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Behind the Song: “While My Guitar Gently Weeps” von den Beatles

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Von allen Songs auf dem White Album hat While My Guitar Gently Weeps im Laufe der Studiosessions die krassesten Veränderungen durchlaufen. 1996 erschien auf Anthology 3 erstmalig eine zarte, frühe Version, auf der George Harrison sich selbst auf der akustischen Gitarre begleitet und Paul McCartney im Hintergrund auf dem Harmonium spielt. Obwohl diese Version sehr zu Herzen geht, war es nicht der Sound, den George wollte und so wurde der Song radikal überarbeitet; und zwar nicht nur einmal, nein, ganze zwei weitere Versuche brauchte es, bis er zufrieden war. Auch der Text änderte sich mehrmals bis zur finalen Version und auf dem Weg dorthin verschwanden ganze Strophen in der Versenkung.

von Paul McGuinness

“Alles hat einen Sinn”

Der Song entstand während eines Besuchs bei Georges Eltern als Experiment zu einer Theorie aus dem I Ching. “While My Guitar Gently Weeps war einfach nur eine kleine Skizze, eine Studie über diese Theorie, dass es immer irgendeinen Grund gibt, warum bestimmte Dinge zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort erscheinen”, erklärte George. “Ich dachte, dass ich über alles, was ich in einem Buch entdecke, einen Song schreiben könnte. Also öffnete ich dieses Buch und sah ‘gently weeps’. Ich klappte das Buch wieder zu und fing an zu schreiben.”

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Im August verwarf George die zarte Akustikversion vom Juli 1968 und holte den Rest der Beatles für eine Bandversion ins Studio. Als die Gruppe ein ordentliches Fundament gelegt hatte, versuchte George, für den Song ein Rückwärts-Gitarrensolo aufzunehmen. Schließlich wanderte aber auch diese Version in die Ablage.


Hört hier in Harrisons sanft weinende Gitarre rein:

Für den ganzen Song klickt auf “Listen”.

Seit die Yardbirds 1964 als Support mit den Beatles aufgetreten waren, war George mit Eric Clapton befreundet und so lud er ihn spontan ein, auf dem nächsten Versuch mitzuwirken.

In einem Gespräch mit Guitar Player im Jahr 1987 erinnert sich George, dass Clapton zunächst zögerte: “Er sagte, ‘Oh, nein. Das kann ich nicht machen. Niemand spielt auf Beatles-Songs außer den Beatles.’ Ich sagte, ‘Hör zu, das ist mein Song und ich will, dass Du darauf spielst.’ Also kam Eric rein und die anderen waren ganz zahm – weil er da war. Ein weiterer Vorteil war, dass ich mich ganz auf die Rhythmusgitarre und den Gesang konzentrieren konnte. Eric spielte also und es klang richtig gut, wie ich fand. Dann hörten wir uns die Aufnahme an und Eric bemerkte ein Problem: ‘Es klingt nicht genug nach den Beatles.’ Also ließen wir den Track noch durch das ADT laufen, damit er ein bisschen weniger klar klang.”

Chris Thomas war zu der Zeit George Martins Assistent und er erinnert sich, wie sie das bewerkstelligten: “Mir wurde die tolle Aufgabe zuteil, auf den Mixen von Gently Weeps den Oszillator zu bedienen… Flanging, hauptsächlich. Wir haben den Oszillator im Mix richtig stark geschlingert – stundenlang saß ich so da.”



“Ein schöner Moment”

Diese Studiosessions für While My Guitar Gently Weeps Anfang September 1968 waren aus mehreren Gründen von Bedeutung, nicht zuletzt, weil es das erste Mal war, dass Ringo wieder im Studio dabei war, nachdem er während der Arbeit an Back In The USSR zwei Wochen zuvor die Band kurzfristig verlassen hatte. Für seine Rückkehr hatte George Ringos Ludwig Hollywood Schlagzeug mit Blumen dekorieren lassen. Diese Geste bedeutete dem Drummer viel. “Es war ein sehr schöner Moment”, schrieb er später.

Im Sommer 1968 verließ die Band gelegentlich die vertrauten Abbey Road Studios der EMI in St John’s Wood und ging nach Soho in die Trident Studios, wo es die Möglichkeit gab, 8-Spur-Aufnahmen zu machen, während in der Abbey Road zwei 8-Spur 3M-Geräte modifiziert wurden. Am 5. und 6. September waren die Beatles (und Eric) wieder in den Abbey Road Studios und nutzten die zusätzlichen Spuren, die ihnen dort zur Verfügung standen, um unter der Regie von Chris Thomas, der George Martin vertrat, endlich Harrisons Vision des Songs umzusetzen. Paul trägt einen wunderbaren Pianopart bei, der mit einem unverkennbaren Intro beginnt, bevor Clapton zum ersten Mal mit der Gitarre durchbricht, und dann das ganze Stück wie ein roter Faden durchzieht. Georges Stimme klingt mühelos und wurde von Smokey Robinson inspiriert; Paul steht ihm gesanglich zur Seite. Schließlich erhebt sich Claptons virtuose Leadgitarre über ein Fundament aus kraftvollem Rocksound. Der lange Schlusssatz steigert sich immer weiter, bis zu einem überbordenden Rausch, der meilenweit entfernt ist von dem Akustiksong, der While My Guitar Gently Weeps einmal war.


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Zeitsprung: Am 11.1.1967 nimmt die Jimi Hendrix Experience „Purple Haze“ auf.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 11.1.1967.

von Timon Menge und Christof Leim

Im Januar 1967 nimmt Jimi Hendrix Purple Haze auf, eine der bedeutendsten Singles seiner Karriere. Bis heute weiß der Song zu begeistern und darf auf keiner Classic Rock-Zusammenstellung fehlen. Das Stück wirft allerdings auch Fragen auf…

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Hört hier in Are You Experienced rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Für viele Musikliebhaber dürfte Purple Haze den Erstkontakt zur Jimi Hendrix Experience markieren. Zwar veröffentlicht die Gruppe mit Hey Joe bereits einige Monate zuvor ihre Debütsingle, doch erstens handelt es sich dabei nicht um ein Stück aus Hendrix’ eigener Feder, zweitens belegt Purple Haze die Pole Position auf der US-amerikanischen Variante von Are You Experienced, dem ersten Album der Gruppe. Hey Joe läuft erst an dritter Stelle.



Als die Experience den Song am 11. Januar 1967 in den Londoner De Lane Lea Studios aufnimmt, überrascht Hendrix Schlagzeuger Mitch Mitchell und Bassist Noel Redding mit dem neuen Material. „Er kam herein, summte uns die Melodie vor und zeigte Noel alle Akkorde und Übergänge“, erinnert sich Mitchell in einem Interview. „Ich hörte mir alles an und wir legten los. Wir haben drei Versuche gebraucht, wenn ich mich richtig erinnere.“

Der Alptraum einer jeden Haarbürste: Mitch Mitchell, Jimi Hendrix und Noel Redding von der Jimi Hendrix Experience – Pic: MCA/Promo

Der Hendrix-Akkord: ein E7#9. Tut nicht weh, versprochen. – Pic: Drew Von Buseck/Wikimedia Commons

Als der Song im Kasten ist, verfeinern Hendrix und Produzent Chas Chandler ihn zu zweit. Moderne Mehrspurrekorder machen’s möglich. So ergänzt Chandler die Aufnahme um experimentelle Sounds, die er erzeugt, indem er Aufnahmen über einen Kopfhörer abspielt und ihn um das Mikrofon herumbewegt. Das Ergebnis: ein abgefahrener Echo-Effekt, den man so noch nicht kannte. Für das Gitarrensolo kommt erstmals ein Octaver zum Einsatz, den Toningenieur Roger Mayer gemeinsam mit Jimi Hendrix entwickelt habe. Ebenfalls legendär: die Premiere des Hendrix-Akkords, ein E7#9.

Mit ihrer Veröffentlichung am 17. März 1967 tritt die Single eine Welle des Erstaunens los. Der Song stürmt weltweit die Charts, im Fernsehen läuft er rauf und runter. Sogar Beatles-Bassist Paul McCartney, ein früher Unterstützer der Jimi Hendrix Experience, zeigt sich begeistert und veröffentlicht eine erstklassige Rezension im Melody Maker.

Zahlreiche Mythen ranken sich um den Text des Stückes. Auch Hendrix selbst äußert sich diesbezüglich höchst ambivalent. So soll der Song ursprünglich Purple Haze – Jesus Saves heißen. In einem Interview verrät der Gitarrist allerdings, der Text erzähle von einem Traum, in dem er unter Wasser gelaufen sei. Nach Veröffentlichung des Songs liefert behauptet er außerdem, es handele sich um ein Liebeslied. Hendrix-Biograf Harry Shapiro hält für wahrscheinlich, dass es sich bei Purple Haze um ein „Potpourri an Ideen“ handelt.


Bis heute zählt Purple Haze zu den Klassikern der Gitarrenmusik. So landet der Song nicht nur auf Platz zwei der „100 Greatest Guitar Songs Of All Time“ im Rolling Stone, sondern auch auf der Liste „500 Songs That Shaped Rock And Roll“ der Rock And Roll Hall Of Fame. Sogar die Klassikwelt hört hin und interessiert sich für das außergewöhnliche Arrangement. Man darf gar nicht darüber nachdenken, welch großartige Songs das Gitarrengenie Hendrix uns noch hätte bescheren können, wenn er nicht so früh verstorben wäre.

Zeitsprung: Am 18.8.1969 beendet Jimi Hendrix das legendäre Woodstock Festival.

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Zeitsprung: Am 6.1.1984 veröffentlichen Anthrax ihr Debüt „Fistful Of Metal“.

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 6.1.1984.

von Christof Leim und Tom Küppers

Die frühen Achtziger werden gerne zum goldenen Zeitalter des Heavy Metal erklärt. Was dahingehend stimmt, dass Pioniergeist und der frische Wind in der Hartmusikszene einer Band schnell ungeahnte Möglichkeiten eröffnen konnten. Während Slayer und Metallica an der kalifornischen Westküste ihr Unwesen treiben, werden Anthrax in ihrer Heimat New York zur ersten Adresse in der gerade losbrechenden Thrash-Welle.

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Hört hier rein in Fistful Of Metal:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

1981 gründen die zwei Schulfreunde Scott Ian und Dan Lilker eine Band. Sie begeistern sich für Iron Maiden, Motörhead und die „New Wave of British Heavy Metal“, also soll es heftig zur Sache gehen. Wie üblich dauert es eine Weile, bis sich ein halbwegs stabiles Line-up gefunden hat; irgendwann sind Schlagzeuger Charlie Benante, Leadgitarrist Dan Spitz und Sänger Neil Turbin am Start.

Ein erstes, von Manowar-Gitarrist Ross The Boss produziertes Demo bringt 1983 direkt den Plattenvertrag mit dem brandneuen Label Megaforce, das sich gerade anschickt, den legendären Metallica-Einstand Kill ’Em All zu veröffentlichen. Nachdem Anthrax von ihrer ersten Single Soldiers Of Metal noch im gleichen Jahr 3.000 Exemplare unter die Leute bringen können, wartet die Headbangerschaft auf das Debütalbum.

Anthrax in früher Besetzung: Spitz, Bello, Turbin, Benante, Ian

Ende 1983 geht es dann in die Pyramid Studios von Alex Perialas. Kill ’Em All-Produzent Paul Curcio muss aus Zeitgründen absagen, also bietet sich The Rods-Drummer Carl Canedy an. Seine einzige Empfehlung: Er hätte auch mal Bock, eine Band zu produzieren. Ganz einverstanden sind Anthrax mit der Wahl nicht, dafür aber hervorragend eingespielt. Einige der Songs stammen sogar noch aus den Anfangstagen und werden mit entsprechender Routine auf das Band genagelt. Deswegen reichen drei Wochen, um die zehn Songs von Fistful Of Metal einzuhämmern.  

Songs wie Deathrider und das treibende Howling Furies erinnern noch ziemlich deutlich an den klassischen Metal von Iron Maiden und Judas Priest, ansonsten glänzen Anthrax mit unerhörter Energie und Geschwindigkeit. Das Stück Metal Thrashing Mad gerät sogar zum Taufpaten für ein ganzes Musikgenre, weil der Journalist Malcolm Dome vom britischen Kerrang! im Zuge einer Erwähnung dieses Songs erstmalig den Begriff Thrash Metal verwendet. Wie ihre Kumpels Metallica und Exodus beziehen Anthrax ihre Einflüsse aus klassischem Heavy Metal, hochenergetischem Punk Rock und dem neuen Metal aus England. Daraus brauen sie einen neuen, härteren Stil, der anfangs als Speed Metal oder Power Metal bezeichnet wird.

Beim Alice Cooper-Cover I’m Eighteen verzichtet Scott Ian übrigens aus Protest auf eine aktive Teilnahme. Zwar steht er der Idee, einen fremden Song neu aufzulegen, durchaus positiv gegenüber, findet aber diese Auswahl nicht repräsentativ für seine Band. Dan Spitz spielt die Gitarren alleine ein. Der Rest der Aufnahmen verläuft überaus glatt, nur beim Mix müssen sich die Musiker auf Canedy verlassen – und werden enttäuscht. Bis heute zeigt die Band sich unzufrieden mit dem Klang der Platte.



Als Fistful Of Metal am 6. Januar 1984 erscheint, überraschen die Verkaufszahlen alle Beteiligten im positiven Sinne. „Ich hatte die Tape Trader-Szene ganz vergessen“, erklärt Ian Jahre später. Schon das Demo konnte sich in kürzester Zeit durch internationale Tauschringe auf dem ganzen Globus verbreiten. „Es gab deswegen sehr viele Leute, denen wir bereits ein Begriff waren, und die auf unsere Platte gewartet haben.“

Unfassbar bleibt aber das trashige (ohne „h“) Artwork, das die Tradition der Low Budget- Gruselbildchen von Metallica und Slayer weiterführt. „Es ist fürchterlich“, befindet Scott Ian heute. „Die Idee stammt von Neil Turbin, gemalt hat es ein Typ namens Kent Joshpe. Wenn man genau hinguckt, sieht man sogar, dass das zwei linke Hände sind.“ Immerhin gestaltet Joshpe auch das Logo, das die Band heute noch benutzt.

Anthrax liefern hier eine der ersten und damit einflussreichsten Thrash Metal-Platten neben Kill ‘Em All und Hell Awaits (Slayer) ab. Mit Fistful Of Metal haben Anthrax ihren typischen Stil allerdings noch nicht gefunden. Der sollte sich erst mit neuem Sänger Joey Belladonna und neuem Bassisten Frank Bello auf Spreading The Disease (1985) einstellen…


Zeitsprung: Am 23.2.1992 treffen Anthrax auf Al Bundy.

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Zeitsprung: Am 4.1.1984 veröffentlichen Judas Priest ihr „Defenders Of The Faith“.

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"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.1.1984.

von Christof Leim und Tom Küppers

Im Laufe ihrer Karriere haben Judas Priest einige Wandlungen sowie daraus resultierende Höhen und Tiefen durchlaufen. Ihr am 4. Januar 1984 veröffentlichtes Defenders Of The Faith markiert einen dieser Wendepunkte, weil es von einer Ära in eine andere überleitet. Die Briten liefern hier ihr letztes klassisches Achtziger-Album.

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Hört hier in den Judas Priest-Klassiker rein:

Klickt auf „Listen“ für das ganze Album.

Ende der Sechziger fängt die Truppe aus West Bromwich als vergleichsweise konventionelle Rockband an. Auf ihren frühen Alben Rocka Rolla (1974) und Sad Wings Of Destiny zwei Jahre später haben sich schon härtere Gitarren eingeschlichen, mit Sin After Sin von 1977 und vor allem dem Überflieger British Steel (1980) helfen Judas Priest, den Heavy Metal in seine heute bekannte Form zu gießen. Denn da wo sich andere Zeitgenossen wie Led Zeppelin oder AC/DC strikt dieser Klassifizierung verwehren, zelebrieren Judas Priest den Metal mit Lederjacken, Nietenarmbändern und Hymnen wie Metal Gods.

Zwei Jahre später steigen Priest (wie Insider die Band fachmännisch abkürzen) mit Screaming For Vengeance dann in die Riege der Superstars auf. Ein Meisterwerk des Heavy Metal, das nicht nur mit amerikanischem Doppelplatin ausgezeichnet wird, sondern mit You’ve Got Another Thing Comin’ und (Take These) Chains, eine Fremdkomposition von Bob Halligan Jr., zwei Radio-Volltreffer abwirft.


Die Verteidiger des musikalischen Edelstahls: Judas Priest – Pic: Geoff Thomas/CBS


Somit gelingt Priest als einer der ersten Heavy Metal-Bands der Durchbruch in den Mainstream, selbst das legendäre US Festival 1983 kommt nicht ohne das metallische Quintett aus. Doch der Nachfolger steht längst in den Startblöcken: „Damals haben wir beinahe im Jahrestakt neue Platten veröffentlicht“, blickt Sänger Rob Halford irgendwann zurück. Wie man das neben den endlosen Tourneen überhaupt geschafft hat, ist ihm heute rätselhaft. „Aber wenn es mal läuft, dann musst man als Band die Gelegenheit einfach beim Schopfe packen.“

Also begibt sich die Band mit Screaming For Vengeance-Produzent Tom Allom in die Ibiza Sound Studios auf der gleichnamigen spanischen Insel, um ihr neuntes Album Defenders Of The Faith in Form zu gießen. Im Anschluss spielen spielen Judas Priest im Dezember 1983 auf dem legendären Rock Pop In ConcertFestival in der Dortmunder Westfalenhalle und präsentieren die erste Singleauskopplung aus dem kommenden Album: das rasante Freewheel Burning.


Die Besucher hören einen klassischen Metal-Song in allerbester Priest-Manier – offenbar haben die Musiker den eingeschlagenen Kurs ganz zur Freude ihrer Fans nicht verlassen. Als Defenders Of The Faith dann am 4. Januar 1984 schließlich veröffentlicht wird, sind die Kritiker jedoch überwiegend skeptisch; ihnen klingt das Ganze dem Vorgänger viel zu ähnlich. Und spätestens ab hier lässt sich vortrefflich über dieses Thema debattieren.



Oberflächlich betrachtet nutzen Priest tatsächlich die gleiche Formel: Die Refrains sind griffig und zum Mitsingen geeignet, die Riffs hart und metallisch, gelegentlich wird sogar auf frühes Speed Metal-Tempo beschleunigt. Mit Some Heads Are Gonna Roll ist auch wieder ein Titel von Bob Halligan, Jr. vertreten. Warum etwas ändern, wenn es gut läuft? Auf der anderen Seite lässt sich anführen, dass die Band nun ihren Stil etabliert hat und lediglich verfeinert, kurzum: dass Judas Priest nun mal genau so klingen. Doch damit enden die Gemeinsamkeiten zwischen Screaming und Defenders auch schon.

Denn zum einen verpasst Tom Allom den neuen Songs einen etwas glatteren Sound als bisher, der schon die kommende Turbo-Ära andeutet, mit der sich Priest ab 1986 aufgrund klanglicher Änderungen bei manchen Fans in die Nesseln setzen werden. Zum anderen fehlt 1984 ein Single-Überflieger wie You’ve Got Another Thing Comin’. Allerdings ist Defenders Of The Faith als Gesamtkunstwerk ziemlich eindrucksvoll gelungen. In den Charts macht das fast keinen Unterschied, Judas Priest gehören nach wie vor zu den Zugpferden im Metal-Zirkus. In Deutschland schafft es die Platte auf Platz 21.

Ein Artwork fällt doch ein bisschen aus dem Rahmen: Die Single “Love Bites”.

Auf der Platte finden sich gleich mehrere Priest-Klassiker, etwa The Sentinel und Jawbreaker. Für eine mittelschwere Kontroverse sorgt dann Eat Me Alivedas die Initiative PMRC in ihre „Filthy Fifteen“-Liste mit 15 ihrer Meinung nach jugendgefährdenden Musiktiteln aufnimmt. Anführerin Tipper Gore, Ehefrau des späteren US-Vizepräsidenten Al Gore, behauptet gar, Judas Priest würden in diesem Lied mit gezogener Waffe erzwungenen Oralsex propagieren. Dass sich sein Song mit dem Thema Sex befasst, streitet Rob Halford gar nicht erst ab. Er gibt aber zu bedenken, das alles sei so überzeichnet, das der parodistische Charakter des Textes doch klar erkennbar sein sollte.



Kurz nach Erscheinen der Platte begeben sich Priest auf die achteinhalb Monate andauernde Metal Conqueror-Tour, auf der alle neuen Songs live gespielt werden – mit Ausnahme von Eat Me Alive. Das holen Judas Priest erst 2008 nach. Im Anschluss an die Konzerte legt die Band dann erstmal eine einjährige Bühnenpause ein. Ihren Platz auf dem Olymp des klassischen Heavy Metal haben sie da schon verdient.

Rob Halford, K.K. Downing und Glenn Tipton am 3. Februar 1984 im spanischen San Sebastián – Pic: Fernando Catalina Landa/Wiki Commons

Zeitsprung: Am 16.7.1990 stehen Judas Priest wegen versteckter Botschaften vor Gericht.

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