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Popkultur

Am 9.4.1964 wird bei The Who ein Hocker frei — für Keith Moon

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 9.4.1959.

von Christof Leim und Timon Menge

 

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The Who ohne Keith Moon? Das dürften sich die meisten Musikfans kaum vorstellen können. Tatsächlich übernimmt die unzähmbare Trommelmaschine den Posten aber erst, als es zwischen Gründungsschlagzeuger Doug Sandom und Gitarrist Pete Townshend zum Debakel kommt. Sandom räumt im Streit seinen Hocker — und Moon schreibt mit der Band Rockgeschichte.

Hört hier in die besten Songs von The Who rein:

Als Sandom der Gruppe 1962 beitritt, heißen The Who noch gar nicht The Who, sondern The Detours. Zwei Jahre später benennen sich die Briten allerdings um, weil der Name bereits existiert. Kurz danach werden die jungen Wilden von Vertretern einer Plattenfirma entdeckt, am 9. April kommt es zu einer Audition. Für Sandom markiert der Termin das Ende seiner Laufbahn mit der Band. Der Grund: Beim „Vorstellungsgespräch“ lässt sein Schlagzeugspiel zu wünschen übrig.

In einem Interview mit dem britischen Express gibt Sandom später zu Protokoll, seine Frau habe damals großen Druck auf ihn ausgeübt, weil er so viel Zeit mit der Band verbracht habe. Der Schlagzeuger ist zu jener Zeit bereits deutlich älter als seine Bandkollegen und hat Wurzeln geschlagen; ständige Gigs passen nicht ins Muster (was an die Geschichte des zeitweiligen Beatles-Trommlers Tommy Moore erinnert). Bei der Audition sei er deshalb mürrisch gewesen. Als Gitarrist Pete Townshend Sandoms Unvermögen offen kritisiert, kommt es zur Eskalation, die beiden prügeln sich sogar. (Das passiert bei The Who übrigens nicht zum letzten Mal.) Die Konsequenz: Die Band sucht einen neuen Trommler.

via GIPHY

Den Zuschlag erhält Keith Moon, über den Townshend später schreibt: „Hätten wir damals 1964 mit Doug am Schlagzeug weitergemacht, wären wir wahrscheinlich nicht so erfolgreich geworden. Keith kannte sich mit Publicity aus und war ein sehr exzentrischer Performer.“ Dennoch räumt er ein: „Ich habe keinen Zweifel daran, dass ich als junger Mann glücklicher gewesen wäre, wenn wir Doug in der Band behalten hätten. Ich denke, dass wir dann weiterhin die Musik und die Freundschaft an erste Stelle gesetzt hätten. Das war einfach Dougs Stil. Mit ihm als Freund hätte ich ein besserer Mensch sein können.“ Denn man kennt Keith Moon nicht nur für sein hervorragendes Schlagzeugspiel, sondern auch für seine Drogeneskapaden, denen sich Townshend bisweilen anschließt, wenn auch nicht ganz so exzessiv.

Auch für den Streit mit Sandom gibt sich der Gitarrist im Nachgang einen großen Teil der Schuld, wie er in seiner Autobiografie Who I Am schreibt: „Doug hat das alles tief verletzt, weil er, was ich nicht wusste, mich nur wenige Monate zuvor in Schutz genommen hatte, damit ich nicht aus der Band fliege. Damals hatte ein anderer Plattenfirmenvertreter geäußert, ich sei schlaksig, laut und hässlich.“

Am 27. Februar 2019 stirbt Doug Sandom kurz nach seinem 89. Geburtstag. Dem Drumkit bleibt er bis zum Schluss treu, wenn auch nicht mehr so leidenschaftlich wie in jungen Jahren. So räumt er laut Ultimate Classic Rock im Alter von 84 Jahren ein: „Das Schlagzeug steht am Fußende meines Bettes, und ich gebe ihm jeden Abend vor dem Schlafengehen einen Kuss. Es stand schließlich auf der Bühne als wir die Vorgruppe für die Rolling Stones, die Searchers, Wayne Fontana And The Mindbenders und Eric Claptons Yardbirds waren.“ Seine alten Kollegen widmen ihm einen Nachruf, den ihr hier sehen könnt.

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Zeitsprung: Am 2.12.1973 landen The Who im Gefängnis.

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Popkultur

5 Songs, die jeder Fan von Donna Summer kennen sollte

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DONNA SUMMERS
Titelfoto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Als „Queen Of Disco“ hat sie uns während ihrer jahrzehntelangen Karriere gleich mehrere Songs für die Ewigkeit geschenkt. Diese fünf Tracks von Donna Summer stechen besonders heraus.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Hits von Donna Summer anhören:

5. I Feel Love (1977)

Als Donna Summer und ihre beiden Produzenten Giorgio Moroder und Pete Bellotte im Oktober 1976 die Arbeit an Summers fünftem Album I Remember Yesterday aufnehmen, schwebt dem Trio ein Konzept vor. Jeder der Songs auf der Platte soll für eine musikalische Dekade stehen, ob die Swing-lastigen Vierziger oder die funkigen Siebziger. Mit dem letzten Stück I Feel Love möchten die Drei einen Blick in die Zukunft riskieren. Ob der Moog-Synthesizer, Summers apathischer Gesang oder der monotone Rhythmus: Tatsächlich klingt das Stück verdächtig nach 1980, obwohl der Song bereits 1977 erscheint. Die Redaktion der Financial Times spricht in einem Artikel von 2016 sogar von „einer der einflussreichsten Aufnahmen aller Zeiten“. Brian Eno habe 1977 zu David Bowie gesagt: „Diese Single wird die Club-Musik für die nächsten 15 Jahre verändern.“ Zweifelsohne dürfte Summer mit I Feel Love großen Einfluss auf die elektronische Tanzmusik genommen haben.

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4. Last Dance (1978)

Auch mit dem Song Last Dance verändert Summer die Disco-Musiklandschaft. So baut Produzent Bob Esty zum Beispiel zwei balladeske Parts in die Nummer ein. „Soweit ich weiß, wurde das in einem Disco-Track vorher noch nie gemacht“, erzählt er 2010 in einem Interview. Den Credit für die Änderungen sackt allerdings Songschreiber Paul Jabara ein, der den Song ursprünglich komponiert hatte. Außerdem kassiert Jabara einen Golden Globe sowie einen Grammy. Und nicht nur das: „Er nahm auch den Oscar entgegen“, so Esty. „Dadurch habe ich eine bittere Lektion gelernt.“ Der Oscar kommt zustande, weil der Song Last Dance ein wichtiger Bestandteil des US-amerikanischen Musikfilms Gottseidank, es ist Freitag von 1978 ist. Um eine Hollywood-Sternstunde handelt es sich bei dem Streifen zwar nicht, doch Donna Summers Performance am Ende des Films kann sich mehr als nur hören und sehen lassen.

3. Hot Stuff (1979)

„Lookin’ for some hot stuff, baby, this evenin’ / I need some hot stuff, baby, tonight“! Ob in den Siebzigern aufgewachsen oder nicht: Diese Zeilen aus dem Donna-Summer-Song Hot Stuff von ihrem siebten Album Bad Girls hat wohl jeder schon einmal gehört. Mit dem Stück unternimmt Summer im Jahr 1979 ihre ersten Ausflüge in den Rock-Bereich und landet damit nicht nur zuhause in den USA auf Platz eins der Singlecharts, sondern auch in Australien, Kanada und der Schweiz. Zu den Komponisten des Stücks gehört unter anderem der Münchner Harold Faltermeyer, der im Lauf seiner Karriere mit Größen wie Donna Summer, Patti LaBelle, Glenn Frey und Billy Idol zusammenarbeitet und Soundtracks für zahlreiche Hollywood-Filme schreibt, wie zum Beispiel Beverly Hills Cop und Top Gun. In manchen Clubs läuft Hot Stuff heute noch, mehr als 40 Jahre nach der ersten Veröffentlichung.

2. Bad Girls (1979)

Auf die Idee für den Titeltrack ihres siebten Albums kommt Donna Summer durch einen unangenehmen Zwischenfall. Ein Polizeibeamter hält eine der Assistentinnen der Disco-Queen für eine Prostituierte und geht die junge Dame dafür aufs Übelste an. „Bad girls / Talking ‘bout the sad girls“, singt Summer später und beschäftigt sich im Text des Stücks sehr offen mit dem Thema Prostitution. Das Ergebnis: ihr größter Hit neben Hot Stuff. Ganze fünf Wochen belagert Summer mit Bad Girls den ersten Platz der US-Singlecharts, in sieben weiteren Ländern reicht es immerhin zur Top Ten. Die Textstelle „Toot Toot! Ah! Beep Beep!“, leiht sich Summer von Joe Cuba, dem „Father Of Latin Boogaloo“. Als der Musiker seinen Song Bang Bang für ein Schwarzes Publikum spielt, reagieren die Zuschauer*innen nämlich mit Rufen auf Cubas Riffs und beteiligen sich auf diese Weise selbst an der Show.

1.  On The Radio (1979)

Genau wie bei Last Dance, handelt es sich auch bei On The Radio um einen Soundtrack-Beitrag zu einem Film. Dieses Mal heißt der Streifen Jeanies Clique und erzählt die Geschichte der vier weiblichen Teenager Jeanie, Annie, Madge und Deirdre, die gemeinsam durch dick und dünn gehen. Das Leben der Vier hat nicht allzu viel zu bieten, also feiern sie ihren Frust einfach gemeinsam weg. Filmkritiker Roger Ebert von den Chicago Sun-Times bezeichnete den Streifen als „ambitionierten Film“, für den Drehbuchautor Gerald Ayres sorgfältig recherchiert habe. „Der Film ist einer der seltenen Versuche, ein Porträt der Art und Weise zu zeichnen, wie Teenager in Vorstadtkulturen heute wirklich leben“, so Ebert. Donna Summer und Produzent Giorgio Moroder liefern mit On The Radio den perfekten Song dazu, der sicher auch davon lebt, dass Summer genau wusste, welches Gefühl es für Jeanies Clique einzufangen galt.

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10 Soul-Empfehlungen für den Einstieg

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Platten

Motown: Die 15 wichtigsten Songs aus der legendären Hitfabrik

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Motown

Gespeist aus einem gewaltigen Backkatalog, der Jahrzehnte umspannt, haben die größten Hits aus dem Hause Motown nicht nur eine Ära definiert: Sie sind dermaßen zeitlos, dass sie längst als Inbegriff des „Classic Pop“ gelten müssen. Dass Berry Gordy es geschafft hat, sein unabhängiges Soul-Label aus Detroit zu einer der bekanntesten Musikadressen der Welt zu machen, ist an sich schon bemerkenswert. Dass die bei Motown veröffentlichten Titel auch nach so langer Zeit zu den bekanntesten und mitreißendsten Aufnahmen der Musikgeschichte zählen, unterstreicht, was für ein einzigartiges Gespür Mr. Gordy hatte. Die 15 Titel, die nun folgen, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs.

von Ian McCann

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15. I Want You (Marvin Gaye)

Das Verlangen überwältigt Marvin Gaye im Verlauf des Titelsongs seines I Want You-Longplayers aus dem Jahr 1976. Produziert von Leon Ware, der außerdem Co-Autor ist, kann sich dieser Song mitunter sogar fast schon zu intim anfühlen, sollte man gerade nicht in Stimmung sein – doch wer bitte ist schon nicht in Stimmung, wenn Mr. Gaye loslegt?

14. Heaven Must Have Sent You (The Elgins)

Die vom Hitmaker-Trio Holland-Dozier-Holland komponierte und produzierte Single sollte für The Elgins der einzige wirklich große Hit bleiben – dabei hätten ihre Ausnahmestimmen deutlich mehr Erfolge verdient. Doch 1966 ein Top-50-Titel in den Staaten, mussten sie auch noch fünf Jahre warten, bis ihr Hit in England die Top-3 knackte. Trotzdem: Auch musikalisch ganz klar ein Geschenk des Himmels!

13. Just My Imagination (Running Away With Me) (The Temptations)

Eine verträumte – genauer: tagträumerische – Ballade, die zugleich als Abschiedsgeschenk von Eddie Kendricks an The Temptations fungierte. Was als Geschichte von einem verblendeten Schwärmer beginnt, verwandelt Kendricks in einen Traum aller Fans. Außerdem war’s ein Abschiedsgruß an den Kollegen Paul Williams, der 1971 aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste.

12. Reach Out I’ll Be There (Four Tops)

Der Monsterhit der Four Tops aus dem Jahr 1966. Levi Stubbs aktiviert jeden Muskel, spannt jede Sehne, belastet seine Stimmbänder aufs Äußerste, um allen Zuhörenden klarzumachen, dass er bereit wäre, sie zu fangen, sollten sie denn einmal fallen. Was für ein Typ. Was für ein Track.

11. My Guy (Mary Wells)

Die etwas wehklagend wirkende Sirene zu Beginn markiert den Auftakt zu jenem Song aus dem Jahr 1964, der damals wie eine Bombe einschlug. Von Smokey Robinson komponiert, war der Song für Mary Wells hinterher auch der größte Motown-Hit – denn wenig später verabschiedete sie sich nach vielen Jahren vom Label. Auch heute klingt der Song immer noch so klar und lebendig wie vor gut 50 Jahren.

10. My Girl (The Temptations)

Die Antwort auf My Guy (Mary Wells) schrieb Smokey mit My Girl: Der nächste große Wurf, der gerade durch das reduzierte Gitarrenspiel von Robert White so unwiderstehlich wird, weil das Motiv so grandios mit David Ruffins Gesang harmoniert. Zärtlich und dabei doch lebhaft, darf dieser Titel als inoffizielle Hymne und Erkennungsmelodie der Temptations gelten.

9. Sir Duke (Stevie Wonder)

Mit seiner Verneigung vor jenen Swing-Jazz-Ikonen, die ihn als Kind inspiriert hatten, lieferte Stevie Wonder im Jahr 1976 einen dermaßen ausgelassenen Titel ab, dass man fast meinen könnte, „Sir“ Duke Ellington persönlich habe ihn eingespielt – nur klang die Single dafür dann doch einen Tick zu funky! Ein großer, fröhlicher, überschwänglicher Platz-1-Kandidat im Jahr 1977.

8. Stop! In The Name Of Love (The Supremes)

Schluss mit den Spielchen, Junge! Denn The Supremes wissen ganz genau, was du da treibst – und der dazugehörige Song funktioniert als Bitte um Besserung und als unüberhörbarer Warnschuss zugleich. Allein wie die charmanten Damen das Wörtchen „charms“ benutzen! Also wenn diese Message nicht bei ihm ankommt, dann kann er nur ein seelenloses Wesen sein. Oder taub.

7. The Tracks Of My Tears (The Miracles)

Noch so ein miracle von Smokey: Dieses vertonte Geständnis war 1965 ein Top-10-Hit in den USA – hätte aber noch deutlich höher in den Charts klettern müssen. Das Problem: Die Dinge sind nicht immer so, wie es scheint. Ein Thema, das er auch mit Tears Of A Clown umkreisen sollte. Sein Leid ist der Stoff für ein Lied, das man nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

6. I Want You Back (Jackson 5)

Die Jungs aus Gary, Indiana drehten mal so richtig auf für ihre erste Tamla-Veröffentlichung: Wie eine Kreuzung aus ganz, ganz jungen Sly And The Family Stone mit den Temptations im Teenager-Alter wirkte das. Veröffentlicht 1969, ganz oben in den Charts im Jahr drauf: Es war die Geburtsstunde eine Legende.

5. What Becomes Of The Brokenhearted (Jimmy Ruffin)

Auch der Bruder des Temptations-Sängers ergriff seine Chance bzw. das Mikrofon: Hier präsentiert er eine eher düstere Geschichte aus dem Land der Verlassenen und Einsamen. Von Anfang an beliebter bei den Briten und Britinnen als in den USA, schaffte es die Single doch immerhin auf Platz 7 der US-Charts. Kein Wunder bei so viel Soul.

4. I Heard It Through The Grapevine (Marvin Gaye)

Marvin Gaye war nicht der erste, der I Heard It Through The Grapevine aufgenommen hat. Auch nicht der erste, der damit die Charts eroberte, denn das hatten vor ihm schon Gladys Knight And The Pips übernommen. Trotzdem ist seine Version, gedrosselt und eindringlich, diejenige, die zum Klassiker werden sollte. Die Single war riesengroß im Jahr 1968. Und sie ist es heute noch.

3. Papa Was A Rollin’ Stone (The Temptations)

Auch diesen Song hatten Undisputed Truth schon im Jahr zuvor eingespielt, aber erst The Temptations machten ihn 1973 zum Mega-Hit. Man sagt, die Bandmitglieder hätten sich zunächst nicht wirklich wohl damit gefühlt, dermaßen abfällig über ihre Papas zu reden – schließlich waren die Väter allesamt ganz anständige Leute. Pure Fiktion also, und fantastisch eingängig verpackt.

2. Someday We’ll Be Together (Diana Ross And The Supremes)

Mit dieser Version des Johnny And Jackey-Duetts aus dem Jahr 1961 verabschiedete sich Diana Ross von den Supremes: Passend dazu klingt der Song denn auch nach Resignation und Hoffnungsschimmer zugleich. Das Arrangement ist dem Original überraschend ähnlich; verantwortlich dafür war Johnny Bristol persönlich, der Johnny also von Johnny And Jackey. Ironisch daran ist vor allem, dass die Supremes genau genommen gar nicht mitsingen. Denn man hört nur Diana Ross, deren Stimme von Mr. Bristol immer höher und höher getrieben wird.

1. Ain’t No Mountain High Enough (Marvin Gaye & Tammi Terrell)

Die Bergspitze des Sixties-Pop, einer der größten Soul-Tracks aller Zeiten, und für viele Menschen auch ganz klar: der Höhepunkt der Motown-Ära. Der von Ashford & Simpson komponierte Song vereint Gospel-Wurzeln mit himmlischem Soul – in einem Arrangement, das sich aus seichten Tälern bis in luftige Höhen erhebt. Marvin und Tammi klangen nie besser als hier, weder zusammen noch als Solokünstler. So leidenschaftlich. So ambitioniert.

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Motown Records: Vom Party- zum Protest-Sound einer ganzen Generation

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Zeitsprung: Am 16.5.2010 verstirbt der große Ronnie James Dio.

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Foto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

"Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 16.5.2010.

von Frank Thießies und Christof Leim

Am 16. Mai 2010 verstummt eine der größten Stimmen des Hard Rock und Heavy Metal: Ronnie James Dio erliegt im Alter von 67 Jahren einem Magenkrebsleiden. Mit den Bands Rainbow, Black Sabbath und seiner eigenen Formation Dio hat der Sänger beide Genres über Jahrzehnte hinweg mit seinem Göttergesang geprägt wie kaum ein anderer. Ganz zu schweigen von der Einführung einer szenetypischen Handgeste und einem Faible für Fantasy-Texte….

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Hier könnt ihr euch Dios größte Solohits in der Livefassung anhören:

Auf die Welt kommt Ronald James Padavona am 10. Juli 1942 in Portsmouth, New Hampshire, seine Kindheit verbringt er in Cortland, New York. Zur Musik kommt der Junge zunächst durch eine klassisch orientierte Ausbildung an der Trompete. Bass und seine legendäre Kernkompetenz, der Gesang, gesellen sich erst später zu seinem Repertoire. Zunächst verfolgt er seinen Musikertraum in Schultanzkapellen und später in diversen Rock’n’Roll-Gruppierungen, ab 1960 gibt es sich den Mafioso-inspirierten Künstlernachnamen Dio. 


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Von Elfen und Trompeten

Anfang der Siebziger wird es dann wirklich ernst. Im August 1972 veröffentlich Dio mit seiner langjährigen Band Elf den ersten gleichnamigen Langspieler, der noch irgendwo zwischen Blues und Pub-Rock pendelt. Trotz Deep Purple als prominenten Paten und Unterstützern bringen Elf zwar auf drei Platten, schaffen den großen Durchbruch aber nicht. Dafür ist Deep-Purple-Gitarrist Ritchie Blackmore derart von Dio begeistert, dass er den Sänger und den Rest von Elf (minus den Gitarristen) als Begleitmusiker für seinen ersten Albumalleingang Ritchie Blackmore’s Rainbow (1975) engagiert – und nach dem Ausstieg bei Deep Purple zu seiner neuen Soloband macht. Im Verlauf von drei gemeinsamen Alben, unter dem verkürzten Namen Rainbow (etwa Long Live Rock’n’Roll  und On Stage) finden Dios Ausnahmestimme und seine Leidenschaft für Drachen und andere Fantasyfiguren ihre hart rockende Spielwiese.

Mit dem als schwierig geltenden Blackmore kommt es 1979 jedoch zum Streit. Als glückliche Fügung gestaltet es sich, dass Black Sabbath just ihren Sänger Ozzy Osbourne rausgeworfen haben und ihr Gitarrist Tony Iommi mit Dio bereits bekannt ist und zusammenarbeiten möchte. Die neu geschmiedete stählerne Allianz entfacht mit dem 1980 erscheinenden künftigen Klassiker Heaven And Hell nicht nur einen gehörigen kreativen Funkenschlag, sondern schafft es auch, die seit Ende der Siebziger stilistisch und qualitativ strauchelnden Black Sabbath für eine neue metallische Dekade fit und gleichermaßen relevant zu machen. 

Die Pommesgabel

Während seiner Zeit mit Black Sabbath bringt Dio auch (s)ein ultimatives metallisches Markenzeichen ins Spiel. Die sogenannte „mano cornuta“, italienisch für „gehörnte Hand“, und heute gemeinhin als „Pommesgabel“ bekannt, wird schnell zum neuen Heavy-Metal-Wahrzeichen und globalen Erkennungsgruß unter der wachsenden Krachmusikgemeinde. Musikalisch und menschlich leben sich der Sänger und Black Sabbath jedoch schneller auseinander, als es den (neuen) Fans lieb ist. Nach lediglich zwei Studio- und einem Livealbum geht man – zunächst – wieder getrennter Wege. 

Dio gründet im direkten Anschluss mit Schlagzeuger Vinny Appice, Gitarrist Vivian Campbell und Bassist Jimmy Bain die Band, die seinen Namen trägt. Deren Debüt Holy Diver gerät 1983 zum gefeierten Erfolg und bildet den Grundstein einer Solokarriere, die vom Zweitwerk The Last In Line (1984) bis zur 2004er-Veröffentlichung Master Of The Moon zehn Studioalben umfasst. Insbesondere in den Achtzigern sind Dios Songs nicht nur für alle Tolkien-Jünger und Rollenspiel-Fans ein Traum. Vielmehr gestaltet der Sänger mit wechselnden musikalischen Mitstreitern das Bild vom hymnischen Achtziger-Metal maßgeblich mit und stellt zudem die Weichen für das Schwertschwinger-affinste Subgenre: Power Metal.

Himmel und Hölle

An die Erfolge der fruchtbaren Symbiose mit dem Black-Sabbath-Lager kann der grazile Mann mit der großen Stimme ebenfalls noch zwei Mal anknüpfen. Zunächst kreuzen sich die Wege von Dio, Schlagzeuger Vinny Appice und der Hälfte der Sabbath-Urbesetzung aus Tony Iommi und Geezer Butler für das gemeinsame Black-Sabbath-Album Dehumanizer im Jahre 1992 erneut. 2009 erlebt dieselbe Konstellation mit der Platte The Devil You Know unter dem neuen Bandnamen Heaven & Hell einen zweiten Frühling. Gefeierte Tour- und Festivalauftritte wie etwa der vom Wacken Open Air 2009 (welcher sich nachträglich als letzter Auftritt von Ronnie James Dio auf dem europäischen Festland entpuppen wird) lassen einen neuen Lauf für die Formation erhoffen. 

Rest in peace: Ronnie James Dio – 1942-2010. Foto: Gene Kirkland/Warner/Promo

Dann kommt die verheerende Krebs-Diagnose. Bis zum Schluss plant der Erkrankte eine baldige Rückkehr auf die Bühne und bucht Termine mit Heaven & Hell um. Doch am 16. Mai 2010 erliegt er schließlich im Alter von 67 Jahren seinem Krebsleiden. Ein Tag, an dem die Welt des Metal und der Musik allgemein kollektiv trauert. Gedenkaktionen wie etwa die Umbenennung von Festivalbühnen zu Ehren des Meisters sind in Folge an der Tagesordnung, ebenso Tribute-Bands oder einfach neue Zusammenschlüsse von ehemaligen Weggefährten, etwa in Last In Line oder Dio Disciples. Sogar als Hologramm erfährt Dio inzwischen gelegentlich seine Wiederauferstehung auf der Bühne, was ihn auf Augenhöhe mit anderen toten Projektionsstars wie Elvis, Roy Orbison oder Tupac Shakur erhebt, die Fans aber auch polarisiert. Die Dinge gestalten sich eben komplizierter, wenn man schon zu Lebzeiten eine Lichtgestalt ist… 

Zeitsprung: Am 17.4.1980 feiern Black Sabbath mit Dio Premiere – in Ostfriesland.

 

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