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Popkultur

Die musikalische DNA von The Verve

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Es gab eine Zeit, da waren The Verve nur eine recht unbedeutende Psychedelic-Truppe mit einem ausgeprägten Hang zu harten Drogen. Nur wenig später waren The Verve die beste Band der Welt und hatten gleich dreimal mehr Lust am Exzess. Viel geredet hat die Band um Richard Ashcroft über ihre Musik nie, ihr Sänger dafür aber umso mehr. Für seine Kollegen sprachen die zerstörten Hotelzimmer wohl für sich oder zumindest die Musik, mit der The Verve auch jenseits vom Welterfolg Bittersweet Symphony ihren Status als eine der interessantesten britischen Bands überhaupt untermauern konnten.


Hört euch hier die musikalische DNA von The Verve in einer Playlist an und lest weiter:

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Dass The Verve oftmals gemeinsam mit Oasis und Blur in die Brit Pop-Schublade gestopft wurden, war stets eher zweifelhaft. Denn so gut sich die Band mit denen auch verstanden und so eng das Verhältnis zwischen Ashcroft und Noel Gallagher auch heute noch ist: The Verve haben musikalisch immer noch viel mehr geboten als hymnische Refrains und spröden Schrammelrock. Ihre Musik kam aus dem experimentellen Gebiet und überzog den Mainstream mit den schillernden Gitarrentexturen von Nick McCabe.

Was aber macht die musikalische DNA von The Verve aus? Ashcroft beschrieb die Einflüsse der 2009 (vielleicht nicht endgültig?) aufgelösten Bands als „breit und abwechslungsreich“. Funk, klassische Rock-Bands, Hip Hop und Downbeat, Garage Rock oder Miles Davis und sowieso alles irgendwie flossen in den Sound seiner Band ein. „Es ist echt schwer, wenn die Leute uns nach unseren Einflüssen oder unseren Vorlieben fragen“, gab er zu. Versuchen wir trotzdem, die musikalische DNA von The Verve zu entschlüsseln! Vielleicht kommen wir dem einen oder anderen Geheimnis auf die Spur.


1. Stone Roses – I Am The Resurrection

Beginnen wir Ende der achtziger Jahre. England ist ermüdet vom sterilen Synth Pop des grellen Jahrzehnts und wendet sich langsam dem Acid House-Sound zu, der von Chicago aus zuerst in Manchester – pardon: Madchester – ankommt. Die Stone Roses gehören zu den Bands, welche die Faszination an den schnellen Rhythmen und psychedelischen Sounds am subtilsten ins Rock-Format übertragen. Songs wie I Am The Resurrection von ihrem selbstbetitelten Debütalbum leihen sich die großen Erzählbögen der Rave-Kultur und übertragen sie in Musik, die das ekstatische Verlorensein in der Musik zurück in die Konzertsäle bringt. Dort sieht sie 1989 auch Ashcroft. „Die Stone Roses haben mich von Anfang an umgehauen“, gab er im NME zu Protokoll und schwärmte davon, wie im Underground bereits Tapes mit Konzertmitschnitten kursierten, bevor die Band überhaupt eine Platte veröffentlicht hatte. „Textlich wollten sie so viel mehr, als Gitarrenmusik zu dieser Zeit war. Es war komisch, vor der Bühne standen einige wenige Frauen und der Rest waren Lads, richtig harte, aggressive Lads. Dieser Widerspruch hat mich ungemein inspiriert.“ So legten die Stone Roses den Grundstein für eine neue Band, die Ashcroft gemeinsam mit seinen Schulkumpanen Simon Jones und Nick McCabe im Jahr 1990 gründete: The Verve.


2. Oasis – Cast No Shadow

À propos Lads: Die Band, die den ultimativen Typus des jungen, hedonistischen, britischen Mannes verkörperten, waren Oasis. Die ein Jahr nach The Verve gegründete Gruppe um die Gallagher-Brüder Noel und Liam freundete sich schnell mit dem aufstrebenden Quartett an. Als The Verves sphärisch-verschwebtes Debütalbum A Storm In Heaven erschien, spielten die beiden regelmäßig Konzerte miteinander. Oasis waren damals nahezu unbekannt, ein Jahr sollte es noch bis zu ihrem Durchbruch dauern. Dann aber überflügelten sie The Verve und wurden in Sachen Erfolg erst wieder von ihnen eingeholt, als die Band mit ihrem (ersten) Comeback-Album Urban Hymns im Jahr 1997 schlagartig weltberühmt waren. Dem guten Verhältnis zueinander hat das aber nie geschadet, im Gegenteil. Als The Verve mit A Northern Soul einen Richtungswechsel hin zu konventionelleren Rock-Sounds einschlugen, hatte das auch mit Oasis zu tun. Angeblich soll der Titelsong sogar Noel Gallagher gewidmet sein! „Give me your powder and pills / I want to see if they cure my ills / I’ve no time for love and devotion / No time for old fashioned potion”, heißt es darin. Noel konterte kumpelhaft mit Cast No Shadow vom zweiten Oasis-Album (What’s The Story) Morning Glory?: „Bound with all the weight of all the words he tried to say / Chained to all the places that he never wished to stay / Bound with all the weight of all the words he tried to say / And as he faced the sun he cast no shadow“. Ein direkter, aber ebenso zärtlicher Umgangston – echte Lads eben!


3. Andrew Oldham Orchestra – The Last Time

Worauf sich der Erfolg von Urban Hymns gründet, wissen wir alle. So großartig die Vorgängeralben waren, so fantastisch die dritte The Verve-LP als Ganzes ist: Wäre nicht Bittersweet Symphony gewesen, dann wären The Verve vielleicht nur ein gut gehütetes Geheimnis in britischen Indie-Kreisen geblieben. Das Video zum Song ist ikonisch, der Einsatz im großen Finale des Films Cruel Intentions sowieso. Wie aber für viele andere Bands wurde ihr tausendfach gecoverte Überhit The Verve beinahe zum Verhängnis. Das markante Streichermotiv, welches dem ganzen Track überhaupt erst seine Bittersüße einimpft, war nämlich gesampelt und zwar von den Rolling Stones oder besser gesagt der Interpretation vom Stones-Klassiker The Last Time durch das Andrew Oldham Orchestra. Fies daran war, dass The Verve vorher die Erlaubnis des Labels Decca für die Aufnahme eingeholt hatten, nicht aber für die zugrunde liegende Komposition von Mick Jagger und Keith Richards. Allen Klein, der für die Band die Rechte verwaltete, forderte satte 100% der Einnahmen und die vollen Credits für seine Klienten. So sicherte er seiner Firma ABKCO einen der größten Hit der Unternehmensgeschichte, konnte Millionen in die Kassen der Rolling Stones spülen lassen und haute The Verve gehörig in die Pfanne. Das Schlimmste daran? Die markante Melodie war eigentlich nicht Teil des Stones-Originals und Arrangeur David Whitaker, der das Riff geschrieben hatte, ging komplett leer aus.

 


4. Spiritualized – Ladies & Gentlemen We Are Floating In Space

Der Ärger um den Riesenhit, der für The Verve den internationalen Durchbruch bedeutete, sah nach außen hin wie ein bösartiger Kommentar auf den Werdegang der Band aus. Die hatte mit Urban Hymns zwar einen musikalisch wesentlich breiter gefächteren Stil entwickelt, sich aber von ihren Wurzeln in der Psychedelic-Community entfernt. Der komplette Ausverkauf? Das mag so manche böse Zunge behauptet haben. Tatsächlich blieben The Verve natürlich Fans des Sounds, der sie in ihren Anfangstagen geprägt hatte. Das schloss nicht nur den kunterbunten Indie Rock der Madchester-Szene, sondern auch Gruppen wie Spacemen 3 und deren Nachfolgeband Spiritualized mit ein. Die veröffentlichten im selben Jahr wie The Verve ihr Opus Magnum: Ladies & Gentlemen We Are Floating In Space wurde zu einem der Klassiker der neunziger Jahre. Auch diese Konkurrenz jedoch war in erster Linie eine musikalische, tatsächlich verstanden sich zumindest zwei Mitglieder von beiden Bands prächtig. Schon 1995 heiratete Richard Ashcroft die Spiritualized-Sängerin Kate Radley, die bei der Band auf allem spielte, was Tasten hatte: Piano, Orgel, Synthesizer. Radley allerdings stieg nach der Veröffentlichung von Ladies & Gentlemen We Are Floating In Space direkt aus. Kein Wunder, war sie doch zuvor mit dem Spiritualized-Mastermind Jason Pierce liiert…


5. Funkadelic – I Got A Thing, You Got A Thing, Everybody’s Got A Thing

Madchester, Brit Pop, die Rolling Stones, Psychedlica made in England – scheint fast so, als hätten sich The Verve nie vor die Haustür getraut! Das Gegenteil ist natürlich der Fall. Ebenfalls auf Urban Hymns findet sich mit The Rolling People ein Song, der wabernde Funk-Riffs andeutete und mit satten Grooves voran rockte. Dass sich der deutlichste Einfluss der bleichen Lads aus Manchester ausgerechnet bei der legendären Funk-Kombo Funkadelic finden lässt, überrascht vielleicht einige. Tatsächlich hat Verve-Gitarrist Nick McCabe sich wohl den einen oder anderen Kniff von Funkadelic-Songs wie I Got A Thing, You Got A Thing, Everybody’s Got A Thing abgeschaut. Die nervösen und doch flächigen Riffs, die fiebrigen Rhythmen – das alles sollte sich später in seinem Spiel manifestieren. Als eine seine Lieblingsplatten nannte der Gitarrist Funkadelics Free You Mind… And Your Ass Will Follow. „Mein Vater kaufte sie für 20 Pence in einem Ramschladen“, erinnerte er sich im Online-Magazin The Quietus. „Das war derselbe Laden, wo ich alle meine Pedale herbekam. Zwanzig Pfund für meinen ersten Flanger und das war das, worauf das erste Verve-Album aufbaute – dieser Flanger.“ Dass Richard Ashcroft beim Kumpel vorbeikam, um gemeinsam mit ihm LSD einzuwerfen und Funkadelic in Endlosschleife zu hören, wird aber wohl auch geholfen haben.


6. Joy Division – I Remember Nothing

„Diese Funkadelic-Platte, die war’s“, gab McCabe zu den Acid-verseuchten Listening Sessions der beiden Jugendfreunde zu Protokoll. „Wir verglichen sie mit unserer ersten Demo, die dagegen wie Spielzeugmusik klang. Wir hatten eine Erleuchtung. Keine schmerzhafte, aber uns wurde klar, dass wir in die falsche Richtung gingen.“ Es hing, das war seit diesem Moment klar, vor allem an der Produktion. Der dreckige, schwüle Sound von Funkadelic war aber nur ein Eckpunkt von dem, was The Verve im Studio erreichen wollten. Ebenso wichtig wurden die ebenfalls aus dem Großbereich Manchester stammenden Joy Division, allem voran deren beklemmendes Debüt Unknown Pleasures. Das mag zuerst nicht einleuchten, denn Produzent Martin Hannett hatte der aufstrebenden Band um Ian Curtis einen ultrareduzierten Sound verpasst, der ohrenscheinlich nichts mit dem opulenten Sounddesign späterer Verve-Platten zu tun hatte. Was die Band sich bei ihm aber abschauten, waren die Subtilitäten und Feinheiten, die Unknown Pleasures zu einem Meisterwerk der Musikgeschichte machen. McCabe entdeckte die Band mit zehn Jahren durch seinen älteren Bruder und Unknown Pleasures war eine der ersten Platten, die sich der Gitarrist von seinem Geld als Milchausträger kaufte. Vor allem faszinierte ihn, wie Hannett mit klanglichem Raum umging. „Die Ganze ist so klamm… Ich hau jetzt alle Klischees über verlassene Industriegebäude raus, aber es klingt eben nach der Gegend, in welcher ich aufgewachsen bin“, sagte er über die Produktion der Platte. „Dieses zerschmetternde Glas auf I Remember Nothing und die Synthie-Drones…“ Kein Wunder, dass McCabe bald selbst an seinem Roland mit ähnlichen Sounds zu experimentieren begann.


7. Led Zeppelin – Stairway To Heaven

Ähnlich wie bei Joy Division lag der Fokus bei The Verve vor allem auf dem charismatischen Frontmann Richard Ashcroft, hinter dem McCabe, Bassist Simon Jones und Drummer Peter Salisbury sowie der später hinzugestoßene Gitarrist und Keyboard Peter Tong zu verblassen drohten. Durchaus freiwillig: Zu Interviewterminen tauchten die vier so gut wie nie auf. Das hielt sie jedoch nicht davon ab, ihre eigenen Rockstarallüren auszuprägen. Northern Soul-Produzent Owen Morris bezeichnete McCabe etwa als „ohne Zweifel den talentiertesten Musiker, mit dem ich jemals gearbeitet habe“, charakterisierte die Zusammenarbeit aber zugleich als kompliziert. „Er spielt nie dasselbe zweimal. Du kannst Noel Gallagher drum bitten, dieselbe Melodie hunderte Male in Folge zu spielen und solange es einen Grund dafür gibt, macht er das auch. Aber bei Nick hast du keine Chance.“ Okay, das klingt noch verhältnismäßig brav im Vergleich zu Salisburys destruktiven Hotelaufenthalten… Dennoch: Eine kleine Prise Größenwahn war bei The Verve immer die essentielle Zugabe, das gewisse Etwas. Eines der bandinternen Vorbilder sind nicht ohne Grund Led Zeppelin! Mit denen verglich Ashcroft die Band sogar, als er 2008 das zweite Comeback-Album der Bandgeschichte ankündigte. Und dass ihr Comeback-Album Forth vom Titel her an Led Zeps IV (sprich: „four“ oder eben „fourth“) erinnerte, mag da wohl kein reiner Zufall gewesen sein.  Die Stairway To Heaven erklimmen zu wollen, war von Anfang an erklärtes Ziel von Ashcroft und seinen Kollegen.


8. DJ Shadow – Midnight In A Perfect World

Obwohl The Verve allein wegen ihrer Nähe zu Oasis häufig dem Brit Pop zugerechnet werden, greift diese rigide Schubladisierung doch zu kurz. Denn nicht nur in der experimentellen Psychedelic-Szene fand die Band ihre Inspiration, auch von Hip Hop wurden sie beeinflusst. Ashcroft nannte die Veröffentlichungen des britischen Downbeat-Labels Mo’Wax als einen Einfluss und McCabe zählt Mobb Deeps Rap-Klassiker The Infamous zu seinen Lieblingsalben. Deren entspannter Boom Bap-Sound schlug sich nicht zuletzt im abgehangenen Spiel von Peter „Sobbo“ Salisbury nieder. Dabei handelt es sich bei dem Drummer, der später bei Black Rebel Motorcycle Club und den Charlatans aushelfen sollte, doch um einen Hitzkopf erster Güteklasse. Und war nicht eigentlich die drug of choice der Band in ihren Anfangstagen noch Amphetamin – nicht grundlos unter dem Straßennamen Speed bekannt? Die Entschleunigung im Bandgefüge mag einiges mit der intensiven Beschäftigung mit der neuen, Sample-getragenen Musik von Produzenten wie DJ Shadow zu tun gehabt haben, mit dem Ashcroft sogar für einen Track kollaborierte. Shadows Album Endtroducing… erschien 1996 und krempelte die gesamte Musiklandschaft in einem Streich komplett um. Die subtilen Grooves von Tracks wie Midnight In A Perfect World fanden ihr Echo in Stücken wie Neon Wilderness von Urban Hymns, das ein Jahr später veröffentlicht wurde. Nach reichlich Speed und LSD hatte nun wohl die gute alte Mary Jane ihren Einzug in die Musik von The Verve gehalten.


9. Massive Attack – Unfinished Sympathy

Näher noch als der US-amerikanische Rap und Hip Hop oder die britische Downbeat-Szene stand The Verve der aus Bristol quellende Trip Hop, wie ihn Massive Attack prägten. Das ikonische Video von Bittersweet Symphony, in dem Richard Ashcroft stur durch die Straßen Londons stolpert, ist eine liebevolle Hommage an das nicht minder bahnbrechende Video zum Massive Attack-Song Unfinished Sympathy von ihrem Debütalbum Blue Lines. Nicht aber nur visuell, auch musikalisch verband beide Bands einiges. Die orchestralen und psychedelischen Elemente, die The Verve in die Rock-Musik überführten, fanden sich bei Massive Attack in gedämpften Hip Hop-Breaks eingebettet. Typisch Bristol, typisch britisch! In den USA allerdings kamen wohl genau deswegen weder The noch Massive Attack sonderlich gut zurecht, als sie 1998 gemeinsam auf Tour durch die Staaten gingen. Beide Bands wollten ursprünglich Konzerthallen mit einem Verfassungsvermögen von durchschnittlich 10 000 Menschen füllen, konnten aber nicht genug Tickets verkaufen. Die Gigs wurden flugs auf kleinere Venues umgebucht und irgendwann mittendrin warfen Massive Attack frustriert das Handtuch. Und obwohl Ashcroft noch munkelte, die Bristoler könnten gegen Ende der Tour wieder hinzustoßen, hieß es wenig später über einen Fan-Blog: „Ich habe gerade gehört, dass The Verve auf der Suche nach einem Support-Act für ihre restlichen US-Dates sind und dass es nicht Massive Attack sein werden.“ Ab da an hieß es wohl zwischen beiden Bands eher „finished sympathy“. Auch The Verve lösten sich wenig später zum zweiten Mal seit 1995 auf.


10. Gorillaz – Clint Eastwood

Was aber kam dann? In der Zeit zwischen der zweiten Auflösung und der zweiten Reunion von The Verve im Jahr 2007 rückten Brit Pop – oder sagen wir lieber: britischer Rock- und Pop-Musik – und Hip Hop beziehungsweise Trip Hop noch enger zusammen, als die Gorillaz die Bühne betraten. Die skurillen Comicfiguren im Tank Girl-Design debütierten 2000 mit der Single Clint Eastwood und bescherten der Welt den Ohrwurm des zu dieser Zeit noch frischen Jahrzehnts. Nicht aber nur Blur-Frontmann Damon Albarn war Teil der virtuellen Band, auch The Verve-Gitarrist Simon Tong gesellte sich zu ihnen, nachdem er 2002 Graham Coxon nach dessen Weggang von Blur für einige Live-Auftritten ersetzt hatte. Tong war aber nicht nur live, sondern auch mindestens zwei Mal im Studio Teil des verschrobenen Projekts: Auf den Alben Demon Days und Plastic Beach ist er auch zu hören. Sogar bei Albarns anderer Supergroup ohne Namen, die im Jahr 2007 das Album The Good, The Bad & The Queen veröffentlichte, war er dabei. Er wird es wohl also verkraftet haben, bei der zweiten Reunion von The Verve nicht in die Band eingeladen worden zu sein. Seine gemeinsame Band mit Verve-Bassisten Simon Jones hatte sich schließlich als Misserfolg entpuppt. Dabei war doch bei den 2000 gegründeten The Shining mit John Squire von Beginn an ein Musiker dabei, dessen Band für The Verve erst den Startschuss gaben: die Stone Roses.


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Motown: Die 15 wichtigsten Songs aus der legendären Hitfabrik

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Motown

Gespeist aus einem gewaltigen Backkatalog, der Jahrzehnte umspannt, haben die größten Hits aus dem Hause Motown nicht nur eine Ära definiert: Sie sind dermaßen zeitlos, dass sie längst als Inbegriff des „Classic Pop“ gelten müssen. Dass Berry Gordy es geschafft hat, sein unabhängiges Soul-Label aus Detroit zu einer der bekanntesten Musikadressen der Welt zu machen, ist an sich schon bemerkenswert. Dass die bei Motown veröffentlichten Titel auch nach so langer Zeit zu den bekanntesten und mitreißendsten Aufnahmen der Musikgeschichte zählen, unterstreicht, was für ein einzigartiges Gespür Mr. Gordy hatte. Die 15 Titel, die nun folgen, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs.

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15. I Want You (Marvin Gaye)

Das Verlangen überwältigt Marvin Gaye im Verlauf des Titelsongs seines I Want You-Longplayers aus dem Jahr 1976. Produziert von Leon Ware, der außerdem Co-Autor ist, kann sich dieser Song mitunter sogar fast schon zu intim anfühlen, sollte man gerade nicht in Stimmung sein – doch wer bitte ist schon nicht in Stimmung, wenn Mr. Gaye loslegt?

14. Heaven Must Have Sent You (The Elgins)

Die vom Hitmaker-Trio Holland-Dozier-Holland komponierte und produzierte Single sollte für The Elgins der einzige wirklich große Hit bleiben – dabei hätten ihre Ausnahmestimmen deutlich mehr Erfolge verdient. Doch 1966 ein Top-50-Titel in den Staaten, mussten sie auch noch fünf Jahre warten, bis ihr Hit in England die Top-3 knackte. Trotzdem: Auch musikalisch ganz klar ein Geschenk des Himmels!

13. Just My Imagination (Running Away With Me) (The Temptations)

Eine verträumte – genauer: tagträumerische – Ballade, die zugleich als Abschiedsgeschenk von Eddie Kendricks an The Temptations fungierte. Was als Geschichte von einem verblendeten Schwärmer beginnt, verwandelt Kendricks in einen Traum aller Fans. Außerdem war’s ein Abschiedsgruß an den Kollegen Paul Williams, der 1971 aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste.

12. Reach Out I’ll Be There (Four Tops)

Der Monsterhit der Four Tops aus dem Jahr 1966. Levi Stubbs aktiviert jeden Muskel, spannt jede Sehne, belastet seine Stimmbänder aufs Äußerste, um allen Zuhörenden klarzumachen, dass er bereit wäre, sie zu fangen, sollten sie denn einmal fallen. Was für ein Typ. Was für ein Track.

11. My Guy (Mary Wells)

Die etwas wehklagend wirkende Sirene zu Beginn markiert den Auftakt zu jenem Song aus dem Jahr 1964, der damals wie eine Bombe einschlug. Von Smokey Robinson komponiert, war der Song für Mary Wells hinterher auch der größte Motown-Hit – denn wenig später verabschiedete sie sich nach vielen Jahren vom Label. Auch heute klingt der Song immer noch so klar und lebendig wie vor gut 50 Jahren.

10. My Girl (The Temptations)

Die Antwort auf My Guy (Mary Wells) schrieb Smokey mit My Girl: Der nächste große Wurf, der gerade durch das reduzierte Gitarrenspiel von Robert White so unwiderstehlich wird, weil das Motiv so grandios mit David Ruffins Gesang harmoniert. Zärtlich und dabei doch lebhaft, darf dieser Titel als inoffizielle Hymne und Erkennungsmelodie der Temptations gelten.

9. Sir Duke (Stevie Wonder)

Mit seiner Verneigung vor jenen Swing-Jazz-Ikonen, die ihn als Kind inspiriert hatten, lieferte Stevie Wonder im Jahr 1976 einen dermaßen ausgelassenen Titel ab, dass man fast meinen könnte, „Sir“ Duke Ellington persönlich habe ihn eingespielt – nur klang die Single dafür dann doch einen Tick zu funky! Ein großer, fröhlicher, überschwänglicher Platz-1-Kandidat im Jahr 1977.

8. Stop! In The Name Of Love (The Supremes)

Schluss mit den Spielchen, Junge! Denn The Supremes wissen ganz genau, was du da treibst – und der dazugehörige Song funktioniert als Bitte um Besserung und als unüberhörbarer Warnschuss zugleich. Allein wie die charmanten Damen das Wörtchen „charms“ benutzen! Also wenn diese Message nicht bei ihm ankommt, dann kann er nur ein seelenloses Wesen sein. Oder taub.

7. The Tracks Of My Tears (The Miracles)

Noch so ein miracle von Smokey: Dieses vertonte Geständnis war 1965 ein Top-10-Hit in den USA – hätte aber noch deutlich höher in den Charts klettern müssen. Das Problem: Die Dinge sind nicht immer so, wie es scheint. Ein Thema, das er auch mit Tears Of A Clown umkreisen sollte. Sein Leid ist der Stoff für ein Lied, das man nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

6. I Want You Back (Jackson 5)

Die Jungs aus Gary, Indiana drehten mal so richtig auf für ihre erste Tamla-Veröffentlichung: Wie eine Kreuzung aus ganz, ganz jungen Sly And The Family Stone mit den Temptations im Teenager-Alter wirkte das. Veröffentlicht 1969, ganz oben in den Charts im Jahr drauf: Es war die Geburtsstunde eine Legende.

5. What Becomes Of The Brokenhearted (Jimmy Ruffin)

Auch der Bruder des Temptations-Sängers ergriff seine Chance bzw. das Mikrofon: Hier präsentiert er eine eher düstere Geschichte aus dem Land der Verlassenen und Einsamen. Von Anfang an beliebter bei den Briten und Britinnen als in den USA, schaffte es die Single doch immerhin auf Platz 7 der US-Charts. Kein Wunder bei so viel Soul.

4. I Heard It Through The Grapevine (Marvin Gaye)

Marvin Gaye war nicht der erste, der I Heard It Through The Grapevine aufgenommen hat. Auch nicht der erste, der damit die Charts eroberte, denn das hatten vor ihm schon Gladys Knight And The Pips übernommen. Trotzdem ist seine Version, gedrosselt und eindringlich, diejenige, die zum Klassiker werden sollte. Die Single war riesengroß im Jahr 1968. Und sie ist es heute noch.

3. Papa Was A Rollin’ Stone (The Temptations)

Auch diesen Song hatten Undisputed Truth schon im Jahr zuvor eingespielt, aber erst The Temptations machten ihn 1973 zum Mega-Hit. Man sagt, die Bandmitglieder hätten sich zunächst nicht wirklich wohl damit gefühlt, dermaßen abfällig über ihre Papas zu reden – schließlich waren die Väter allesamt ganz anständige Leute. Pure Fiktion also, und fantastisch eingängig verpackt.

2. Someday We’ll Be Together (Diana Ross And The Supremes)

Mit dieser Version des Johnny And Jackey-Duetts aus dem Jahr 1961 verabschiedete sich Diana Ross von den Supremes: Passend dazu klingt der Song denn auch nach Resignation und Hoffnungsschimmer zugleich. Das Arrangement ist dem Original überraschend ähnlich; verantwortlich dafür war Johnny Bristol persönlich, der Johnny also von Johnny And Jackey. Ironisch daran ist vor allem, dass die Supremes genau genommen gar nicht mitsingen. Denn man hört nur Diana Ross, deren Stimme von Mr. Bristol immer höher und höher getrieben wird.

1. Ain’t No Mountain High Enough (Marvin Gaye & Tammi Terrell)

Die Bergspitze des Sixties-Pop, einer der größten Soul-Tracks aller Zeiten, und für viele Menschen auch ganz klar: der Höhepunkt der Motown-Ära. Der von Ashford & Simpson komponierte Song vereint Gospel-Wurzeln mit himmlischem Soul – in einem Arrangement, das sich aus seichten Tälern bis in luftige Höhen erhebt. Marvin und Tammi klangen nie besser als hier, weder zusammen noch als Solokünstler. So leidenschaftlich. So ambitioniert.

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Popkultur

Zeitsprung: Am 16.5.2010 verstirbt der große Ronnie James Dio.

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Foto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.5.2010.

von Frank Thießies und Christof Leim

Am 16. Mai 2010 verstummt eine der größten Stimmen des Hard Rock und Heavy Metal: Ronnie James Dio erliegt im Alter von 67 Jahren einem Magenkrebsleiden. Mit den Bands Rainbow, Black Sabbath und seiner eigenen Formation Dio hat der Sänger beide Genres über Jahrzehnte hinweg mit seinem Göttergesang geprägt wie kaum ein anderer. Ganz zu schweigen von der Einführung einer szenetypischen Handgeste und einem Faible für Fantasy-Texte….

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Hier könnt ihr euch Dios größte Solohits in der Livefassung anhören:

Auf die Welt kommt Ronald James Padavona am 10. Juli 1942 in Portsmouth, New Hampshire, seine Kindheit verbringt er in Cortland, New York. Zur Musik kommt der Junge zunächst durch eine klassisch orientierte Ausbildung an der Trompete. Bass und seine legendäre Kernkompetenz, der Gesang, gesellen sich erst später zu seinem Repertoire. Zunächst verfolgt er seinen Musikertraum in Schultanzkapellen und später in diversen Rock’n’Roll-Gruppierungen, ab 1960 gibt es sich den Mafioso-inspirierten Künstlernachnamen Dio. 


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Von Elfen und Trompeten

Anfang der Siebziger wird es dann wirklich ernst. Im August 1972 veröffentlich Dio mit seiner langjährigen Band Elf den ersten gleichnamigen Langspieler, der noch irgendwo zwischen Blues und Pub-Rock pendelt. Trotz Deep Purple als prominenten Paten und Unterstützern bringen Elf zwar auf drei Platten, schaffen den großen Durchbruch aber nicht. Dafür ist Deep-Purple-Gitarrist Ritchie Blackmore derart von Dio begeistert, dass er den Sänger und den Rest von Elf (minus den Gitarristen) als Begleitmusiker für seinen ersten Albumalleingang Ritchie Blackmore’s Rainbow (1975) engagiert – und nach dem Ausstieg bei Deep Purple zu seiner neuen Soloband macht. Im Verlauf von drei gemeinsamen Alben, unter dem verkürzten Namen Rainbow (etwa Long Live Rock’n’Roll  und On Stage) finden Dios Ausnahmestimme und seine Leidenschaft für Drachen und andere Fantasyfiguren ihre hart rockende Spielwiese.

Mit dem als schwierig geltenden Blackmore kommt es 1979 jedoch zum Streit. Als glückliche Fügung gestaltet es sich, dass Black Sabbath just ihren Sänger Ozzy Osbourne rausgeworfen haben und ihr Gitarrist Tony Iommi mit Dio bereits bekannt ist und zusammenarbeiten möchte. Die neu geschmiedete stählerne Allianz entfacht mit dem 1980 erscheinenden künftigen Klassiker Heaven And Hell nicht nur einen gehörigen kreativen Funkenschlag, sondern schafft es auch, die seit Ende der Siebziger stilistisch und qualitativ strauchelnden Black Sabbath für eine neue metallische Dekade fit und gleichermaßen relevant zu machen. 

Die Pommesgabel

Während seiner Zeit mit Black Sabbath bringt Dio auch (s)ein ultimatives metallisches Markenzeichen ins Spiel. Die sogenannte „mano cornuta“, italienisch für „gehörnte Hand“, und heute gemeinhin als „Pommesgabel“ bekannt, wird schnell zum neuen Heavy-Metal-Wahrzeichen und globalen Erkennungsgruß unter der wachsenden Krachmusikgemeinde. Musikalisch und menschlich leben sich der Sänger und Black Sabbath jedoch schneller auseinander, als es den (neuen) Fans lieb ist. Nach lediglich zwei Studio- und einem Livealbum geht man – zunächst – wieder getrennter Wege. 

Dio gründet im direkten Anschluss mit Schlagzeuger Vinny Appice, Gitarrist Vivian Campbell und Bassist Jimmy Bain die Band, die seinen Namen trägt. Deren Debüt Holy Diver gerät 1983 zum gefeierten Erfolg und bildet den Grundstein einer Solokarriere, die vom Zweitwerk The Last In Line (1984) bis zur 2004er-Veröffentlichung Master Of The Moon zehn Studioalben umfasst. Insbesondere in den Achtzigern sind Dios Songs nicht nur für alle Tolkien-Jünger und Rollenspiel-Fans ein Traum. Vielmehr gestaltet der Sänger mit wechselnden musikalischen Mitstreitern das Bild vom hymnischen Achtziger-Metal maßgeblich mit und stellt zudem die Weichen für das Schwertschwinger-affinste Subgenre: Power Metal.

Himmel und Hölle

An die Erfolge der fruchtbaren Symbiose mit dem Black-Sabbath-Lager kann der grazile Mann mit der großen Stimme ebenfalls noch zwei Mal anknüpfen. Zunächst kreuzen sich die Wege von Dio, Schlagzeuger Vinny Appice und der Hälfte der Sabbath-Urbesetzung aus Tony Iommi und Geezer Butler für das gemeinsame Black-Sabbath-Album Dehumanizer im Jahre 1992 erneut. 2009 erlebt dieselbe Konstellation mit der Platte The Devil You Know unter dem neuen Bandnamen Heaven & Hell einen zweiten Frühling. Gefeierte Tour- und Festivalauftritte wie etwa der vom Wacken Open Air 2009 (welcher sich nachträglich als letzter Auftritt von Ronnie James Dio auf dem europäischen Festland entpuppen wird) lassen einen neuen Lauf für die Formation erhoffen. 

Rest in peace: Ronnie James Dio – 1942-2010. Foto: Gene Kirkland/Warner/Promo

Dann kommt die verheerende Krebs-Diagnose. Bis zum Schluss plant der Erkrankte eine baldige Rückkehr auf die Bühne und bucht Termine mit Heaven & Hell um. Doch am 16. Mai 2010 erliegt er schließlich im Alter von 67 Jahren seinem Krebsleiden. Ein Tag, an dem die Welt des Metal und der Musik allgemein kollektiv trauert. Gedenkaktionen wie etwa die Umbenennung von Festivalbühnen zu Ehren des Meisters sind in Folge an der Tagesordnung, ebenso Tribute-Bands oder einfach neue Zusammenschlüsse von ehemaligen Weggefährten, etwa in Last In Line oder Dio Disciples. Sogar als Hologramm erfährt Dio inzwischen gelegentlich seine Wiederauferstehung auf der Bühne, was ihn auf Augenhöhe mit anderen toten Projektionsstars wie Elvis, Roy Orbison oder Tupac Shakur erhebt, die Fans aber auch polarisiert. Die Dinge gestalten sich eben komplizierter, wenn man schon zu Lebzeiten eine Lichtgestalt ist… 

Zeitsprung: Am 17.4.1980 feiern Black Sabbath mit Dio Premiere – in Ostfriesland.

 

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Zeitsprung: Am 15.5.1959 kommt Andrew Eldritch (Sisters Of Mercy) zur Welt.

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Andrew Eldritch

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 15.5.1959.

von Timon Menge und Christof Leim

Rabenschwarze Haare, ein unvergleichlicher Bariton und Wangenknochen, die jedes Topmodel vor Neid erblassen lassen: Als „Godfather Of Goth“ hat Andrew Eldritch von den Sisters Of Mercy dabei geholfen, die Regeln für eine ganze Szene zu schreiben – auch wenn er diesen Spitznamen nicht gerne hört. Am 15. Mai feiert er Geburtstag.

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Hört hier in die besten Songs der Sisters Of Mercy rein:

Klickt auf „Listen“ für das gesamte Album.

Eigentlich beginnt Eldritchs musikalisches Leben als Trommler. Am 15. Mai 1959 unter dem Namen Andrew William Harvey Taylor in der englischen Kleinstadt Ely geboren, studiert er zunächst französische und deutsche Literatur in Oxford. Gegen Ende der Siebziger zieht es ihn nach Leeds, wo er Kurse in Mandarin besucht. Zwar schließt er keinen seiner Studiengänge ab, spricht aber bis heute fließend Französisch und Deutsch, hat Kenntnisse in Niederländisch, Italienisch, Russisch, Serbokroatisch sowie Latein. Eine kleine Beruhigung für alle Menschen mit normal ausgebildetem Sprachtalent: Mandarin, also im Wesentlichen Chinesisch, konnte sich sogar Eldritch nicht merken.

Bereits zu Studienzeiten treibt er sich als Schlagzeuger in der Punkszene von Leeds herum. Im Jahr 1980 trifft er Gary Marx, gemeinsam gründen die beiden die Sisters Of Mercy. Der Grund: Die Musiker möchten sich gerne in der Radiosendung von DJ-Legende John Peel hören. Auf der ersten Single Damage Done/Watch/Home Of The Hit-Men trommelt Eldritch noch, übergibt den Job aber schnell an einen Drumcomputer, der fortan unter der Bezeichnung Doktor Avalanche läuft. (Über die Jahre ändern sich die verwendeten Geräte immer wieder, bis die Gruppe schließlich auf Notebooks umsteigt.) Zu jener Zeit steigt auch Bassist Craig Adams ein. Eldritch kann sich nun voll auf seinen Gesang konzentrieren — ein musikalisches Element, dass die Sisters zukünftig maßgeblich prägen wird.



Nach zahlreichen Besetzungswechseln, der Gründung des hauseigenen Labels Merciful Release, ein paar Singles, darunter das erfolgreiche Temple Of Love von 1983,  sowie zwei EPs erscheint 1985 das Debüt First And Last And Always. Es verhilft der Gruppe in Großbritannien aus dem Stand auf Platz 14 der Charts.



Im Rahmen der letzten Änderung des Line-ups steigt Gitarrist Wayne Hussey (The Mission, Dead Or Alive) ein, gemeinsam definieren er und Eldritch den vorläufigen Sound der Sisters. Nach der Albumveröffentlichung kommt es jedoch zum Streit und zur kurzfristigen Auflösung, nur Eldritch bleibt übrig. Der Ruhm setzt ihm zu, vor allem seine vermeintliche Rolle als alleiniger Begründer des Gothic Rock.



Zwei Jahre später schließt sich Eldritch mit Bassistin Patricia Morrison zusammen. 1987 folgt die Scheibe Floodland, deren erste Single-Auskopplung This Corrosion den ersten Hit der Sisters markiert. Doch auch Morrison bleibt nur zwei Jahre an Bord, ihr musikalischer Beitrag zur Gruppe ist umstritten. So gibt Eldritch 1992 zu Protokoll: „Ich dachte damals, dass es unhöflich und nicht sehr hilfreich sei, wenn ich öffentlich bekannt gebe, dass sie keinen einzigen Song geschrieben und die Stücke auch nicht im Studio eingespielt hat. Oder dass sie während der ganzen Zeit in der Band nie eine Gitarre in der Hand hatte, außer für Musikvideos. Kein Wunder, dass sie nicht richtig spielen konnte, wenn es mal gefordert war.“ Die Streitigkeiten führen zu einer Gerichtsverhandlung zwischen den beiden. Das Ergebnis: eine Geheimhaltungsvereinbarung.

Die einzige Konstante bei den Sisters Of Mercy (außer dem Drumcomputer): Andrew Eldritch 1993

Wenig später siedelt Eldritch nach Hamburg um, wo er den deutschen Gitarristen Andreas Bruhn kennenlernt. Bassist Tony James und Gitarrist Tim Bricheno vervollständigen die Band. 1990 veröffentlichen die Sisters Of Mercy mit Vision Thing ihr drittes Album. Einzige personelle Konstanten seit den Anfängen: Andrew Eldritch und Doctor Avalanche. Mehrere Singles werden ausgekoppelt, vor allem der von Meat-Loaf-Stammkomponist Jim Steinman mitverfasste Song More läuft im Musikfernsehen rauf und runter.



Vision Thing bleibt bisher (Stand: 2019) das letzte Studioalbum der Sisters Of Mercy – aus Prinzip. Die Gruppe protestiert gegen ihren Plattenvertrieb und weigert sich, neue Musik aufzunehmen. 1992 und 1993 erscheinen noch zwei Compilations. Anschließend schlagen Eldritch und seine wechselnden Begleiter den Weg einer reinen Live-Band ein und touren, was das Zeug hält.

Die Sisters zu Zeiten von „Vision Thing“

Weil er aus vertraglichen Gründen keine Platten unter seinem eigenen Namen auf den Markt bringen darf, agiert der Frontmann während der Neunziger unter verschiedenen Pseudonymen, zum Beispiel Paris Riots oder Leeds Underground. Er bewegt sich nun im Technobereich, zu einer Veröffentlichung kommt es aber nicht. Erst 1997 spielt er unter dem Namen SSV ein Album namens Go Figure ein, das zur Folge hat, dass die Plattenfirma Time Warner die Sisters Of Mercy aus ihrem Vertrag entlässt. Der vollständige Name seines neuen Projektes lautet SSV-NSMABAAOTWMODAACOTIATW, eine Abkürzung für: „Screw Shareholder Value – Not So Much A Band As Another Opportunity To Waste Money On Drugs And Ammunition Courtesy Of The Idiots At Time Warner“. Touché. Eine offizielle Veröffentlichung bleibt aus.

Um sich von seinem Gothic-Image zu lösen, blondiert sich Eldritch die Haare, später rasiert er sie vollständig ab. Interviews gibt er nur selten, neue Sisters-Studioalben bleiben bis heute außer Sicht. Und in der Tat: Ruft man auf der Website der Sisters Of Mercy heute den Menüpunkt „Record News“ auf, öffnet sich eine kryptische Fehlermeldung.

Andrew Eldritch 2009 – Pic: Mendor/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 27.7.1986 sticht ein Mann bei einem The-Cure-Konzert auf sich ein.

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