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Popkultur

Zeitsprung: Am 4.2.1948 kommt Alice Cooper zur Welt. So viele Geschichten…

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Anekdoten, Jubiläen und wilde Geschichten: Was an diesem Tag in der Welt der Musik passiert ist, lest ihr täglich in unserem Zeitsprung. Heute: 4.2.1948."

von Christof Leim

Der große Alice Cooper – Schocker Nr. 1 und wandlungsfähigster aller Rockstars – feiert am 4. Februar Geburtstag. Und der Mann macht keine Anstalten, sich zur Ruhe zu setzen. Seit sage und schreibe fünf Dekaden (!) erfreut er uns mit theatralischen Shows, Horrorgeschichten und vor allem mit hervorragender Krachmusik. Alice Cooper hat alles gesehen: Die abgedrehten Sechziger, exzessiven Siebziger und künstlichen Achtziger, die Verklemmtheit der Moralapostel und die Dekadenz des Rock’n’Roll. Himmel, der Mann hat Platten aufgenommen, an die er sich selbst nicht mehr erinnern kann. Er hat sich auf der Bühne köpfen lassen, mit Schlangen hantiert und eine ganze Latte an unsterblichen Hits produziert. Wir sagen: Happy Birthday, Alice, du Lieblingsfreak!

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Dreht hier Alice Cooper auf und lest weiter:

Über Alice Cooper kann man Tausende Geschichten erzählen. Suchen wir uns die besten aus: Eigentlich heißt er ja Vincent Damon Furnier. Geboren wurde er am 4. Februar 1948 in Detroit geboren, und zwar als Sohn eines Pfarrers. Aus seiner ersten Krachkapelle, gegründet mit 16, wird über Umwege Alice Cooper. So heißt verwirrenderweise nicht nur die Band, sondern auch ihr Sänger. Im Song Be My Lover singt er Jahre später: „She asked me why the singer’s name was Alice/ I said listen, baby, you really wouldn’t understand.“

Zappa ist schuld

Den ersten Plattenvertrag bekommt Alice Cooper (die Band) von niemand Geringerem als Frank Zappa, weil der für sein Label Straight Records bizarre Musik sucht. Und „bizarr“, ja, das können die Jungs, denn ihre Songs klingen Ende der Sechziger abgedreht, theatralisch und ziemlich weit draußen. Angeblich hat Zappa die Musiker für „um sieben Uhr“ für ein Vorspiel zu sich bestellt. Als die fünf Zottel morgens (!) um sieben klingeln, zeigt sich der Altmeister beeindruckt: Wer so früh solchen Lärm machen will, besitzt Ehrgeiz. Die ersten Alben für Zappa heißen Pretties For You (1969) und Easy Action (1970) und schlagen beide keine großen Wellen.

Zeitsprung: Am 9.3.1971 erscheint „Love It To Death“ von Alice Cooper.

Dafür wird die Bühnenshow zusehends abgefahrener, so dass die Medien Notiz nehmen. Während alle von „Peace & Love“ singen, interessieren sich Alice Cooper für „Spaß, Sex, Tod und Geld“. Den ersten richtigen Hit kennt jeder: I’m Eighteen. Die Nummer stammt vom Album Love It To Death von 1971 und ist ein Evergreen der Rockwelt. Im gleichen Jahr erscheint Killer und sorgt für Skandale, auf der Bühne lässt sich Alice auf einem elektrischen Stuhl hinrichten.

Gratiswerbung durch Empörung

Mit School’s Out geht es 1972 dann ab: Die Platte verkauft sich dank des Titelsongs millionenfach. Die britische Moralaktivistin Mary Whitehouse will das Video dazu verbieten lassen, weswegen die Single prompt auf Platz eins in Großbritannien landet. Alice Cooper bedankt sich mit einem Blumenstrauß für die Extrawerbung. (Mary Whitehouse wird übrigens auch im Deep Purple-Song Mary Long besungen.) Zu Billion Dollar Babies (1973) gibt es geköpfte Babypuppen auf der Bühne, und wieder regen sich alle auf. Dafür kann der griffige Classic Rock kommerziell ordentlich punkten. Nach Muscle Of Love (ebenfalls 1973) bricht die Alice Cooper Band allerdings auseinander.

By Hunter Desportes [CC BY 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Alice Cooper nutzt den Namen fortan als Solokünstler und veröffentlicht das Konzeptalbum Welcome To My Nightmare (1975), das auf den Alpträumen eines Kindes namens Steven basiert. Der Horrorfilm-Star Vincent Price fungiert als Erzähler, die Bühnenshow wird noch theatralischer. So gibt es zum Beispiel einen zweieinhalb Meter hohen Zyklopen, der den Sänger allabendlich köpft. Legendär ist natürlich der Auftritt in der Muppet Show.

Zeitsprung: Am 28.3.1978 besucht Alice Cooper die „Muppet Show“.

Zu viel Schnaps

Für Lace And Whiskey (1977) nimmt Cooper die Rolle des Privatdetektivs Maurice Escargot an. Der hat ein Alkoholproblem. Der echte Alice aber auch, und zwar so richtig. Angeblich konsumiert er pro Tag ein, zwei Kistchen Budweiser und eine Flasche Whiskey. Im berüchtigten Rainbow Bar & Grill auf dem Sunset Strip tagt er regelmäßig mit einem Säuferclub, den er Hollywood Vampires nennt. Mit dabei sind John Lennon, Ringo Starr und der legendäre Schluckspecht Keith Moon. Heute spielt Cooper mit Joe Perry (Aerosmith) und Johnny Depp (ja, der Schauspieler) in einer Coverband namens Hollywood Vampires.

Zeitsprung: Am 5.6.1977 gibt es einen Todesfall bei Alice Cooper – wegen einer Ratte.

Bei seinen Bühnenshows hantiert der Meister damals schon gerne mit Schlangen. Als eine im Sommer 1977 verstirbt, hält Cooper sogar Auditions für tierische Nachfolger. Für From The Inside (1978) wird Alice Cooper nochmal trocken, aber in den Achtzigern stürzt er ab: An gleich vier Platten von 1980 bis 1983 kann sich unser Mann nach eigenen Aussagen nicht erinnern. Und so klingen sie auch. Wer das mal nachschlagen will: Die Platten heißen Flush The Fashion, Special Forces, Zipper Catches Skin und DaDa. Aber Vorsicht, das ist kein leichter Stoff.

Zeitsprung: Am 25.8.1982 kann sich Alice Cooper nicht an sein neues Album erinnern.

Muskeln & Slasher-Filme

So langsam macht die Leber schlapp, also zieht Alice Cooper Mitte der Achtziger erfolgreich einen Entzug durch. Dekaden später scherzt er mit (ausgerechnet) Ozzy Osbourne darüber, dass er jetzt so langsam nüchtern wird. Musikalisch kehrt er 1986 fulminant mit Constrictor zurück, das sich sehr am toupierten Hard Rock der Zeit orientiert. An seiner Seite steht Kane Roberts, der aussieht wie Conan, der Barbar und eine Maschinengewehr-Gitarre spielt. Hach, die Achtziger, herrlich.

Zu dieser Zeit beginnt auch Coopers Affäre mit den damals populären Slasher-Filmen wie Friday The 13th und Nightmare On Elm Street. Mit He’s Back (The Man Behind The Mask) singt Alice sogar einen Song über den Killer Jason Voorhees aus Friday the 13th Part VI: Jason Lives. Die Horrorfilm-Ästhetik findet sich wieder in der Tourproduktion zu Raise Your Fist And Yell (1987), weswegen es in England und Deutschland Ärger und teilweise Zensur gibt. In London entgeht Cooper nur knapp dem Tod, als der Trick mit dem Galgen um ein Haar schief geht.

Zeitsprung: Am 7.4.1988 hängt sich Alice Cooper beinahe selber auf.

Platinregen

Mit Trash schießt Cooper 1989 dann durch die Stratosphäre. Die Platte verkauft sich dank der Megasingle Poison millionenfach. Musikalisch klingt das alles wie der Hard Rock der Zeit, also nach Bon Jovi, Aerosmith und Kiss. Was vielleicht daran liegt, das alle die gleichen Songwriter nutzen, vor allem Desmond Child. (Die Post, die der Mann von der GEMA bekommt, würden wir gerne mal sehen.) Damals ist natürlich auch Stammgast auf MTV. Auf Hey Stoopid (1991) trifft sich die A-Liga der Szene: Slash, Ozzy, Joe Satriani, Steve Vai und Nikki Sixx spielen, singen und schreiben alle mit. Coopers Kurzauftritt im Film Wayne’s World geht in die Rock-Folklore ein: „Wir sind unwürdig!“

Die Neunziger lässt Alice Cooper in Sachen Alben locker angehen, tourt aber weiter weltweit. Zwischen 1994 und 2017 veröffentlicht er acht weitere Platten, die sehr unterschiedlich ausfallen. Von einem comichaften Konzeptwerk (The Last Temptation, 1994) über düsteren Industrial-Metal (Brutal Planet, 2000) bis zu buntem Spaßrock (Dirty Diamonds, 2005 und Welcome 2 My Nightmare, 2011) ist alles dabei. Lobenswert, denn das hält die Sache interessant. 2017 erscheint das gelungene Paranormal, mit dem Cooper an seine Siebziger-Phase anknüpft und sogar teilweise von seiner ursprünglichen Band begleitet wird; 2021 folgt Detroit Stories.

Und sonst so? Alice Cooper ist ein leidenschaftlicher Golfer und gilt als Gentleman. Seit 1976 (!) führt der gläubige Christ eine Ehe mit der Tänzerin Sheryl Goddard, die beiden haben drei Kinder. Von seiner Bühnenfigur „Alice“ spricht er grundsätzlich in der dritten Person. Und die beiden haben anscheinend noch eine Menge vor…

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Zeitsprung: Am 22.11.1992 hilft Alice Cooper zwei Hausbesitzern.

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Popkultur

5 Songs, die jeder Fan von Donna Summer kennen sollte

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DONNA SUMMERS
Titelfoto: Fin Costello/Redferns/Getty Images

Als „Queen Of Disco“ hat sie uns während ihrer jahrzehntelangen Karriere gleich mehrere Songs für die Ewigkeit geschenkt. Diese fünf Tracks von Donna Summer stechen besonders heraus.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch einige der größten Hits von Donna Summer anhören:

5. I Feel Love (1977)

Als Donna Summer und ihre beiden Produzenten Giorgio Moroder und Pete Bellotte im Oktober 1976 die Arbeit an Summers fünftem Album I Remember Yesterday aufnehmen, schwebt dem Trio ein Konzept vor. Jeder der Songs auf der Platte soll für eine musikalische Dekade stehen, ob die Swing-lastigen Vierziger oder die funkigen Siebziger. Mit dem letzten Stück I Feel Love möchten die Drei einen Blick in die Zukunft riskieren. Ob der Moog-Synthesizer, Summers apathischer Gesang oder der monotone Rhythmus: Tatsächlich klingt das Stück verdächtig nach 1980, obwohl der Song bereits 1977 erscheint. Die Redaktion der Financial Times spricht in einem Artikel von 2016 sogar von „einer der einflussreichsten Aufnahmen aller Zeiten“. Brian Eno habe 1977 zu David Bowie gesagt: „Diese Single wird die Club-Musik für die nächsten 15 Jahre verändern.“ Zweifelsohne dürfte Summer mit I Feel Love großen Einfluss auf die elektronische Tanzmusik genommen haben.

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4. Last Dance (1978)

Auch mit dem Song Last Dance verändert Summer die Disco-Musiklandschaft. So baut Produzent Bob Esty zum Beispiel zwei balladeske Parts in die Nummer ein. „Soweit ich weiß, wurde das in einem Disco-Track vorher noch nie gemacht“, erzählt er 2010 in einem Interview. Den Credit für die Änderungen sackt allerdings Songschreiber Paul Jabara ein, der den Song ursprünglich komponiert hatte. Außerdem kassiert Jabara einen Golden Globe sowie einen Grammy. Und nicht nur das: „Er nahm auch den Oscar entgegen“, so Esty. „Dadurch habe ich eine bittere Lektion gelernt.“ Der Oscar kommt zustande, weil der Song Last Dance ein wichtiger Bestandteil des US-amerikanischen Musikfilms Gottseidank, es ist Freitag von 1978 ist. Um eine Hollywood-Sternstunde handelt es sich bei dem Streifen zwar nicht, doch Donna Summers Performance am Ende des Films kann sich mehr als nur hören und sehen lassen.

3. Hot Stuff (1979)

„Lookin’ for some hot stuff, baby, this evenin’ / I need some hot stuff, baby, tonight“! Ob in den Siebzigern aufgewachsen oder nicht: Diese Zeilen aus dem Donna-Summer-Song Hot Stuff von ihrem siebten Album Bad Girls hat wohl jeder schon einmal gehört. Mit dem Stück unternimmt Summer im Jahr 1979 ihre ersten Ausflüge in den Rock-Bereich und landet damit nicht nur zuhause in den USA auf Platz eins der Singlecharts, sondern auch in Australien, Kanada und der Schweiz. Zu den Komponisten des Stücks gehört unter anderem der Münchner Harold Faltermeyer, der im Lauf seiner Karriere mit Größen wie Donna Summer, Patti LaBelle, Glenn Frey und Billy Idol zusammenarbeitet und Soundtracks für zahlreiche Hollywood-Filme schreibt, wie zum Beispiel Beverly Hills Cop und Top Gun. In manchen Clubs läuft Hot Stuff heute noch, mehr als 40 Jahre nach der ersten Veröffentlichung.

2. Bad Girls (1979)

Auf die Idee für den Titeltrack ihres siebten Albums kommt Donna Summer durch einen unangenehmen Zwischenfall. Ein Polizeibeamter hält eine der Assistentinnen der Disco-Queen für eine Prostituierte und geht die junge Dame dafür aufs Übelste an. „Bad girls / Talking ‘bout the sad girls“, singt Summer später und beschäftigt sich im Text des Stücks sehr offen mit dem Thema Prostitution. Das Ergebnis: ihr größter Hit neben Hot Stuff. Ganze fünf Wochen belagert Summer mit Bad Girls den ersten Platz der US-Singlecharts, in sieben weiteren Ländern reicht es immerhin zur Top Ten. Die Textstelle „Toot Toot! Ah! Beep Beep!“, leiht sich Summer von Joe Cuba, dem „Father Of Latin Boogaloo“. Als der Musiker seinen Song Bang Bang für ein Schwarzes Publikum spielt, reagieren die Zuschauer*innen nämlich mit Rufen auf Cubas Riffs und beteiligen sich auf diese Weise selbst an der Show.

1.  On The Radio (1979)

Genau wie bei Last Dance, handelt es sich auch bei On The Radio um einen Soundtrack-Beitrag zu einem Film. Dieses Mal heißt der Streifen Jeanies Clique und erzählt die Geschichte der vier weiblichen Teenager Jeanie, Annie, Madge und Deirdre, die gemeinsam durch dick und dünn gehen. Das Leben der Vier hat nicht allzu viel zu bieten, also feiern sie ihren Frust einfach gemeinsam weg. Filmkritiker Roger Ebert von den Chicago Sun-Times bezeichnete den Streifen als „ambitionierten Film“, für den Drehbuchautor Gerald Ayres sorgfältig recherchiert habe. „Der Film ist einer der seltenen Versuche, ein Porträt der Art und Weise zu zeichnen, wie Teenager in Vorstadtkulturen heute wirklich leben“, so Ebert. Donna Summer und Produzent Giorgio Moroder liefern mit On The Radio den perfekten Song dazu, der sicher auch davon lebt, dass Summer genau wusste, welches Gefühl es für Jeanies Clique einzufangen galt.

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10 Soul-Empfehlungen für den Einstieg

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Popkultur

5 Dinge, die ihr über Udo Lindenberg noch nicht wusstet

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Foto: Simon Hofmann/Redferns via Getty Images

Udo Lindenberg dürfte neben Thomas Gottschalk und Herbert Grönemeyer zu den bekanntesten Deutschen überhaupt gehören. 36 Studioalben hat er seit 1971 veröffentlicht — oft mit Gold, manchmal mit Platin veredelt. Auch als Maler feiert er große Erfolge.

von Timon Menge

Hier könnt ihr euch Stärker als die Zeit von Udo Lindenberg anhören:

 1. Eigentlich wollte er als Kellner auf Kreuzfahrtschiffen arbeiten.

Zur Welt kommt Udo Lindenberg am 17. Mai 1946 in Gronau. Schon als Kind trommelt er auf Benzinfässern herum, mit 15 tritt er als Schlagzeuger in der Düsseldorfer Altstadt auf. Beruflich schlägt er allerdings erstmal einen anderen Weg ein und beginnt eine Ausbildung zum Kellner im Hotel Breidenbacher Hof in Düsseldorf. In einem Interview mit dem WDR2 zu seinem 65. Geburtstag verrät er, dass er eigentlich als Kellner auf Kreuzfahrtschiffen arbeiten wollte. „Mein Traum waren schon immer die dicken Pötte“, erzählt er dort. Auch im Udo-Film Lindenberg! Mach dein Ding sowie in einem Interview mit der Hamburger Morgenpost wird seine Liebe zum Meer deutlich. „Ich bin ein Freund der Seefahrt“, verrät der Musiker mit der markanten Stimme in der Mopo. „Und in der großen weiten Welt muss ich sowieso sein. Dann eben als Schiffssteward! Deshalb hab ich, auch um meinen Vater zu beruhigen, ein bisschen einen auf Kellnerlehre gemacht.“ Lange funktioniert das allerdings nicht. Nach nur drei Monaten quittiert Lindenberg seinen Kellnerdienst, mit 16 steht er zum ersten Mal als Profitrommler auf der Bühne. Seine Kreuzfahrtkarriere nimmt später trotzdem volle Fahrt auf. Ganze neun Mal singt er auf dem „Rockliner“ auf hoher See für seine Fans. Doch Lindenberg geht mit der Zeit, eine zehnte Ausgabe plant er aktuell nicht. „Im Moment mach ich damit nicht weiter“, erzählt er der Hamburger Morgenpost. „Im Moment müssen die erstmal die Schiffe umrüsten auf Flüssiggas. Denn das Schweröl verdreckt die Meere ungeheuerlich. Da kann man nicht mitmachen. ‚Fridays for Future‘ und so, da müssen wir mal ein bisschen konsequent sein.“

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2. Er hat mit Marius Müller-Westernhagen und Otto Waalkes in einer WG in Hamburg gelebt.

Zugegeben, das wissen die meisten von euch vermutlich schon. Während der Siebziger entwickelt sich in Hamburg die sogenannte „Hamburger Szene“, ein Musikerkonglomerat, das sich durch große Experimentierfreude und jede Menge Humor auszeichnet. Dreh- und Angelpunkt der Hansestadt-Szene ist zum einen die Musikkneipe Onkel Pö; zum anderen gehört auch die Villa Kunterbunt zu den Geburtsstätten der Künstlergemeinschaft. Dabei handelt es sich um das Haus im Rondeel 29 in Hamburg-Winterhude, in dem unter anderem Udo Lindenberg und Otto Waalkes unter einem Dach wohnen. Auch Marius Müller-Westernhagen geht dort ein und aus, lebt laut eigener Aussage aber nur kurzzeitig in der WG, die zwischenzeitlich bis zu 14 Bewohner*innen beherbergt. In der Villa Kunterbunt werden Bands gegründet und aufgelöst, Songs geschrieben und aufgeführt sowie Konzerte mitgeschnitten und auf eigene Faust verkauft. Lindenbergs Kunstfiguren Rudi Ratlos und Bodo Ballermann entstehen hier; Otto Waalkes feiert später als Kommissar Kringel und Harry Hirsch große Erfolge. „Wer hier nicht war und Pineau getrunken hat“, stellt Lonzo Westphal in „Der Teufelsgeiger von Eppendorf“ in den Liner Notes der CD Hamburg 75 fest, „der gehörte ganz einfach nicht zur Hamburger Szene. Und wer nicht in der Rondeel-Villa verkehrt hat, noch weniger.“ Heute dient das Haus mit der Nummer 29 als Sitz der Dr. E. A. Langner-Stiftung.

3. Udo Lindenberg wohnt seit 1995 im Hotel Atlantic in Hamburg.

Greta Garbo hat es getan, Coco Chanel ebenfalls. Auch Salvador Dalí gehört zu den prominenten Dauerhotelgästen. Udo Lindenberg lebt seit 1995 in einem abgesperrten Bereich im Hamburger Hotel Atlantic — inklusive Privatkino. Das hat Vorteile: Die Bettwäsche wird gewechselt, die Minibar aufgefüllt und der Zimmerservice steht rund um die Uhr zur Verfügung. Im Restaurant des Hauses hat er sogar seine eigene Nische. Doch Moment mal, ging nicht zu Beginn der Coronapandemie die Meldung um, Lindenberg sei aus dem Hotel ausgezogen? Stimmt gar nicht, verrät er in einem neuen Artikel auf Spiegel Online. Er bringt es inzwischen also auf 26 Hoteljahre am Stück. Coco Chanel hat 35 geschafft. Drücken wir Udo die Daumen, dass er ihren Rekord bricht.

4. Udo Lindenberg malt auch Bilder — mit Likör.

Auch sein Atelier befindet sich im Atlantic. Wenn Lindenberg den Pinsel schwingen möchte, begibt er sich einfach ins Dachgeschoss des Hotels. Die Pinsel benutzt er aber nicht etwa für Wasser- oder Ölfarbe — sondern für Spirituosen. Deshalb nennt er seine Kunstwerke auch nicht Aquarelle, sondern Likörelle. Das geht natürlich nicht mit handelsüblichem Likör, wie man auf der Website des Kunsthauses Zimmermann & Heitmann nachlesen kann. Lindenbergs erste Versuche hätten seine sehr matte Farbigkeit gezeigt und seien nicht sehr langlebig gewesen. Deshalb habe er Profis in einer Weinbrennerei aufgesucht und gemeinsam mit ihnen „Likörfarben“ entwickelt, die farbintensiver seien und länger hielten. „Ich bin halt gern Erfinder“, kommentiert Lindenberg die Idee. „Mein großes Vorbild ist ja auch Daniel Düsentrieb!“ Inzwischen kennt man Lindenbergs Likörelle auf der ganzen Welt und in Deutschland zählen sie zu den teuersten Kunstwerken überhaupt.

5. Er hatte die Idee für das Rock- und Popmuseum in seiner Heimatstadt Gronau.

Wer Lindenbergs Heimatstadt Gronau besuchen möchte, sollte genug Zeit einplanen. Dort kann man nämlich nicht nur ein paar Stationen seiner Kindheit abklappern, sondern auch das „rock’n’popmuseum“ besuchen, das der Musiker zu Beginn der Zweitausender mit ins Leben gerufen hat. In einer ehemaligen Turbinenhalle kann man nicht nur unterschiedlichste Exponate aus der Rockgeschichte bewundern, sondern zum Beispiel auch das originalgetreue Tonstudio der avantgardistischen Kölner Can. „Das Rockmuseum wird ein Jungbrunnen für Gronau sein“, schreibt Lindenberg über das Museum. „Das wünsch’ ich euch, von ganzem frischen Rock-‘n‘-Roll-Herzen.“

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40 Jahre mit Hut: Wie Udo Lindenberg in New York sein Markenzeichen fand

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Platten

Motown: Die 15 wichtigsten Songs aus der legendären Hitfabrik

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Motown

Gespeist aus einem gewaltigen Backkatalog, der Jahrzehnte umspannt, haben die größten Hits aus dem Hause Motown nicht nur eine Ära definiert: Sie sind dermaßen zeitlos, dass sie längst als Inbegriff des „Classic Pop“ gelten müssen. Dass Berry Gordy es geschafft hat, sein unabhängiges Soul-Label aus Detroit zu einer der bekanntesten Musikadressen der Welt zu machen, ist an sich schon bemerkenswert. Dass die bei Motown veröffentlichten Titel auch nach so langer Zeit zu den bekanntesten und mitreißendsten Aufnahmen der Musikgeschichte zählen, unterstreicht, was für ein einzigartiges Gespür Mr. Gordy hatte. Die 15 Titel, die nun folgen, sind dabei nur die Spitze des Eisbergs.

von Ian McCann

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15. I Want You (Marvin Gaye)

Das Verlangen überwältigt Marvin Gaye im Verlauf des Titelsongs seines I Want You-Longplayers aus dem Jahr 1976. Produziert von Leon Ware, der außerdem Co-Autor ist, kann sich dieser Song mitunter sogar fast schon zu intim anfühlen, sollte man gerade nicht in Stimmung sein – doch wer bitte ist schon nicht in Stimmung, wenn Mr. Gaye loslegt?

14. Heaven Must Have Sent You (The Elgins)

Die vom Hitmaker-Trio Holland-Dozier-Holland komponierte und produzierte Single sollte für The Elgins der einzige wirklich große Hit bleiben – dabei hätten ihre Ausnahmestimmen deutlich mehr Erfolge verdient. Doch 1966 ein Top-50-Titel in den Staaten, mussten sie auch noch fünf Jahre warten, bis ihr Hit in England die Top-3 knackte. Trotzdem: Auch musikalisch ganz klar ein Geschenk des Himmels!

13. Just My Imagination (Running Away With Me) (The Temptations)

Eine verträumte – genauer: tagträumerische – Ballade, die zugleich als Abschiedsgeschenk von Eddie Kendricks an The Temptations fungierte. Was als Geschichte von einem verblendeten Schwärmer beginnt, verwandelt Kendricks in einen Traum aller Fans. Außerdem war’s ein Abschiedsgruß an den Kollegen Paul Williams, der 1971 aus gesundheitlichen Gründen aufhören musste.

12. Reach Out I’ll Be There (Four Tops)

Der Monsterhit der Four Tops aus dem Jahr 1966. Levi Stubbs aktiviert jeden Muskel, spannt jede Sehne, belastet seine Stimmbänder aufs Äußerste, um allen Zuhörenden klarzumachen, dass er bereit wäre, sie zu fangen, sollten sie denn einmal fallen. Was für ein Typ. Was für ein Track.

11. My Guy (Mary Wells)

Die etwas wehklagend wirkende Sirene zu Beginn markiert den Auftakt zu jenem Song aus dem Jahr 1964, der damals wie eine Bombe einschlug. Von Smokey Robinson komponiert, war der Song für Mary Wells hinterher auch der größte Motown-Hit – denn wenig später verabschiedete sie sich nach vielen Jahren vom Label. Auch heute klingt der Song immer noch so klar und lebendig wie vor gut 50 Jahren.

10. My Girl (The Temptations)

Die Antwort auf My Guy (Mary Wells) schrieb Smokey mit My Girl: Der nächste große Wurf, der gerade durch das reduzierte Gitarrenspiel von Robert White so unwiderstehlich wird, weil das Motiv so grandios mit David Ruffins Gesang harmoniert. Zärtlich und dabei doch lebhaft, darf dieser Titel als inoffizielle Hymne und Erkennungsmelodie der Temptations gelten.

9. Sir Duke (Stevie Wonder)

Mit seiner Verneigung vor jenen Swing-Jazz-Ikonen, die ihn als Kind inspiriert hatten, lieferte Stevie Wonder im Jahr 1976 einen dermaßen ausgelassenen Titel ab, dass man fast meinen könnte, „Sir“ Duke Ellington persönlich habe ihn eingespielt – nur klang die Single dafür dann doch einen Tick zu funky! Ein großer, fröhlicher, überschwänglicher Platz-1-Kandidat im Jahr 1977.

8. Stop! In The Name Of Love (The Supremes)

Schluss mit den Spielchen, Junge! Denn The Supremes wissen ganz genau, was du da treibst – und der dazugehörige Song funktioniert als Bitte um Besserung und als unüberhörbarer Warnschuss zugleich. Allein wie die charmanten Damen das Wörtchen „charms“ benutzen! Also wenn diese Message nicht bei ihm ankommt, dann kann er nur ein seelenloses Wesen sein. Oder taub.

7. The Tracks Of My Tears (The Miracles)

Noch so ein miracle von Smokey: Dieses vertonte Geständnis war 1965 ein Top-10-Hit in den USA – hätte aber noch deutlich höher in den Charts klettern müssen. Das Problem: Die Dinge sind nicht immer so, wie es scheint. Ein Thema, das er auch mit Tears Of A Clown umkreisen sollte. Sein Leid ist der Stoff für ein Lied, das man nicht mehr aus dem Kopf bekommt.

6. I Want You Back (Jackson 5)

Die Jungs aus Gary, Indiana drehten mal so richtig auf für ihre erste Tamla-Veröffentlichung: Wie eine Kreuzung aus ganz, ganz jungen Sly And The Family Stone mit den Temptations im Teenager-Alter wirkte das. Veröffentlicht 1969, ganz oben in den Charts im Jahr drauf: Es war die Geburtsstunde eine Legende.

5. What Becomes Of The Brokenhearted (Jimmy Ruffin)

Auch der Bruder des Temptations-Sängers ergriff seine Chance bzw. das Mikrofon: Hier präsentiert er eine eher düstere Geschichte aus dem Land der Verlassenen und Einsamen. Von Anfang an beliebter bei den Briten und Britinnen als in den USA, schaffte es die Single doch immerhin auf Platz 7 der US-Charts. Kein Wunder bei so viel Soul.

4. I Heard It Through The Grapevine (Marvin Gaye)

Marvin Gaye war nicht der erste, der I Heard It Through The Grapevine aufgenommen hat. Auch nicht der erste, der damit die Charts eroberte, denn das hatten vor ihm schon Gladys Knight And The Pips übernommen. Trotzdem ist seine Version, gedrosselt und eindringlich, diejenige, die zum Klassiker werden sollte. Die Single war riesengroß im Jahr 1968. Und sie ist es heute noch.

3. Papa Was A Rollin’ Stone (The Temptations)

Auch diesen Song hatten Undisputed Truth schon im Jahr zuvor eingespielt, aber erst The Temptations machten ihn 1973 zum Mega-Hit. Man sagt, die Bandmitglieder hätten sich zunächst nicht wirklich wohl damit gefühlt, dermaßen abfällig über ihre Papas zu reden – schließlich waren die Väter allesamt ganz anständige Leute. Pure Fiktion also, und fantastisch eingängig verpackt.

2. Someday We’ll Be Together (Diana Ross And The Supremes)

Mit dieser Version des Johnny And Jackey-Duetts aus dem Jahr 1961 verabschiedete sich Diana Ross von den Supremes: Passend dazu klingt der Song denn auch nach Resignation und Hoffnungsschimmer zugleich. Das Arrangement ist dem Original überraschend ähnlich; verantwortlich dafür war Johnny Bristol persönlich, der Johnny also von Johnny And Jackey. Ironisch daran ist vor allem, dass die Supremes genau genommen gar nicht mitsingen. Denn man hört nur Diana Ross, deren Stimme von Mr. Bristol immer höher und höher getrieben wird.

1. Ain’t No Mountain High Enough (Marvin Gaye & Tammi Terrell)

Die Bergspitze des Sixties-Pop, einer der größten Soul-Tracks aller Zeiten, und für viele Menschen auch ganz klar: der Höhepunkt der Motown-Ära. Der von Ashford & Simpson komponierte Song vereint Gospel-Wurzeln mit himmlischem Soul – in einem Arrangement, das sich aus seichten Tälern bis in luftige Höhen erhebt. Marvin und Tammi klangen nie besser als hier, weder zusammen noch als Solokünstler. So leidenschaftlich. So ambitioniert.

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Motown Records: Vom Party- zum Protest-Sound einer ganzen Generation

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