswegen er in einigen kleineren Cameos zu sehen ist. Zwischen 1998 und 2002 versucht er sich sogar als Boss seiner eigenen Plattenfirma The Music Company, muss aber einsehen, dass hier nicht viel zu holen ist. In jüngster Zeit betreibt er die Radioshow It’s Electric!, in der er andere Musikgrößen interviewt.

Ans Aufhören denkt er nicht, sondern hofft, „noch 20 oder 25 Jahre“ weiterzumachen, wenn die Gesetze der Natur da keinen Strich durch die Rechnung machen. Und so spielt Lars Ulrich weiter in seiner allerersten Band…

Credit: Raph_PH/WikiCommons

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„…And Justice For All“ von Metallica: Track für Track!

Popkultur

Zeitsprung: Am 3.7.1969 wird Rolling-Stones-Gründer Brian Jones tot aufgefunden

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Brian Jones
Foto: Keystone/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.7.1969.

von Tom Küppers und Christof Leim

Aufstieg und Fall liegen gerade in der Kunst oft gefährlich nahe beinander. Basierend auf der Vision von Brian Jones legten die Rolling Stones den Grundstein für ihre Weltkarriere, doch der Gitarrist wird das nicht mehr erleben. Sein Tod am 3. Juli 1969 ist der tragische Höhepunkt einer traurigen Geschichte und sorgt bis heute immer mal wieder für Spekulationen.

Hört hier das letzte Stones-Album, das zu Jones’ Lebzeiten veröffentlicht wurde:

Die Jugend des am 28. Februar 1942 geborenen Lewis Brian Hopkin Jones verläuft anfangs in halbwegs geordneten Bahnen. Sein musikalisches Talent legen ihm die Eltern in die Wiege, denn der Vater unterrichtet in seiner Freizeit andere am Klavier, seine Mutter greift ebenfalls in die Tasten und leitet den örtlichen Kirchenchor. Knapp volljährig zieht er nach London, um eine neue Band zu gründen. Dort trifft er auf Mick Jagger, der Keith Richards mitbringt – das Grundgerüst der Rolling Stones steht somit. Jones ist zu diesem Zeitpunkt der klare Anführer der Band. Er bringt Jagger und Richards die Feinheiten des Rhythm & Blues näher, zeigt Mick, wie das mit der Mundharmonika geht und spielt tagelang mit Keith zu Platten von Jimmy Reed und Muddy Waters.

Sprachrohr mit Stimmungsschwankungen

Als die Stones 1963 durchstarten, ist Jones Sprachrohr und Star der Gruppe. Doch hinter den Kulissen zeigt er sich unzufrieden – vor allem ab dem Moment, als Jagger und Richards anfangen, eigene Songs zu schreiben. Denn Jones’ Schwäche liegt darin, dass er als Komponist nicht mit den anderen mithalten kann. Die Stones, getragen von einer bis dato noch nicht gesehenen Erfolgswelle, hetzen durch die Konzertsäle und Aufnahmestudios, Jones kontert dem Stress mit Drogen und Alkohol.

Brian Jones

Anfangs der klare Anführer bei den Stones: Brian Jones. (Bild: Mark & Colleen Hayward/Redferns/Getty Images)

Etliche Zeitgenossen berichten dazu von extremen Stimmungsschwankungen. Stones-Basser Bill Wyman schreibt in seiner Biografie A Stone Alone von zwei Persönlichkeiten: „Die eine gab sich introvertiert, schüchtern, sensibel, tiefgründig. Die andere war eine umher stolzierender Pfau, gesellig künstlerisch und verzweifelt auf die  Anerkennung anderer angewiesen.“ Das Problem an der Sache: Künstlerisch kriegt Jones immer weniger auf die Pfanne. Bei Aufnahmesessions beschränkt sich sein Beitrag hauptsächlich auf obskure Instrumente (auf Paint It, Black brilliert er zum Beispiel mit einem fantastischen Sitar-Lick) – wenn er überhaupt erscheint. Oft ist er zu benebelt, um Produktives beizutragen, was beispielsweise der Promo-Clip zum 1967 veröffentlichten We Love You schmerzlich vor Augen führt. Als die Stones ihre nächste US-Tour planen, wird klar, dass Jones zum einen wegen diverser Drogendelikte kein Visum erhalten wird und zum anderen überhaupt nicht mehr in der Lage ist, auf Tournee zu gehen. Jagger, Richards und Co. ziehen die Notbremse und eröffnen ihrem ehemaligen Bandleader Anfang Juni 1969, dass sich ihre Wege jetzt trennen werden. (Die ganze Geschichte dazu gibt es hier.)

Große Pläne

Jones zieht sich auf die Cotchford Farm zurück, die früher einmal dem Autoren A.A. Milne (Pu der Bär) gehörte. Sein alter Freund Alexis Korner besucht Brian kurz nach der Trennung und berichtet, er habe den Gitarristen lange nicht mehr so glücklich erlebt. Tatsächlich hegt Brian weitere musikalische Pläne mit John Lennon oder Mitch Mitchell von der Jimi Hendrix Experience, sogar ein paar eigene Songs nimmt er als Demos auf.

Doch in der Nacht des 3. Juli 1969 entdeckt Jones’ damalige Partnerin Anna Wohlin seinen leblosen Körper am Boden des Swimmingpools. Sie behauptet zwar, dass Jones noch gelebt habe, als er aus dem Wasser gezogen wurde, doch als die Ärzte eintreffen, können sie nur noch den Tod des 27-Jährigen feststellen. Zwei Tage später wollen die Stones im Hyde Park seinen Nachfolger Mick Taylor vorstellen, widmen die Show aber natürlich dem verstorbenen Weggefährten. Jagger trägt aus dem Gedicht Adonais vor, dazu werden Hunderte weiße Schmetterlinge freigelassen, und die Band spielt einen von Brians Lieblingssongs. Eine Woche später wird Brian Jones beerdigt.

Jahrelange Spekulationen

Der Leichenbeschauer kam damals zu dem Schluss, das Ganze sei ein Unfall gewesen, und hält fest, dass Herz und Leber aufgrund der vergangenen Eskapaden deutlich vergrößert seien. Doch immer wieder kochen Theorien hoch, dass Jones’ Tod eben kein Unglück war. Regelmäßig taucht in diesem Zusammenhang der Name Frank Thorogood auf, ein Bauarbeiter, der zum Zeitpunkt des Todes auf dem Anwesen beschäftigt war. Zuletzt kommen diese Vorwürfe 2008 wieder auf, als die Mail On Sunday behauptet, Thorogood habe Jones im Streit getötet, was die Polizei seinerzeit vertuscht hätte. Die zuständigen Behörden in Sussex antworten, dass trotz ausführlicher Untersuchungen keine neuen Beweise aufzufinden sind, die der ursprünglich festgestellten Todesursache widersprechen.

Brian Jones Beerdigung

Brian Jones wird zu Grabe getragen (Bild: Evening Standard/Hulton Archive/Getty)

Über Jones’ Tod zu sprechen, fällt Jagger auch viel später noch sichtlich schwer. „Ich habe die Schwere seiner Drogensucht damals einfach nicht richtig verstanden“, erklärt er 1995 dem Rolling Stone. „Dinge wie LSD waren völlig neu. Niemand kannte die Nachteile. Man dachte, Kokain sei gut für einen.“ In ihrer Dokumentation Crossfire Hurricane setzen die Stones ihrem Gründer dann endgültig ein Denkmal und erinnern so daran, welch immenses musikalisches Talent die Rockwelt viel zu früh verloren hat.

Zeitsprung: Am 8.6.1969 feuern die Rolling Stones ihren Gitarristen Brian Jones.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 2.7.1984 erscheint das zweite Dio-Album „The Last In Line“

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Dio Last In Line

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.7.1984.

von Christof Leim

Am 2. Juli 1984 veröffentlicht Ronnie James Dio das zweite Album seiner Solokarriere. The Last In Line schlägt in die gleiche Kerbe wie der fulminante Einstand Holy Diver, zeigt aber bereits dezente Änderungen im Sound. Immerhin: Ordentlich Riffs und Regenbögen gibt’s immer noch.

Zur Lektüre könnt ihr euch hier die Deluxe-Version der Platte anhören:

Er hat gut vorgelegt, keine Frage: 1983 veröffentlicht Meistersänger Ronnie James Dio mit Holy Diver sein erstes Album unter eigenem Namen und startet damit nach Erfolgen mit Rainbow und Black Sabbath eine Solokarriere. Das Debüt darf – ach was: muss – man heutzutage als unsterblichen Metal-Klassiker bezeichnen. (Ehrlich jetzt: Das Ding gehört in jede Sammlung. Und wer Gitarre spielt, muss das Holy Diver-Riff draufhaben. So will es das Gesetz.)

Hochkarätige Besetzung

Mit dabei in der ersten Inkarnation der Dio-Band: Black-Sabbath-Kollege Vinny Appice am Schlagzeug, der alte Rainbow-Kollege Jimmy Bain am Bass und ein blutjunger Flitzefinger aus Belfast namens Vivian Campbell. Der hatte vorher bei den NWoBHM-Untergrundlern Sweet Savage gespielt (unter Metalheads hauptsächlich bekannt wegen des Metallica-Covers von Killing Time), später bei Whitesnake, heute gehört er zu Def Leppard.

Dio

Mit dem Erfolg des Erstlings im Rücken macht sich diese Mannschaft an die Arbeit zum Nachfolger, zum ersten Mal verstärkt durch einen Keyboarder: Claude Schnell von Rough Cutt. Diesmal kann Campbell mehr Material beisteuern als beim Debüt, viele Stücke entstehen als Kooperation der ganzen Band (minus Schnell), zwei der neun Nummern schreibt Dio alleine. Die Texte stammen ebenfalls vom Meister selbst, und natürlich geht’s wieder um Dämonen, Regenbogen, Gut gegen Böse, die Nacht und so weiter – das ganze gute Zeug eben, das große Teile des klassischen Metal gleichermaßen kitschig wie großartig sein lässt. Man weiß nur nie so recht, ob die Pommesgabel reicht oder man demnächst einen Ring in ein Feuer werfen muss.

Flirt mit dem Pop-Metal

Viel der neuen Platte ist aus ähnlichem Holz geschnitzt wie Holy Diver, die Dio-Band führt ihren bewährten Stil weiter. Das heißt: Griffige Songs zwischen Hard Rock und Heavy Metal, mit Riffs galore, brillanten Soli und noch brillanterem Gesang. Insgesamt fällt The Last In Line allerdings ein Quäntchen weniger rau aus, was vor allem am Sound liegt. Den verantwortet erneut Ronnie selbst, der als Produzent agiert. Man kann sagen: Dio flirten hier schon ein bisschen mit dem Pop-Metal, der die Mittachtziger dominiert; auf den Nachfolgern Sacred Heart (1985) und Dream Evil (1987) gehen sie noch weiter.

Die Scheibe eröffnet mit We Rock, einem klassischen Achtziger-Metal-Track mit schnellen Riffs und Fäusteschwinger-Refrain, der schnell zum Fixpunkt der Setlist wird. Im Titelstück The Last In Line geht es episch zu dank cleaner Gitarren am Anfang, dramatischen Melodien vom Meister, auf die stampfende Verse und ein Chorus folgen, zu dem man als Metal-Fan die Faust einfach ballen muss. Es geht ja schließlich um etwas: Sind wir böse oder göttlich, „evil“ or „divine“? Was philosophische Fragen anbelangt, geht unser Dio für weniger gar nicht aus dem Haus. Der Song wird in Europa als dritte Single veröffentlicht, 30 Jahre später erhalten Tenacious D für ihre Coverversion sogar einen Grammy.

Platin und Radio-Hits

Ansonsten gibt es knackige Rocker wie Breathless, One Night In The City und Eat Your Heart Out, die allerdings nicht zwangsläufig auf jede Dio-Best-Of gehören. Das Gleiche gilt für die flotten Headbanger I Speed At Night und Evil Eyes. Mit Mystery hat das Quintett sogar eine regelrecht poppige Nummer am Start, die trotzdem oder deshalb zur Single erkoren wird und sich auf MTV nicht schlecht schlägt. Für ein ordentlich im Shuffle stampfendes Epos (man denke an: Heaven & Hell) ist Ronnie James natürlich immer zu haben, deshalb endet die Platte mit dem Sieben-Minuten-Brecher Egypt (The Chains Are On), einem Album-Höhepunkt.

Das kommt an: Für The Last In Line erhalten Dio schon nach zwei Monaten eine Goldauszeichnung in den USA dank einer halben Millionen verkaufter Platten, knapp drei Jahre später gibt es Platin. Die Chartplatzierungen können sich sehen lassen: Platz 23 in den Vereinigten Staaten und Deutschland, sogar Rang 4 in Großbritannien. Alle drei Singles (Mystery, We Rock und The Last In Line) werden zu Hits im Rockradio. Damit hat Ronnie James Dio seine Soloband nachdrücklich etabliert. Die Truppe tourt ausführlich, Liveaufnahmen erscheinen im Konzertvideo A Special From The Spectrum von 1984 und 2012 auf der Deluxe-Version der Platte.

Heutzutage klingt The Last In Line weniger zeitlos als das vermutlich geplant war, also schon ziemlich deutlich nach den Mittachtzigern, gehört aber zum Kanon der geschichtsträchtigen Metal-Werke. Dem zollen 2012 die damaligen Mitstreiter Campbell, Appice und Bain (verstorben 2016) Tribut, indem sie ihre neue Band Last In Line nennen und so den Geist der frühen Dio-Band trotz des Todes ihres Namensgebers (2010) weiterleben lassen.

Dio Last In Line

Zeitsprung: Am 17.4.1980 feiern Black Sabbath mit Dio Premiere – in Ostfriesland.

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Popkultur

25 Jahre „Three Dollar Bill, Y’all“: Limp Bizkit starten ihren Kreuzzug des schlechten Geschmacks

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Limp Bizkit
Foto: Brenda Chase/Getty Images

Nu Metal ist längst auf dem Vormarsch, als Limp Bizkit mit ihrem Debüt Three Dollar Bill, Y’all um die Ecke biegen. Der provokante, für viele abstoßende White-Trash-Appeal von Fred Dursts wilder Bande ist 1997 für viele dann aber doch noch zu viel.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Three Dollar Bill, Y’all anhören:

Limp Bizkit liebt man oder hasst man. Dazwischen, so kann man nach 25 Jahren sicher sagen, gibt es nicht viel Spiel. Genau so wie es sich Fred Durst damals also vorstellte, als er zu Beginn der Neunziger eine Band gründet. Durst steht auf Hip-Hop ebenso wie auf Heavy Metal, skatet, liebt Tattoos, Beatboxen und Breakdancen. Ziemlich viel Cringe-Potential natürlich für einen weißen Dude Anfang 20 in North Carolina. Aber Hobbys sind eben Hobbys.

Nach Stippvisiten bei bedeutungslosen Lokalbands hat er genug und nimmt die Dinge einfach mal selbst in die Hand. Gesegnet mit jeder Menge Selbstbewusstsein, einen gewöhnungsbedürftigen Sinn für Humor und einer Vorliebe für Provokation kann er Bassist Sam Rivers und dessen Cousin, Jazz-Drummer John Otto von seinen Plänen überzeugen. Bald darauf wird das junge Glück ergänzt von Gitarrist Wes Borland. Als Durst einen zweiten Gitarristen an Bord holen will, um den Sound breiter und variabler zu gestalten, funkt Borland dazwischen: Nö, nix da, sagt der, ein Gitarrist reicht völlig. Stattdessen stößt DJ Lethal von House Of Pain zu der jungen Band, völlig begeistert davon, wie er sich hier im Vergleich zu seinen alten Hip-Hop-Buddies ausleben kann: Knallharter Sound, kompromisslose Attitüde, hohes Aggressionspotential und eine durchaus originelle Vermischung von Rap und Metal.

Das Beachtenswerte: Ohne es zu wissen, schart Fred Durst schon in den frühen Tagen ein Line-Up um sich, das bis zum heutigen Tag unverändert bleiben und gemeinsam über 40 Millionen Tonträger verkaufen soll. Nicht schlecht für die selbstgefälligen Visionen eines gelangweilten Twens mit großer Klappe. Aber das ist bei Fred Durst eben immer schon so: Große Klappe, was dahinter.

Schocken um jeden Preis

Er ist es auch, der seiner Band den Namen Limp Bizkit gibt. Er will die Menschen bewusst anwidern, will sie abschrecken und schon sehr frün die Spreu vom Weizen trennen. Wer sich schon von diesem Namen abschrecken lässt, denkt er sich, ist für die Musik eh nicht bereit. Damit soll er Recht behalten: Mit ersten Demo-Songs erregen sie zwar durchaus die Aufmerksamkeit einiger Plattenfirmen, ausnahmslos wird jedoch verlangt, die Band solle ihren Namen ändern. Nicht mit Durst! Der sieht lieber mit Wohlwollen, wie sich seine Band eine Kult-Anhängerschaft erarbeitet. Klar, Korn und die Deftones feiern damals schon große Erfolge; für den expliziten, trashigen, inhaltlich fragwürdigen, überzeichneten bewusst geschmacklosen Nu-Metal-Abriss hat man damals aber einfach noch keine Schublade.

Fred Durst ist überall unterwegs, um für seine Band Werbung zu machen, gibt sich schon auch mal als deren Manager auf, um dick aufzutragen. Wes Borland derweil entwickelt sein Faible für bizarre Kostümierungen, die schon bald einer der Hauptgründe sind, weshalb immer mehr Menschen zu Shows von Limp Bizkit kommen. Irgendwie kann Durst sogar Korn davon überzeugen, seine Band mit auf Tour zu nehmen, obwohl sie damals noch nicht mal einen Plattenvertrag haben.

Geschmacklos und stolz drauf

Den gibt es dann irgendwann doch – und natürlich ohne Namensänderung. Fred Durst kennt die Mechanismen der Industrie zu diesem Zeitpunkt schon beeindruckend gut. Dass er das Limp-Bizkit-Debüt trotzdem Three Dollar Bill, Y’all nennen muss – Queer as a three dollar bill ist eine homophobe Beleidigung –, ist mehr als nur ein Kopfschütteln wert. Aber da hat er sich eben schon eingeschossen auf seine Antihaltung, auf sein gezieltes Anecken, Anwidern, Anpissen.

Was George Michael wohl davon hielt?

Dafür hätte allein der Sound der Platte gereicht: Was am 1. Juli 1997 erscheint, ist ein verstörend hart produziertes, chaotisches, wütendes Album, das hörbar von Tool oder den Deftones geprägt ist, aber zu gleichen Teilen mit breitbeinigem Rap-Gehabe aufwartet und völlig unsubtil auf die Fresse gibt. Pollution ist ihr erster kleiner Hit, mit Counterfeit machen sie sich schon auf ihrem Debüt über Bands lustig, die sie kopieren. Klar, auch ihr anarchisches, tollwütiges Cover von George Michaels Faith, in Undergroundkreisen damals längst Legende, findet sich auf Three Dollar Bill, Y’all wieder. „Wir wussten, dass wir nur auffallen können, wenn wir die Leute schocken“, so Wes Borland damals. „Das bewegt die Leute.“

Scheint zu klappen: Nach dem Release touren sie im Vorprogramm ihrer Helden von Faith No More (wenn auch vor einem sehr ablehnenden Publikum), werden mehr und mehr von MTV entdeckt. Das Album wird zum Erfolg und zündet eine neue Stufe in Sachen Nu-Metal-Welteroberung. Man muss nicht mögen, wie Fred Durst in seinen Texten mit Frauen umgeht; man muss aber immer im Hinterkopf behalten, worum es ihm seit Tag eins bei dieser Band geht: Darum, dass sich die Menschen angewidert abwenden. Das zumindest ist spätestens 1999 allerdings passé: Der Nachfolger Significant Other verkauft sich gleich mal 16 Millionen Mal. Liebe oder Hass: Respekt vor Fred Dursts genialer Strategie muss man haben. Und die Songs, die knallen auch 25 Jahre später noch.

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10 Songs, die jeder Limp-Bizkit-Fan kennen muss

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