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Popkultur

Zeitsprung: Am 9.1.1944 kommt Jimmy Page von Led Zeppelin zur Welt.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.1.1944.

von Timon Menge und Christof Leim

Jimmy Page zählt zu den Ikonen des Classic Rock. Als Sessionmusiker erspielt er sich einen Namen, mit den Yardbirds und Led Zeppelin schreibt er Musikgeschichte. Am 9. Januar feiert der Rockstar seinen Geburtstag. Werfen wir einen Blick auf sein bewegtes Leben.


Hört hier in die bekanntesten Stücke von Led Zeppelin rein:

Klickt auf „Listen“ für die vollständigen Songs.

Die Kindheit

Zur Welt kommt James Patrick Page am 9. Januar 1944 im Londoner Vorort Heston. Sein Vater arbeitet als Personalmanager, seine Mutter als Sekretärin. 1952 zieht die Familie zuerst nach Feltham um, anschließend nach Epsom, wo Page seiner ersten Gitarre über den Weg läuft — und zwar im neuen Haus seiner Eltern. Ob das Instrument dort bloß vergessen wurde, weiß der Brite bis heute nicht.

Angefixt von der Musik Elvis Presleys bringt Page sich das Gitarrenspiel selbst bei. Er hört vor allem Blues, aber auch Skiffle — ein Mix-Genre aus Jazz, Blues, Folk und Americana. „Im Grunde war das der Anfang“, verrät er in einem Interview mit Musikjournalist Steven Rosen. „Eine Mischung aus Rock und Blues.“



Im Jugendalter treten Page und sein eigenes Skiffle-Quartett in einer britischen Talent-Show auf. Als Moderator Huw Wheldon den jungen Jimmy nach dem Auftritt fragt, was er nach der Schule beruflich machen möchte, antwortet der Nachwuchsgitarrist, er wolle in die biologische Forschung, um ein Heilmittel für Krebs zu finden. Dass er sich später anders entscheidet, wissen wir.

Der Sessionmusiker

Zu Beginn der Sechziger Jahre entwickelt sich Page zu einem gefragten Sessiongitarristen, nicht zuletzt aufgrund seiner regelmäßigen Auftritte im Londoner Marquee Club. So spielt er nicht nur mit Neil Christian und Alexis Korners Blues Incorporated, sondern auch mit den Kinks, Tom Jones, den Rolling Stones, Jeff Beck und Eric Clapton. Für The Who übernimmt er die Rhythmusgitarre auf deren erster Single I Can’t Explain. 1965 bringt er sogar eine Single unter eigenem Namen raus: She Just Satisfies. Darüber hinaus verewigt er sich auf Hitveröffentlichungen wie Tobacco Road von den Nashville Teens, As Tears Go By von Marianne Faithfull und Downtown von Petula Clark.

Wie ein junger Rockgott: Jimmy Page

Immer wieder dabei: sein späterer Led Zep-Kollege John Paul Jones: „Jimmy hatte durch seine Arbeit mit Neil Christian und The Crusaders schon einen guten Ruf, als ich noch weniger professionell unterwegs war“, erzählt der 2008 in einem Interview mit dem Uncut Magazine. „Mir wurde immer gesagt, dass ich mir diesen Typen unbedingt anhören muss. Das ist aber erst passiert, als wir zusammen gearbeitet haben.“ Mitte der Sechziger tritt Page den Yardbirds bei, aus denen 1968 Led Zeppelin hervorgehen. Der Sessionmusik bleibt er trotz eigener Karriere treu und spielt zum Beispiel das Intro für Joe Cockers Beatles-Cover With A Little Help From My Friends ein.

The Yardbirds/New Yardbirds

Bereits 1964 erhält Page das Angebot, seinen Freund Eric Clapton bei den Yardbirds zu ersetzen, lehnt aber aus Loyalität ab. Selbst als Clapton die Gruppe 1965 auf eigenen Wunsch verlässt, reißt sich Page nicht um das Engagement. Stattdessen bringt er seinen Kollegen Jeff Beck ins Gespräch. Am 16. Mai 1966 nehmen Schlagzeuger Keith Moon, Bassist John Paul Jones, Keyboarder Nicky Hopkins, Jeff Beck und Jimmy Page gemeinsam den Song Beck’s Bolero auf. Die Erfahrung inspiriert Page dazu, eine Supergroup mit Beck, Moon und The-Who-Bassist John Entwistle zu gründen. Zu jener Zeit werfen Moon und Entwistle erstmals den Namen „Lead Zeppelin“ in den Raum, weil sie befürchten, dass die Band abstürzen werde wie ein „Ballon aus Blei“.



Einige Wochen später besucht Page ein Konzert der Yardbirds. Vor Ort erfährt er, dass Bassist Paul Samwell-Smith die Band verlässt. Der junge Gitarrist bietet an, die Rhythmusabteilung wieder zu vervollständigen, und die restlichen Musiker empfangen ihn mit offenen Armen. Als Chris Dreja der Gruppe beitritt, wechselt Page vom Bass zurück zu seinem Hauptinstrument. 1968 jedoch brechen die Yardbirds auseinander, doch Page möchte weitermachen. Er benennt die Gruppe in New Yardbirds um und rekrutiert drei neue MusikerRobert PlantJohn Bonham und John Paul Jones. Schnell erinnert sich Page an den Namensvorschlag von Moon und Entwistle, doch Led Zeppelin-Manager Peter Grant befürchtet, „Lead Zeppelin“ könne missverstanden werden, weil das Wort „Lead“ zwei Bedeutungen und vor allem Aussprachen hat. Stattdessen schlägt er vor, die Band schlicht Led Zeppelin zu nennen.



Led Zeppelin

In den folgenden Jahren gelingt Page, Plant, Bonham und Jones nichts anderes als die Definition des Classic Rock. Led Zeppelin begeistern Massen, füllen Stadien und verkaufen mehr als 300 Millionen Platten. Zu ihren Shows reisen die Briten im eigens gecharterten Luxusflugzeug. Die Gruppe legt den Grundstein für Hard Rock und Heavy Metal, nicht zuletzt wegen Pages Kompositionen und seines herausragenden Gitarrenspiels. Als Archetyp des Rockgitarristen gibt er mit seinen Riffs und Leads den Ton an; brillant und scheinbar mühelos orchestriert er Gitarrenstimmen und testet die Grenzen seines Instruments aus, sogar mit Hilfe eines Violinbogens.

Höhenflug mit dem Zeppelin: Robert Plant und Jimmy Page 1976

Bei Kritikern kommen Led Zeppelin zunächst nicht gut an, doch die Band veröffentlicht über zehn Jahre hinweg acht bahnbrechende und wahnwitzig erfolgreiche Alben — angefangen mit Led Zeppelin (1969) und aufgehört mit In Through The Out Door (1979). Vor allem Led Zeppelin VI (1971) geht in die Rockgeschichte ein und gehört bis heute zu den unangefochtenen Klassikern des Genres. Die Rock And Roll Hall Of Fame attestiert der Gruppe einen genauso großen Einfluss auf die Siebziger, wie die Beatles Einfluss auf die Sechziger genommen haben. 1980 allerdings stirbt Schlagzeuger John Bonham – und die Musiker lösen die Gruppe auf.



Der Solokünstler

Nach der Schließung des Kapitels Led Zeppelin widmet sich Page anderen Projekten, kann sich aber nicht so recht von seinem Baby trennen. Er startet zwar die Bands The Firm und The Honeydrippers, veröffentlicht Soloalben mit Bandkollege Robert Plant, etwa Walking Into Clarksdale von 1988 und nimmt mit Whitesnake-Legende David Coverdale 1993 eine gemeinsame Platte auf. Vor allem aber kümmert er sich um die Nachlassverwaltung von Led Zeppelin, zum Beispiel indem er sämtliche Werke der Gruppe neu abmischt und remastert. Für eine Tour nach der gemeinsamen Reunion-Show im Jahr 2007 wäre Page durchaus zu haben gewesen, doch Sänger Plant zieht es zu jeder Zeit vor, neue Wege einzuschlagen.


Sein Einfluss

Der Rolling Stone sieht Jimmy Page auf Platz drei der „100 Greatest Guitarists Of All Time“, gleich hinter Jimi Hendrix und Eric Clapton. In der Rock And Roll Hall Of Fame findet man ihn doppelt: als ehemaliges Mitglied der Yardbirds und als Gitarrist von Led Zeppelin. Wer sich länger als fünf Minuten mit Rockmusik beschäftigt, kommt nicht an Jimmy Page vorbei. Heerscharen an Rockern nennen ihn als Inspiration. Wir lehnen uns also nicht zu weit aus dem Fenster, wenn wir Page zu den größten, erfolgreichsten und einflussreichsten Gitarristen aller Zeiten zählen. Happy Birthday!


Weiter musikalisch aktiv: Jimmy Page heute – Pic: Avda/Wikimedia Commons


Credit Header-Foto: Robert Knight Archive/Redferns

Zeitsprung: Am 28.2.1970 müssen Led Zeppelin sich The Nobs nennen.

Popkultur

Zeitsprung: Am 28.1.1970 fällt Jimi Hendrix’ Band Of Gypsys krachend auseinander.

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Foto: Hendrix im Madison Square Garden 1970/ Bild: Fred W. McDarrah/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 28.1.1970.

von Christof Leim

„That’s what happens when earth fucks with space. Never forget that.“ So kommentiert Jimi Hendrix einen katastrophalen Gig im Madison Square Garden am 28. Januar 1970, der nach anderthalb Songs bereits endet. Es sollte die letzte Show der Band Of Gypsys werden…

Hier könnt ihr euch die Band Of Gypsys live anhören:

Mit der Band Of Gypsys geht es verheißungsvoll los: Nach dem Zusammenbrechen der Jimi Hendrix Experience umgibt sich der Gitarrenmeister mit neuen Musikern und spielt einen legendären Auftritt in Woodstock. Die neue Gruppierung nennt er „Gypsy Sun And Rainbows“ und erklärt von der Bühne: „It’s nothing but a band of gypsys.“ Mehr „Hippie“ geht fast nicht.

Pflichtarbeit

In Folgezeit kehrt er mit Bassist Billy Cox und Schlagzeuger Buddy Miles wieder zum Trioformat zurück und erforscht neue musikalische Sphären. Vor allem R&B und Funk halten Einzug. Zum Jahreswechsel 1969/1970 nehmen die drei im Fillmore East in New York City ein Livealbum auf, das den Titel Band Of Gypsys trägt. Oft wird auch dieses Line-up so bezeichnet. Wie viel echtes Herzblut Jimi in dieses Projekt steckt, weiß man nicht so genau. Ein Teil der Motivation kommt aus vertraglichen Verpflichtungen, ein neues Album abzuliefern, wie der Künstler später bereitwillig erklärt.

Cover

Ein dritter Auftritt findet schließlich am 28. Januar 1970 im großen und altehrwürdigen Madison Square Garden statt. Hier spielt die Band Of Gypsys beim Winter Festival For Peace, einer Benefizveranstaltung zugunsten von Antikriegsinitiativen. Mit zum Aufgebot des auf fünf Stunden angelegten Abends gehören unter anderem Harry Belafonte, Blood Sweet & Tears und Dave Brubeck. Anscheinend läuft es mit dem Zeitplan nicht so rund, denn Hendrix, Cox und Miles gehen erst kurz nach drei Uhr morgens auf Bühne. 

Ein Debakel

Der Auftritt wird eine Katastrophe: Das Trio stolpert uninspiriert durch zwei Songs (Who Knows und Earth Blues), vor allem Hendrix selbst scheint nicht er selbst zu sein. Als eine Zuschauerin nach Foxy Lady verlangt, gibt er einen rüden Kommentar ab, und während Earth Blues erklärt er den Anwesenden: „That’s what happens when earth fucks with space“, auf Deutsch: „Das passiert, wenn die Erde mit dem Weltraum fickt.“ (Nein, wir verstehen das auch nicht.) Schließlich setzt er sich auf den Drumriser und weigert sich weiterzuspielen. Irgendwann stöpselt er sein Instrument aus und verschwindet ganz. 

Was war denn da los? Gitarrenkollege Johnny Winter hat Hendrix vor der Show getroffen und berichtet später: „Er kam mit gesenktem Kopf rein, hat sich alleine auf die Couch gesetzt und seinen Kopf in seine Hände gelegt. Bis zur Show hat er sich nicht bewegt.“ Es kursiert die Theorie, dass Manager Michael Jeffrey seinem Künstler einen schlechten LSD-Trip untergeschoben haben soll, um die Band Of Gypsys zu sabotieren, auf dass die erfolgreichere Experience wieder zusammenkomme. Das Kamerateam, dass Jeffrey für den Abend engagiert hat, spricht allerdings eine andere Sprache. Zudem scheint es unwahrscheinlich, dass er seinen Künstler vor großer Kulisse und versammelter Presse so blamieren möchte. Dass Jimi an diesem Abend (mehr als sonst) unter Drogen steht – wissentlich, unwissentlich oder beides – kann man jedoch nicht ausschließen. Für die Band Of Gypsys bedeutet dieses Desaster sofort im Anschluss das Ende: Manager Jeffrey feuert Schlagzeuger Miles, Bassist Cox quittiert seinen Dienst.

Aber: Er freut sich.

Damit scheint es dem Protagonisten allerdings gut zu gehen. Unmittelbar nach dem Gig sieht Produzent Alan Douglas ihn in seiner Garderobe: „Er saß da, spielte Gitarre und lächelte.“ Wenige Tage später erzählt Hendrix dem Rolling Stone: „Ich denke, die Show im Madison Square Garden ist wie das Ende eines großen, langen Märchens. Ich hätte mir kein besseres Ende ausdenken können. Es hat sich da viel in meinem Kopf geändert. Ich konnte das gar nicht genau sagen, ich war sehr müde. Ich habe da den größten inneren Kampf meines Lebens ausgefochten.“ Bereits im Februar kommt die Jimi Hendrix Experience wieder zusammen (mit Billy Cox statt Noel Redding), im September ist der große Künstler schon tot. Aber das sind mal wieder andere Geschichten.

Zeitsprung: Am 20.2.1959 spielt Jimi Hendrix seinen ersten Gig – und fliegt raus.

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Popkultur

„Give peace a chance“: Die stärksten Lieder gegen den Vietnamkrieg

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Vietnamkrieg
Foto: PhotoQuest/Getty Images

Vor genau 50 Jahren wurde in Paris ein Friedensvertrag unterzeichnet, der das langsame Ende des Vietnamkriegs einläuten sollte. Diese zehn Songs werden auf ewig an das sinnlose Gemetzel im Indopazifik erinnern.

von Björn Springorum

Bis März 1973 waren fast alle US-amerikanischen Truppen aus Vietnam abgezogen. Dennoch dauerte es noch bis 1975, bis auch die letzten Amerikaner das versehrte Land verlassen und ein grausamer, sinnloser, bestialischer Krieg langsam zu Ende geht. Die zehn Jahre davor waren in den USA beherrscht von immer lauteren und massiveren Protesten und Kundgebungen gegen den Krieg – der Aufstieg der Gegenkultur und ihrer unsterblichen Songs. Diese Lieder werden uns für immer an den Vietnamkrieg denken lassen. Und uns in Zukunft hoffentlich bessere Entscheidungen treffen lassen.

1. Barry McGuire – Eve Of Destruction (1965)

„The Eastern world, it is explodin’ – Violence flarin’, bullets loadin’ – You’re old enough to kill but not for votin’“ singt Barry McGuire 1965 im aufgewühlten Eve Of Destruction. Er findet klare Worte, was ihm prompt einen Bann vieler Radiosender einbringt. Der Erfolg des Songs kann davon nicht aufgehalten werden: Im September 1965 ist Eve Of Destruction an der Spitze der US-Charts angekommen.

2. Phil Ochs – I Ain’t Marching Anymore (1965)

Auch der texanische Protestsänger Phil Ochs versteckt sich nicht hinter Metaphern: In I Ain’t Marching Anymore (1965) rechnet er mit der blutigen Geschichte der Vereinigten Staaten ab und singt mit ernster Stimme: „It’s always the old to lead us to the wars – Always the young to fall – Now look at all we’ve won with the saber and the gun – Tell me, is it worth it all?“ Das kriegt Bob Dylan auch nicht besser hin.

3. Tom Paxton – Lyndon Johnson Told The Nation (1965)

Eine politische Folk-Moritat reiht sich ebenfalls 1965 von Tom Paxton ins Antikriegsgeschehen ein: Zu melancholischen Klängen erinnert er daran, dass Präsident Lyndon B. Johnson stets beteuerte, nicht in den Krieg eingreifen zu wollen – im besten „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen“-Style. „Lyndon Johnson told the nation – Have no fear of escalation – I am trying everyone to please – Though it isn’t really war – We’re sending fifty thousand more – To help save Vietnam from the Vietnamese“ singt er voller verzweifeltem Zynismus. Da muss man schon mal schlucken.

4. Joan Baez – Saigon Bride (1967)

1967 vertont Joan Baez ein Gedicht von Nina Duschek und macht mit fragiler Trauer auf die Sinnlosigkeit des Krieges aufmerksam: „How many dead men will it take – To build a dike that will not break? How many children must we kill – Before we make the waves stand still?“

5. Country Joe & The Fish – Feel Like I’m Fixin’ To Die (1967)

Einen ganz anderen Ansatz wählen Country Joe & the Fish in ihrem ikonischen Woodstock-Evergreen Feel Like I’m Fixin’ To Die. Beschwingte Hillbilly-Stimmung statt elegischer Wandergitarre, dazu ein aberwitziger, bizarrer, trotziger Text zum Mitträllern, der die Rekrutierungsmethoden der US-Armee aufs Korn nimmt: „And its 1, 2,3 what are we fighting for? Don’t ask me I don’t give a damn – The next stop is Vietnam – And it’s 5, 6, 7 open up the pearly gates – Well there ain’t no time to wonder why – WHOOPEE we’re all gonna die.“ Vielleicht der größte aller Anti-Vietnam-Songs.

6. Richie Havens – Handsome Johnny (1967)

Noch ein unvergessener Woodstock-Moment: Handsome Johnny von Richie Havens wird zu einem Meilenstein der Gegenkultur, zum Soundtrack eines Landes, das den Krieg immer weniger unterstützen kann.

7. Creedence Clearwater Revival – Fortunate Son (1969)

Fortunate Son ist nicht nur einer der besten Rock-Songs aller Zeiten. Sondern auch einer der wichtigsten: Geschrieben nach der Hochzeit von David Eisenhower und Julie Nixon handelt der Song von denen, die nicht in den Krieg müssen, weil sie mit einem Silberlöffel in der Hand geboren werden und dem Einzug durch Macht, Geld und Einfluss entgehen dürfen. Ein großer Moment.

8. John Lennon – Give Peace A Chance (1969)

Die überwältigende Anzahl der Protestsongs aus der Zeit des Vietnamkriegs kommt natürlich aus den USA. Mit Give Peace A Chance steuert aber auch John Lennon ein wichtiges Kapitel zum Antikriegskanon dieser Zeit bei. Aufgenommen in einem Take in Montreal, fünf Monate später von einer halben Million Kehlen bei einem Protestmarsch gesungen. Lennon hat auch als Engländer den richtigen Ton getroffen.

9. Edwin Starr – War (1970)

Edwin Starr bringt es 1970 mit Funk, Disco und Bläsern auf den Punk: „War, huh yeah – What is it good for? Absolutely nothing, oh hoh, oh.” Mehr muss man wirklich nicht dazu sagen. Außer vielleicht: ursprünglich wird der Song für The Temptations geschrieben, die ihn dann aber lieber doch nicht anfassen, um keine Fans zu verärgern. Glück für Edwin Starr: Die Nummer wird zu einer der erfolgreichsten des Jahres.

10. Jimmy Cliff – Vietnam (1969)

Auch die Reggae-Welt rechnet mit dem Krieg ab. 1969 veröffentlicht Jimmy Cliff das schlicht Vietnam betitelte Stück, nach Ansicht Bob Dylans „der beste Protestsong, der jemals geschrieben wurde“. Cliff erzählt in der ersten Strophe von einem Soldaten, der einen Brief nach Hause schickt – und in der zweiten von einem Telegramm, das den Tod des Soldaten übermittelt.

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Protest in zwei Minuten: Die erste The-Clash-Single „White Riot“

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Zeitsprung: Am 26.1.1973 veröffentlichen Deep Purple „Who Do We Think We Are“ – mit Folgen.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 26.1.1973.

von Christof Leim

Who Do We Think We Are von Deep Purple wird am 26. Januar 1973 veröffentlicht. Zwar verkauft sich die Scheibe gut und liefert mit Woman From Tokyo sogar einen Hit, aber einfach kam das Album nicht zustande. Das verwundert kaum angesichts des Arbeitspensums der Band. Dass damals zudem zwei der fünf Musiker nicht miteinander reden, hilft natürlich auch nicht. Schlussendlich zerbricht das legendäre Mark-II-Line-up kurz nach der Veröffentlichung.

Hört euch das Album hier und lest die ganze Geschichte:

Vielleicht war einfach die Luft raus. Als Deep Purple im Sommer 1972 ihr siebtes Album angehen, haben sie gerade 18 Monate Tour hinter sich. „Irgendwann bekam jeder von uns ernsthafte gesundheitliche Probleme“, erinnert sich Ian Gillan. Eine Pause gibt es trotzdem nicht, und die Schuld dafür sucht der Sänger – wie so oft in der Rockgeschichte – beim Management: „Wenn das vernünftige Leute gewesen wären, hätten sie uns für drei Monate in den Urlaub geschickt. Stattdessen haben sie uns gedrängt, die Platte im Zeitplan abzuliefern.“

Immer weiter

Also verschanzen sich Ian Gillan, Ritchie Blackmore, Roger Glover, Jon Lord und Ian Paice im Studio, zunächst in Rom, später in Walldorf bei Frankfurt. Aufgenommen wird mit dem Rolling Stones Mobile, das die Band schon im unsterblichen Smoke On The Water besungen hatte. Als Toningenieur agiert Martin Birch, der später mit Rainbow, Black Sabbath und Iron Maiden zu weiterem Weltruhm gelangen sollte.

Das legendäre Mark-II-Line-up von Deep Purple: Blackmore, Gillan, Glover, Lord, Paice.

Die Stimmung innerhalb der Truppe befindet sich schon vor den Aufnahmen an einem Tiefpunkt, wie Bassist Glover in einer Dokumentation der BBC beschreibt: „Ich glaube nicht, dass Ritchie und Ian in dem letzten Jahr dieser Besetzung ein Wort miteinander gesprochen haben. Sie wurden zu zwei entgegengesetzten Polen, die sich immer weiter angestachelt und voneinander entfernt haben.“ Deshalb spielen die Musiker ihre Parts sogar getrennt ein; die legendäre musikalische Interaktion von Deep-Purple-Konzerten kommt so natürlich nicht zustande. Blackmore wünscht sich außerdem, dass die Band ihre Blues-Wurzeln wiederentdeckt, angeblich deshalb, weil ihm die letzten Platten zu „poppig“ erscheinen. Das allerdings klingt angesichts der Rockmacht von Machine Head (1972) und Made In Japan (1973) doch sonderbar. Man könnte sogar anführen, dass Who Do We Think We Are „poppiger“ und gefälliger klingt.

Ladehemmung

Der einzige Track aus den Rom-Sessions im Sommer, der es auf das Album schafft, heißt Woman From Tokyo. Hier singt Gillian über die Erfahrungen der ersten Japan-Tour. Den Rest kann die Band erst nach einer erneuten Konzertreise durch Fernost aufnehmen. Dabei kommt die Kreativität nur langsam ins Rollen, schlussendlich enthält die Platte nicht mehr als sieben Songs. Einer davon, Mary Long, handelt von zwei bekannten britischen Persönlichkeiten: der erzkonservativen Aktivistin Mary Whitehouse und dem Sozialreformer Lord Longford. „Die beiden waren ständig mit erhobenem Zeigefinger unterwegs“, erläutert der Sänger später. „Es ging um die Standards der älteren Generation und die gängige Moral. Ich habe die beiden zu einer Person verschmolzen, um die Heuchelei der Zeit darzustellen“. Mit Place In Line findet sich sogar ein echtes Blues-Stück auf der Platte, ansonsten regiert der bekannte Stil des Mark-II-Lineups mit kompetenten Songs und souveränen Wechselspielen zwischen Orgel und Gitarre. Langlebige Hits produziert die Scheibe mit Ausnahme von Woman In Tokyo jedoch nicht.

Who Do We Think We Are erscheint am 26. Januar 1973. Als Titelinspiration dient negative Fanpost, die laut Drummer Ian Paice gerne mit der Frage beginnt: „Wer glauben Deep Purple eigentlich wer sie sind?“ Trotz aller Probleme erweist sich das Werk als Kassenschlager mit einer halben Millionen verkaufter Exemplare in den ersten drei Monaten, was sicher auch an den äußerst erfolgreichen Vorgängern liegt. Das reicht für Platz 15 in den US-Charts, Platz vier in Großbritannien und Platz drei in Deutschland. In den USA bringt im ganzen Jahr 1973 niemand mehr Alben unter die Leute als Deep Purple.

Doch es hilft alles nichts: Die anhaltenden Zwistigkeiten führen dazu, dass dieses Line-up schon am 29. Juni 1973 in Osaka sein letztes Konzert spielt. In einem Brief an die Kollegen verkündet Ian Gillan seinen Ausstieg, Roger Glover geht gleich mit. Erst 1984 kommt die Mark-II-Besetzung wieder für Perfect Strangers zusammen. Die Band engagiert nach Who Do We Think You Are den Trapeze-Bassisten Glenn Hughes und einen gänzlich unbekannten Sänger namens David Coverdale. Schon im Folgejahr erscheinen die Alben Burn und Stormbringer. Aber das ist eine andere Geschichte…

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Zeitsprung: Am 25.1.1975 gibt es Ärger zwischen Deep Purple und AC/DC.

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