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Popkultur

Die musikalische DNA von Rammstein

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Die markigen Gitarrenriffs, das kehlig gerollte R, die expliziten Texte und nicht zuletzt die aufwändigen Musikvideos und Bühnenshows: Kaum eine deutsche Band hat in den letzten dreißig Jahren dermaßen polarisiert wie Rammstein – und das als Gesamtpaket. Kein Wunder eigentlich bei dem martialischen Auftreten, der Koketterie mit Tabuthemen und nicht zuletzt dem Sound der Band um Sänger und Rampensau Till Lindemann. Der ist schleppend, mächtig, männlich und irgendwie… deutsch. Dazu kommen wahnwitzige Pyro-Shows und Videos, die vor Gewaltdarstellungen, sexuellen Anspielungen oder sogar nackten Tatsachen nur strotzen. Ganz klar: Rammstein bieten viel Angriffsfläche. Und dennoch werden sie geliebt für das, was sie tun. Und das nicht zu knapp.


Hört euch hier die musikalische DNA von Rammstein in einer Playlist an und lest weiter:


Am sicherlich unschuldigsten ist dabei noch die Musik der 1994 gegründeten Band, die sich aus diversen anderen Gruppierungen aus dem DDR-Underground rekrutierte. „Den Stil haben wir gefunden, indem wir alle genau wussten, was wir nicht wollen“, sagte Keyboarder Christian „Flake“ Lorenz einst. „Und wir wollten genau nicht amerikanische Funkymusik machen oder Punk eben oder irgend so was, was wir gar nicht können. Wir haben gemerkt, dass wir nur diese Musik können, die wir auch spielen. Und die ist halt mal sehr einfach, stumpf, monoton.“ Heißt auch: Sie geht schnell rein. Was sich aber für vielschichtige Einflüsse hinter dem simplen Sound verstecken, das erfahren wir mit Blick auf die musikalische DNA der „letzten Buhmänner der Rockmusik“, wie sie Journalist Ralf Schlüter einst in der Berliner Zeitung nannte.


1. Nina Hagen – Antiworld

Wer hat’s zuerst gerollt? Dass Till Lindemann das R in Rrrrrammstein dermaßen sonor aus der Kehle kullern lässt, hat allein für genug Diskussionsstoff gesorgt – denken die meisten Menschen bei diesem Klang doch an eine ganz bestimmte historische Person. Lindemann selbst aber wies jede Absicht von sich: „Es kam von selbst, weil du in dieser tiefen Tonlage automatisch so singst. Wir wollten damit um Gottes Willen keine faschistische Attitüde erschaffen“, sagte der Sänger bereits 1997 gegenüber dem Musikexpress. Zumal das theatralisch gerollte R eine Lange musikalische Tradition hat: Zu den Zeiten der Comedian Harmonists war es völlig normal, den Konsonanten überzubetonen. „Why do you speak so funny?“, fragt auch eine Unbekannte auf dem Opener von Nina Hagens erstem Solo-Album NunSexMonkRock. Mit dem Song Antiworld setzte die Ost-Berliner Chaotin aber nicht allein mit ihrer Aussprache klare Akzente, sondern nahm sich alle möglichen künstlerischen Freiheiten. Die wären ihr so in der DDR vermutlich nicht zugekommen, doch übte Hagen auf die dortige Musikszene einen großen Einfluss aus – auch auf die späteren Rammstein-Mitglieder. Als Hagen 2003 der Band gemeinsam mit Apocalyptica das Rammstein-Stück Seemann coverte, zeigte sich sogar der sonst so lakonische Flake überwältigt: „Wenn eine Frau wie Nina ein Lied von uns spielt, ist das wie ein Orden, mehr wert als zehn Echos, Grammys und was die Geschäftswelt so bereithält.“ Rrrrührrrend!


2. Ramones – Pet Sematary


Nina Hagens künstlerisch überhöhter Punk-Entwurf lieferte auch sicherlich einige Inspiration für Rammsteins opulente Selbstinszenierung, musikalisch aber mag es die Band doch schlichter. Weniger exaltiert und angesichts von Rammsteins eigenem Sound erstaunlich poppig sind etwa die Ramones, die trotzdem zum wichtigen Vorbild wurden. Bereits zwei Jahre nach Gründung begleiteten die deutschen Schwermetaller die US-amerikanischen Punkrocker auf ihrer Abschiedstour und nahmen im Jahr 2001 an einer Gedenkveranstaltung für den im April des Jahres verstorbenen Joey Ramone teil. Gemeinsam mit Marky und C.J. Ramone sowie dem Misfits-Sänger Jerry Only sang Flake mit seiner Band den Song Pet Sematary. Der Friedhof der Kuscheltiere, das ist doch schließlich die perfekte Bühne für Rammstein. Neben Lindemann, der sich mit seiner Fun-Punk-Band First Arsch schon eindeutig an den Sound der spindeldürren New Yorker anlehnte, schwärmte vor allem Flake für den Ramoneschen Reduktionismus. “Die haben ihr dreckiges Tuch hinter die Bühne gehängt, mit ihrem Western-Zeichen – ‚hey ho let’s go‘ und dann ging’s los“, erinnerte er sich an die gemeinsame Tour. „Und da hab ich gedacht: So will ich eigentlich Musik machen!“ Wie Rammstein wohl klängen, wenn sie es genauso hielten?

 


3. Pantera – Walk

Zumindest würden Rammstein nicht ohne die messerscharfen und doch tonnenschweren Gitarrenriffs von Paul Landers so klingen, wie sie es heute tun. Der spielte vor Rammstein gemeinsam mit Flake bei der ebenfalls aus dem Punk kommenden Band Feeling B, bei der auch Drummer Christoph „Doom“ Schneider zwischen 1990 und 1993 mitmischte. Schneider zeigte sich stets ehrfürchtig vor dem Gitarristen, der hohe Maßstäbe an die Performance seiner Band anlegte: „Er kann einem schon das ganze Selbstbewusstsein rauben. Er meckert heute noch manchmal mit mir rum“, gab er kleinlaut in einer Feeling B-Biografie zu Papier. Auch für die neue Band um Till Lindemann hatte Schneider zuerst nur wenig warme Worte übrig. Als „Hilfs-Pantera“ soll er sie verächtlich bezeichnet haben, erinnerte sich der Schriftsteller Peter Richter in einem Artikel über die Band. Warum, das ist auch heute noch deutlich zu hören: Die texanische Metal-Band und insbesondere ihr Gitarrist „Dimebag“ Darrell Abbott formulierten einen ähnlichen strengen Sound, an dessen knallharten Riffs kein Gramm zu viel klebte. Um den Groove ging es auf Alben wie Vulgar Display Of Power. Rammstein nahmen es sich zu Herzen und regelten nur das Tempo herunter.


4. Clawfinger – Warfair

Simple, sich wiederholende Strukturen und ein breitwandiger Sound sind allerdings noch nicht alles, was Rammstein ausmacht. Schon immer suchte die Band die Nähe zu anderen Genres, ungewöhnlichen Klängen und unkonventionellen Strukturen Als die Band 1994 die Bühnen der Welt betrat, war die Zeit günstig. Mit Clawfinger hatte im Vorjahr eine Band debütiert, welche den sich langsam abzeichnenden Crossover-Sound maßgeblich mitprägte. Ihr Album Deaf Dumb Blind mit Songs wie Warfair war ähnlich groovig wie Pantera zu ihren Hochzeiten, bezog seine Einflüsse aber aus eher funkigeren Gebieten wie dem Hip Hop. Rammstein erwiesen der schwedisch-norwegischen Band immer noch dann Respekt, als diese Ende der neunziger Jahre ihren Zenit überschritten hatten und revanchierten sich damit dafür, dass sie dank Clawfinger ihre ersten internationale Konzerte spielen durften. Als die Schüler zum Lehrmeister wurden, vergaßen sie die einstigen Tourkameraden nicht: Clawfingers Remix-Arbeiten an Rammstein-Songs wie Du Hast, Sonne oder Keine Lust brachten sie trotz sinkenden Interesses immer wieder ins Gespräch. Einen ganz besonderen Begleiter verdanken Rammstein wohl ebenso Clawfinger: Nachdem Jacob Hellner zuerst Deaf Dumb Blind produziert hatte, wurde er zum Stammproduzenten der deutschen Band. Eine einzigartige, wie Hellner selbst sagt – die Band macht es ihm schließlich einfach. „Rammstein kommen rein und spielen nahezu fertiges Material“, schwärmte er.


5. Project Pitchfork – Alpha Omega

Nicht allein Clawfinger waren zugleich mit Rammstein auf Tour und steuerten Remixe zu ihrem umfassenden Werk bei, nein. Auch die 1989 gegründete Darkwave-Band Project Pitchfork nahmen sie 1995 als Vorgruppe auf Tour und interpretierten den Song Du riechst so gut für die Single-Veröffentlichung auf ihre unnachahmliche Art neu. Das Hamburger Projekt um Peter Spilles etablierte sich bereits 1992 und stand unter anderem im engen Austausch mit Oomph!, die Rammstein ebenso getrost als wichtige Inspiration verbuchen können. Auch die Nähe zum Project Pitchfork verblüfft nur auf den ersten Blick: Der vor allem als Spaßmacher bei Live-Shows bekannte Flake bringt sich musikalisch schließlich mit epischen Keyboard-Sounds ein, welche die Band oft in Nähe des Industrial Rocks von Nine Inch Nails gerückt haben – nicht ohne Grund waren schließlich beide auf dem Soundtrack des David Lynch-Films Lost Highway zu hören. So reihen sich Project Pitchfork in das Spalier derer ein, die Rammstein einst protegierten und von denen sie doch überflügelt worden. Alles begann auf einer Tour mit dem vielsagenden Titel Alpha Omega nach dem gleichnamigen Project Pitchfork-Album.


6. Depeche Mode – Stripped

Noch eindeutiger zeigten sich die Synthie-Einflüsse, als Rammstein für die Depeche Mode-Tribute-Compilation For The Masses deren Song Stripped coverten. Nicht ihre erste Huldigung an elektronische Vorväter: Schon Kraftwerks Das Modell hatte die Band neu interpretiert. Diesmal aber löste der Song einen Skandal aus. Beziehungsweise das Video dazu, denn wie so oft provozierten Rammstein vor allem visuell eine deftige Diskussion. Was war passiert? Regisseur Philipp Stölz hatte für das für das Video Szenen aus dem Film Olympia zusammengeschnitten! Die Regisseurin Leni Riefenstahl dokumentierte darin die olympischen Spiele des Jahres 1936 in Berlin. Riefenstahl war ein Aushängeschild nationalsozialistischer Kunst und eine flammende Verehrerin Adolf Hitlers. Dementsprechend ist Olympia weniger Dokumentation denn vielmehr ästhetisierter Propagandafilm. Schon wieder sah sich die Band zu Rechtfertigungen genötigt: „Wir waren früher entweder Punks oder Gruftis – wir hassen Nazis!“, rief Lindemann damals dem Rolling Stone entgegen. Stölz selbst meinte gegenüber dem TagesAnzeiger, das Video ließe sich „leicht als kalkulierten Skandal deuten. Aber ich bin frei von jeder fragwürdigen Gesinnung. Ich hab auch nie ganz verstanden, warum sich bei Rammstein immer alles um diese angebliche Nazi-Konnotation drehte. Wie dumm ist das denn! Die Texte von Rammstein sind wahnsinnig ironisch.“


7. Laibach – Geburt einer Nation

Die Meister der ironischen Verdrehung allerdings sind Laibach. Auf ihrem Album Opus Dei etwa coverte der musikalische Ableger des Kollektivs Neue Slowenische Kunst (NSK) im Jahr 1987 zwei berühmte Rocksongs: Opus’ Live Is Life und Queens One Vision wurden unter den Händen der Band zur martialisch anmutenden Märschen, die deutlich die musikalische Sprache totalitärer Systeme aufriefen. Der Fall scheint klar: Da haben Rammstein ihr Handwerk gelernt! Ganz so einfach ist es aber nicht: „Für mich ist Laibach eine sehr, sehr intellektuelle Geschichte“, brachte Gitarrist Richard Kruspe seine Missgunst zum Asudruck. Flake allerdings räumte die offensichtlichen Ähnlichkeiten vor allem im hypermaskulinen Gesangsstil durchaus ein. Woher aber kommt Rammsteins Spiel mit den Ambivalenzen? Christopher Schneider sieht die Band in einer bestimmten textlichen Tradition: „Wenn man sich Texte von DDR-Bands ansieht, sieht man, wie gut die teilweise sind, wenn sie ein Thema mit lyrischen Mitteln umschreiben“, sagte der Schlagzeuger. „Diese Vergangenheit ist mit uns eng verbunden.“ So oder so müssen sich Rammstein immer mit den großen slowenischen Kollegen messen. Immerhin der slowenische Philosoph Slavoj Žižek sprach Rammstein ein ähnliches Subversionspotenzial zu: „Rammstein unterlaufen die totalitäre Ideologie nicht durch ironische Distanz, sondern durch Konfrontation mit der obszönen Körperlichkeit der ihr zugehörigen Rituale und machen sie damit unschädlich“, schrieb er auf ZEIT Online. Und obwohl Laibach selbst sagten, dass Rammstein die Kinderversion ihrer eigenen Band seien: Sie coverten Rammsteins Ohne Dich als skurrile Schlager-Version. Oder war das auch nur ein ironischer Witz?


8. The Prodigy – Smack My Bitch Up

Ähnlich wie die slowenischen (Nicht-)Vorbilder Laibach gehört das Visuelle bei Rammstein zum Gesamtimage unbedingt dazu. Das Stripped-Video jedoch war nur die Spitze des Eisbergs. Für das Video zum Song Pussy etwa mietete sich die Band in einem Bordell in Berlin-Charlottenburg ein, um mit Pornostars zusammen… Naja, ihr könnt es euch denken. Anschauen jedoch könnt ihr euch die unzensierte Version jedoch lediglich auf einschlägigen Internetseiten. Verantwortlich für dieses und andere Videos ist der Regisseur Jonas Åkerlund, der selbst auf eine musikalische Karriere zurückschauen kann: Zwischen 1983 bis 1984 war er Schlagzeuger der Band Bathory, die maßgeblich für das Black Metal-Genre waren. Seinen internationalen Durchbruch erlebte der Schwede im Jahr 1997 mit dem skandalösen Video zum Song Smack My Bitch Up von der Rave-Band The Prodigy. Darin ist eine exzessive Nacht aus der Egoperspektive zu sehen – weiße Lines, sexuelle Übergriffigkeiten und eine Clubschlägerei inklusive. Nach einem Autoklau und einer wilden Sexszene mit einer Stripperin wartet allerdings eine Überraschung aufs Publikum: Das hat den Abend nicht etwa wie angenommen aus der Perspektive eines Mannes, sondern einer Frau erlebt. Ein Video voller „obszöner Körperlichkeiten“ und damit ganz nach Rammsteins Geschmack. Seit 2005 arbeitet die Band regelmäßig mit Åkerlund zusammen, der sich auch für den megalomanischen Konzertfilm Rammstein: Paris verantwortlich zeigte.


9. Kurt Weill – Die Moritat von Mackie Messer (aus: Die Dreigroschenoper)

Rammsteins theatralische Selbstinszenierung lässt sich leicht in die zwanziger und natürlich dreißiger Jahre zurückverfolgen, erschöpft sich jedoch nicht am rechten Rand. Lindemanns Faible für deutsche Literatur – er selbst hat als Lyriker debütiert – erstreckt sich ebenso auf einen der großen Dramaturgen der Weimarer Republik: Bertolt Brecht. Die Zeilen „Und der Haifisch der hat Tränen / und die laufen vom Gesicht / doch der Haifisch lebt im Wasser / so die Tränen sieht man nicht“ aus dem Rammstein-Song Haifisch sind eine eindeutige Anspielung auf Die Moritat von Mackie Messer aus der Dreigroschenoper, dem epischen Theaterstück, welches Brecht gemeinsam mit dem Komponisten Kurt Weill auf die Bühne brachte. Das Bänkellied aus dem 1928 veröffentlichten Drama wurde zu einer Art skurrilem Welthit, den selbst ein Frank Sinatra coverte. „Brecht schrieb ja vor allem in den 20er-Jahren über Abgründe, Exzesse und Obsessionen“, begründete Lindemann dem Berliner Stadtmagazin tip gegenüber seine Faszination mit dem Schriftsteller, der 1933 vor den Nazis ins Exil flüchtete. Insbesondere Brechts erzählender Stil gefällt dem Sänger, wohl aber genauso dessen kaltschnäuziger Bruch mit allen Tabus seiner Zeit. Ob Brecht allerdings an Rammstein Gefallen gefunden hätte?

 


10. Dresdner Sinfoniker – Stimmen aus dem Kissen

Wer sich seine Inspiration aus der sogenannten Hochkultur bezieht, der wird wohl früher oder später ebenso von ihr entdeckt. Nicht allein ein auf Metal ausgerichtetes Klassik-Projekt wie Apocalyptica widmete sich dem Sound der Neuen Deutschen Härte, wie sie von Rammstein durch die Welt getragen wurde – auch die Dresdner Sinfoniker adaptieren ihre Stücke! Der 2003 veröffentlichte Liederzyklus Mein Herz brennt des 1996 von Markus Rindt und Sven Helbig gegründeten Orchesters für zeitgenössische Musik interpretierte unter der Leitung von Komponist Torsten Rasch eher, sagen wir mal, unverfängliche Stücke aus deren Backkatalog neu: Mutter, Herzeleid, Sehnsucht und der titelgebende Song erhielten ein neues, aufgebauschtes Gewand. Auf dem ECHO-prämierten Album findet sich ebenso ein Stück mit sogenannten Variationen über Rammstein, das Lied Stimmen aus dem Kissen, das nachdrücklich darlegte, wie inspirierend die Musik Rammsteins für Neue Musik sein kann! Wie so oft in der Rammstein-Geschichte ergriff die Band die Gelegenheit für eine weitere Zusammenarbeit: Sven Helbig trat seitdem des Öfteren als Produzent von Rammstein in Erscheinung. Kommt also bald die erste Rammstein-Sinfonie? Wir warten es ab!


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Zeitsprung: Am 3.7.1969 wird Rolling-Stones-Gründer Brian Jones tot aufgefunden

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Brian Jones
Foto: Keystone/Getty Images

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 3.7.1969.

von Tom Küppers und Christof Leim

Aufstieg und Fall liegen gerade in der Kunst oft gefährlich nahe beinander. Basierend auf der Vision von Brian Jones legten die Rolling Stones den Grundstein für ihre Weltkarriere, doch der Gitarrist wird das nicht mehr erleben. Sein Tod am 3. Juli 1969 ist der tragische Höhepunkt einer traurigen Geschichte und sorgt bis heute immer mal wieder für Spekulationen.

Hört hier das letzte Stones-Album, das zu Jones’ Lebzeiten veröffentlicht wurde:

Die Jugend des am 28. Februar 1942 geborenen Lewis Brian Hopkin Jones verläuft anfangs in halbwegs geordneten Bahnen. Sein musikalisches Talent legen ihm die Eltern in die Wiege, denn der Vater unterrichtet in seiner Freizeit andere am Klavier, seine Mutter greift ebenfalls in die Tasten und leitet den örtlichen Kirchenchor. Knapp volljährig zieht er nach London, um eine neue Band zu gründen. Dort trifft er auf Mick Jagger, der Keith Richards mitbringt – das Grundgerüst der Rolling Stones steht somit. Jones ist zu diesem Zeitpunkt der klare Anführer der Band. Er bringt Jagger und Richards die Feinheiten des Rhythm & Blues näher, zeigt Mick, wie das mit der Mundharmonika geht und spielt tagelang mit Keith zu Platten von Jimmy Reed und Muddy Waters.

Sprachrohr mit Stimmungsschwankungen

Als die Stones 1963 durchstarten, ist Jones Sprachrohr und Star der Gruppe. Doch hinter den Kulissen zeigt er sich unzufrieden – vor allem ab dem Moment, als Jagger und Richards anfangen, eigene Songs zu schreiben. Denn Jones’ Schwäche liegt darin, dass er als Komponist nicht mit den anderen mithalten kann. Die Stones, getragen von einer bis dato noch nicht gesehenen Erfolgswelle, hetzen durch die Konzertsäle und Aufnahmestudios, Jones kontert dem Stress mit Drogen und Alkohol.

Brian Jones

Anfangs der klare Anführer bei den Stones: Brian Jones. (Bild: Mark & Colleen Hayward/Redferns/Getty Images)

Etliche Zeitgenossen berichten dazu von extremen Stimmungsschwankungen. Stones-Basser Bill Wyman schreibt in seiner Biografie A Stone Alone von zwei Persönlichkeiten: „Die eine gab sich introvertiert, schüchtern, sensibel, tiefgründig. Die andere war eine umher stolzierender Pfau, gesellig künstlerisch und verzweifelt auf die  Anerkennung anderer angewiesen.“ Das Problem an der Sache: Künstlerisch kriegt Jones immer weniger auf die Pfanne. Bei Aufnahmesessions beschränkt sich sein Beitrag hauptsächlich auf obskure Instrumente (auf Paint It, Black brilliert er zum Beispiel mit einem fantastischen Sitar-Lick) – wenn er überhaupt erscheint. Oft ist er zu benebelt, um Produktives beizutragen, was beispielsweise der Promo-Clip zum 1967 veröffentlichten We Love You schmerzlich vor Augen führt. Als die Stones ihre nächste US-Tour planen, wird klar, dass Jones zum einen wegen diverser Drogendelikte kein Visum erhalten wird und zum anderen überhaupt nicht mehr in der Lage ist, auf Tournee zu gehen. Jagger, Richards und Co. ziehen die Notbremse und eröffnen ihrem ehemaligen Bandleader Anfang Juni 1969, dass sich ihre Wege jetzt trennen werden. (Die ganze Geschichte dazu gibt es hier.)

Große Pläne

Jones zieht sich auf die Cotchford Farm zurück, die früher einmal dem Autoren A.A. Milne (Pu der Bär) gehörte. Sein alter Freund Alexis Korner besucht Brian kurz nach der Trennung und berichtet, er habe den Gitarristen lange nicht mehr so glücklich erlebt. Tatsächlich hegt Brian weitere musikalische Pläne mit John Lennon oder Mitch Mitchell von der Jimi Hendrix Experience, sogar ein paar eigene Songs nimmt er als Demos auf.

Doch in der Nacht des 3. Juli 1969 entdeckt Jones’ damalige Partnerin Anna Wohlin seinen leblosen Körper am Boden des Swimmingpools. Sie behauptet zwar, dass Jones noch gelebt habe, als er aus dem Wasser gezogen wurde, doch als die Ärzte eintreffen, können sie nur noch den Tod des 27-Jährigen feststellen. Zwei Tage später wollen die Stones im Hyde Park seinen Nachfolger Mick Taylor vorstellen, widmen die Show aber natürlich dem verstorbenen Weggefährten. Jagger trägt aus dem Gedicht Adonais vor, dazu werden Hunderte weiße Schmetterlinge freigelassen, und die Band spielt einen von Brians Lieblingssongs. Eine Woche später wird Brian Jones beerdigt.

Jahrelange Spekulationen

Der Leichenbeschauer kam damals zu dem Schluss, das Ganze sei ein Unfall gewesen, und hält fest, dass Herz und Leber aufgrund der vergangenen Eskapaden deutlich vergrößert seien. Doch immer wieder kochen Theorien hoch, dass Jones’ Tod eben kein Unglück war. Regelmäßig taucht in diesem Zusammenhang der Name Frank Thorogood auf, ein Bauarbeiter, der zum Zeitpunkt des Todes auf dem Anwesen beschäftigt war. Zuletzt kommen diese Vorwürfe 2008 wieder auf, als die Mail On Sunday behauptet, Thorogood habe Jones im Streit getötet, was die Polizei seinerzeit vertuscht hätte. Die zuständigen Behörden in Sussex antworten, dass trotz ausführlicher Untersuchungen keine neuen Beweise aufzufinden sind, die der ursprünglich festgestellten Todesursache widersprechen.

Brian Jones Beerdigung

Brian Jones wird zu Grabe getragen (Bild: Evening Standard/Hulton Archive/Getty)

Über Jones’ Tod zu sprechen, fällt Jagger auch viel später noch sichtlich schwer. „Ich habe die Schwere seiner Drogensucht damals einfach nicht richtig verstanden“, erklärt er 1995 dem Rolling Stone. „Dinge wie LSD waren völlig neu. Niemand kannte die Nachteile. Man dachte, Kokain sei gut für einen.“ In ihrer Dokumentation Crossfire Hurricane setzen die Stones ihrem Gründer dann endgültig ein Denkmal und erinnern so daran, welch immenses musikalisches Talent die Rockwelt viel zu früh verloren hat.

Zeitsprung: Am 8.6.1969 feuern die Rolling Stones ihren Gitarristen Brian Jones.

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Zeitsprung: Am 2.7.1984 erscheint das zweite Dio-Album „The Last In Line“

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Dio Last In Line

Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 2.7.1984.

von Christof Leim

Am 2. Juli 1984 veröffentlicht Ronnie James Dio das zweite Album seiner Solokarriere. The Last In Line schlägt in die gleiche Kerbe wie der fulminante Einstand Holy Diver, zeigt aber bereits dezente Änderungen im Sound. Immerhin: Ordentlich Riffs und Regenbögen gibt’s immer noch.

Zur Lektüre könnt ihr euch hier die Deluxe-Version der Platte anhören:

Er hat gut vorgelegt, keine Frage: 1983 veröffentlicht Meistersänger Ronnie James Dio mit Holy Diver sein erstes Album unter eigenem Namen und startet damit nach Erfolgen mit Rainbow und Black Sabbath eine Solokarriere. Das Debüt darf – ach was: muss – man heutzutage als unsterblichen Metal-Klassiker bezeichnen. (Ehrlich jetzt: Das Ding gehört in jede Sammlung. Und wer Gitarre spielt, muss das Holy Diver-Riff draufhaben. So will es das Gesetz.)

Hochkarätige Besetzung

Mit dabei in der ersten Inkarnation der Dio-Band: Black-Sabbath-Kollege Vinny Appice am Schlagzeug, der alte Rainbow-Kollege Jimmy Bain am Bass und ein blutjunger Flitzefinger aus Belfast namens Vivian Campbell. Der hatte vorher bei den NWoBHM-Untergrundlern Sweet Savage gespielt (unter Metalheads hauptsächlich bekannt wegen des Metallica-Covers von Killing Time), später bei Whitesnake, heute gehört er zu Def Leppard.

Dio

Mit dem Erfolg des Erstlings im Rücken macht sich diese Mannschaft an die Arbeit zum Nachfolger, zum ersten Mal verstärkt durch einen Keyboarder: Claude Schnell von Rough Cutt. Diesmal kann Campbell mehr Material beisteuern als beim Debüt, viele Stücke entstehen als Kooperation der ganzen Band (minus Schnell), zwei der neun Nummern schreibt Dio alleine. Die Texte stammen ebenfalls vom Meister selbst, und natürlich geht’s wieder um Dämonen, Regenbogen, Gut gegen Böse, die Nacht und so weiter – das ganze gute Zeug eben, das große Teile des klassischen Metal gleichermaßen kitschig wie großartig sein lässt. Man weiß nur nie so recht, ob die Pommesgabel reicht oder man demnächst einen Ring in ein Feuer werfen muss.

Flirt mit dem Pop-Metal

Viel der neuen Platte ist aus ähnlichem Holz geschnitzt wie Holy Diver, die Dio-Band führt ihren bewährten Stil weiter. Das heißt: Griffige Songs zwischen Hard Rock und Heavy Metal, mit Riffs galore, brillanten Soli und noch brillanterem Gesang. Insgesamt fällt The Last In Line allerdings ein Quäntchen weniger rau aus, was vor allem am Sound liegt. Den verantwortet erneut Ronnie selbst, der als Produzent agiert. Man kann sagen: Dio flirten hier schon ein bisschen mit dem Pop-Metal, der die Mittachtziger dominiert; auf den Nachfolgern Sacred Heart (1985) und Dream Evil (1987) gehen sie noch weiter.

Die Scheibe eröffnet mit We Rock, einem klassischen Achtziger-Metal-Track mit schnellen Riffs und Fäusteschwinger-Refrain, der schnell zum Fixpunkt der Setlist wird. Im Titelstück The Last In Line geht es episch zu dank cleaner Gitarren am Anfang, dramatischen Melodien vom Meister, auf die stampfende Verse und ein Chorus folgen, zu dem man als Metal-Fan die Faust einfach ballen muss. Es geht ja schließlich um etwas: Sind wir böse oder göttlich, „evil“ or „divine“? Was philosophische Fragen anbelangt, geht unser Dio für weniger gar nicht aus dem Haus. Der Song wird in Europa als dritte Single veröffentlicht, 30 Jahre später erhalten Tenacious D für ihre Coverversion sogar einen Grammy.

Platin und Radio-Hits

Ansonsten gibt es knackige Rocker wie Breathless, One Night In The City und Eat Your Heart Out, die allerdings nicht zwangsläufig auf jede Dio-Best-Of gehören. Das Gleiche gilt für die flotten Headbanger I Speed At Night und Evil Eyes. Mit Mystery hat das Quintett sogar eine regelrecht poppige Nummer am Start, die trotzdem oder deshalb zur Single erkoren wird und sich auf MTV nicht schlecht schlägt. Für ein ordentlich im Shuffle stampfendes Epos (man denke an: Heaven & Hell) ist Ronnie James natürlich immer zu haben, deshalb endet die Platte mit dem Sieben-Minuten-Brecher Egypt (The Chains Are On), einem Album-Höhepunkt.

Das kommt an: Für The Last In Line erhalten Dio schon nach zwei Monaten eine Goldauszeichnung in den USA dank einer halben Millionen verkaufter Platten, knapp drei Jahre später gibt es Platin. Die Chartplatzierungen können sich sehen lassen: Platz 23 in den Vereinigten Staaten und Deutschland, sogar Rang 4 in Großbritannien. Alle drei Singles (Mystery, We Rock und The Last In Line) werden zu Hits im Rockradio. Damit hat Ronnie James Dio seine Soloband nachdrücklich etabliert. Die Truppe tourt ausführlich, Liveaufnahmen erscheinen im Konzertvideo A Special From The Spectrum von 1984 und 2012 auf der Deluxe-Version der Platte.

Heutzutage klingt The Last In Line weniger zeitlos als das vermutlich geplant war, also schon ziemlich deutlich nach den Mittachtzigern, gehört aber zum Kanon der geschichtsträchtigen Metal-Werke. Dem zollen 2012 die damaligen Mitstreiter Campbell, Appice und Bain (verstorben 2016) Tribut, indem sie ihre neue Band Last In Line nennen und so den Geist der frühen Dio-Band trotz des Todes ihres Namensgebers (2010) weiterleben lassen.

Dio Last In Line

Zeitsprung: Am 17.4.1980 feiern Black Sabbath mit Dio Premiere – in Ostfriesland.

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25 Jahre „Three Dollar Bill, Y’all“: Limp Bizkit starten ihren Kreuzzug des schlechten Geschmacks

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Limp Bizkit
Foto: Brenda Chase/Getty Images

Nu Metal ist längst auf dem Vormarsch, als Limp Bizkit mit ihrem Debüt Three Dollar Bill, Y’all um die Ecke biegen. Der provokante, für viele abstoßende White-Trash-Appeal von Fred Dursts wilder Bande ist 1997 für viele dann aber doch noch zu viel.

von Björn Springorum

Hier könnt ihr euch Three Dollar Bill, Y’all anhören:

Limp Bizkit liebt man oder hasst man. Dazwischen, so kann man nach 25 Jahren sicher sagen, gibt es nicht viel Spiel. Genau so wie es sich Fred Durst damals also vorstellte, als er zu Beginn der Neunziger eine Band gründet. Durst steht auf Hip-Hop ebenso wie auf Heavy Metal, skatet, liebt Tattoos, Beatboxen und Breakdancen. Ziemlich viel Cringe-Potential natürlich für einen weißen Dude Anfang 20 in North Carolina. Aber Hobbys sind eben Hobbys.

Nach Stippvisiten bei bedeutungslosen Lokalbands hat er genug und nimmt die Dinge einfach mal selbst in die Hand. Gesegnet mit jeder Menge Selbstbewusstsein, einen gewöhnungsbedürftigen Sinn für Humor und einer Vorliebe für Provokation kann er Bassist Sam Rivers und dessen Cousin, Jazz-Drummer John Otto von seinen Plänen überzeugen. Bald darauf wird das junge Glück ergänzt von Gitarrist Wes Borland. Als Durst einen zweiten Gitarristen an Bord holen will, um den Sound breiter und variabler zu gestalten, funkt Borland dazwischen: Nö, nix da, sagt der, ein Gitarrist reicht völlig. Stattdessen stößt DJ Lethal von House Of Pain zu der jungen Band, völlig begeistert davon, wie er sich hier im Vergleich zu seinen alten Hip-Hop-Buddies ausleben kann: Knallharter Sound, kompromisslose Attitüde, hohes Aggressionspotential und eine durchaus originelle Vermischung von Rap und Metal.

Das Beachtenswerte: Ohne es zu wissen, schart Fred Durst schon in den frühen Tagen ein Line-Up um sich, das bis zum heutigen Tag unverändert bleiben und gemeinsam über 40 Millionen Tonträger verkaufen soll. Nicht schlecht für die selbstgefälligen Visionen eines gelangweilten Twens mit großer Klappe. Aber das ist bei Fred Durst eben immer schon so: Große Klappe, was dahinter.

Schocken um jeden Preis

Er ist es auch, der seiner Band den Namen Limp Bizkit gibt. Er will die Menschen bewusst anwidern, will sie abschrecken und schon sehr frün die Spreu vom Weizen trennen. Wer sich schon von diesem Namen abschrecken lässt, denkt er sich, ist für die Musik eh nicht bereit. Damit soll er Recht behalten: Mit ersten Demo-Songs erregen sie zwar durchaus die Aufmerksamkeit einiger Plattenfirmen, ausnahmslos wird jedoch verlangt, die Band solle ihren Namen ändern. Nicht mit Durst! Der sieht lieber mit Wohlwollen, wie sich seine Band eine Kult-Anhängerschaft erarbeitet. Klar, Korn und die Deftones feiern damals schon große Erfolge; für den expliziten, trashigen, inhaltlich fragwürdigen, überzeichneten bewusst geschmacklosen Nu-Metal-Abriss hat man damals aber einfach noch keine Schublade.

Fred Durst ist überall unterwegs, um für seine Band Werbung zu machen, gibt sich schon auch mal als deren Manager auf, um dick aufzutragen. Wes Borland derweil entwickelt sein Faible für bizarre Kostümierungen, die schon bald einer der Hauptgründe sind, weshalb immer mehr Menschen zu Shows von Limp Bizkit kommen. Irgendwie kann Durst sogar Korn davon überzeugen, seine Band mit auf Tour zu nehmen, obwohl sie damals noch nicht mal einen Plattenvertrag haben.

Geschmacklos und stolz drauf

Den gibt es dann irgendwann doch – und natürlich ohne Namensänderung. Fred Durst kennt die Mechanismen der Industrie zu diesem Zeitpunkt schon beeindruckend gut. Dass er das Limp-Bizkit-Debüt trotzdem Three Dollar Bill, Y’all nennen muss – Queer as a three dollar bill ist eine homophobe Beleidigung –, ist mehr als nur ein Kopfschütteln wert. Aber da hat er sich eben schon eingeschossen auf seine Antihaltung, auf sein gezieltes Anecken, Anwidern, Anpissen.

Was George Michael wohl davon hielt?

Dafür hätte allein der Sound der Platte gereicht: Was am 1. Juli 1997 erscheint, ist ein verstörend hart produziertes, chaotisches, wütendes Album, das hörbar von Tool oder den Deftones geprägt ist, aber zu gleichen Teilen mit breitbeinigem Rap-Gehabe aufwartet und völlig unsubtil auf die Fresse gibt. Pollution ist ihr erster kleiner Hit, mit Counterfeit machen sie sich schon auf ihrem Debüt über Bands lustig, die sie kopieren. Klar, auch ihr anarchisches, tollwütiges Cover von George Michaels Faith, in Undergroundkreisen damals längst Legende, findet sich auf Three Dollar Bill, Y’all wieder. „Wir wussten, dass wir nur auffallen können, wenn wir die Leute schocken“, so Wes Borland damals. „Das bewegt die Leute.“

Scheint zu klappen: Nach dem Release touren sie im Vorprogramm ihrer Helden von Faith No More (wenn auch vor einem sehr ablehnenden Publikum), werden mehr und mehr von MTV entdeckt. Das Album wird zum Erfolg und zündet eine neue Stufe in Sachen Nu-Metal-Welteroberung. Man muss nicht mögen, wie Fred Durst in seinen Texten mit Frauen umgeht; man muss aber immer im Hinterkopf behalten, worum es ihm seit Tag eins bei dieser Band geht: Darum, dass sich die Menschen angewidert abwenden. Das zumindest ist spätestens 1999 allerdings passé: Der Nachfolger Significant Other verkauft sich gleich mal 16 Millionen Mal. Liebe oder Hass: Respekt vor Fred Dursts genialer Strategie muss man haben. Und die Songs, die knallen auch 25 Jahre später noch.

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10 Songs, die jeder Limp-Bizkit-Fan kennen muss

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